Gelübde

© Gelübdefeier 2012 in der Kirche St. Klara, Nürnberg

Die Jesuiten legen nach dem Noviziat drei einfache Gelübde ab: Gehorsam, Armut und Keuschheit. Am Ende der Ausbildung werden dieselben Gelübde feierlich und endgültig versprochen. An diesem Zeitpunkt wird auch das Papstgelübde abgelegt.

Gehorsam

Gehorchen kommt von Horchen. Der Gehorsame hört auf Gottes Wort und seinen Willen. In der Unterscheidung der inneren Regungen und im Verstehen der Zeichen der Zeit lässt er sich ganz auf Gottes Ruf ein. Er lässt sich von Gott ansprechen und antwortet darauf. Im Gehorsam ist Mensch frei von Selbstbehauptung. Er widersteht der Versuchung der Macht. Das Gehorsamsgelübde, das der Jesuit gegenüber seinem Provinzial ablegt, dient dem gemeinsamen Hören auf Gottes Willen. Er bezieht sich zuallererst auf die Sendung. In Freiheit binden sich die Jesuiten aneinander, um so ganz frei für den Dienst an Mitmensch und Welt zu werden. Der Gehorsam hilft, sich ganz auf das Reich Gottes auszurichten. Er ist eine konkrete Form der Nachfolge Jesu, der ganz auf seinen Vater im Himmel gehört hat.

Armut

Soziale Armut ist ein Übel. Die gewählte Armut im Jesuitenorden aber ist ein Verzicht, um mit den Armen solidarisch zu sein, sie tiefer zu verstehen und für mehr Gerechtigkeit zu leben. Sie macht solidarisch. Das Armutsgelübde verpflichtet zu einem einfachen Lebensstil. Es besteht im Verzicht auf Privateigentum. Jesuiten leben in Gütergemeinschaft und teilen miteinander, was sie besitzen. Allen Überfluss geben sie weiter und setzen jeden Besitz für ihre apostolische Arbeit ein. Armut im Orden bedeutet Bescheidenheit, die frei macht von Sorge um sich selbst. Sie lässt das Vertrauen in Gottes Fürsorge wachsen und ist eine konkrete Form der Nachfolge Jesu, der als einfacher Wanderprediger wirkt.

Ehelosigkeit

Ehelosigkeit ist eine konkrete Form, Jesus ähnlich zu werden und ihm nachzufolgen. Die Keuschheit wird in einer innigen Freundschaft mit Christus gelebt und aus einer Liebe zu ihm genährt. Sie findet ihren Raum in der gelebten Mitbrüderlichkeit im Orden. Jesuiten verstehen sich seit der Ordensgründung als „Freunde im Herren“. Der Verzicht auf eine exklusive und sexuell gelebte Beziehung will den Jesuiten frei machen für echte Beziehungen mit den Menschen, für die er in seinem apostolischen Wirken lebt. Seine frei gewählte Lebensform um des Reiches Gottes willen ist ein prophetisches Zeichen, den Stellenwert von Sexualität zu relativieren. Sie kann gerade jenen Menschen Hilfe sein, die aus irgendeinem Grund allein leben müssen.

Gehorsam gegenüber dem Papst

Der Gehorsam gegenüber dem Papst ist vom grundsätzlichen Gehorsamsverständnis des Ordens getragen. (vgl. oben) Als Nachfolger des Apostels Petrus ist dem Bischof von Rom die Sorge um die Einheit der Kirche weltweit anvertraut. Daher ist das Hören auf den Papst wesentlich für die Jesuiten. Gemeinsam mit ihm hören sie auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, die Nöte und Fragen der Menschen aller Kontinente und auf die Anliegen verschiedenster Kulturen und Religionen. Sie fragen danach, welches Handeln in einer globalisierten Welt Versöhnung und Heil, Einheit und Frieden, Gerechtigkeit und Lebensfülle bringt. So lassen sich die Jesuiten vom Papst in den Dienst der Universalkirche stellen. Im Gehorsam nehmen sie von ihm Aufträge und Sendungen an, um zu wirken, wo die Not am grössten ist.