Pater Ruedi Hofmann SJ – ein Pionier der Entwicklungsarbeit

Heute Abend, 3. Juni 2008, findet in Uznach ein Informationsabend über Osttimor statt. Die Hauptperson kann nicht teilnehmen: Der Uznacher Jesuit Ruedi Hofmann, der über sein Entwicklungsprojekt in Osttimor hätte berichten wollen, ist am vergangenen Mittwoch überraschend gestorben.

Der 70 jährige Ruedi Hofmann, Sohn der Familie Rudolf und Josy Hofmann-Mächler in der Rotfarb in Uznach, kam aus Osttimor in die Schweiz, um an der Priesterweihe und, am kommenden Sonntag, an der Primiz seines Verwandten Paul Oberholzer in Uznach teilzunehmen, und um seine Entwicklungs- und Medienarbeit vorzustellen. Sein Tod ist für alle, die ihn kannten und mit ihm zusammenarbeiteten, ein Schock. Der Informationsabend findet aber, ganz in seinem Sinne, trotzdem statt, denn mit ihm reisten auch drei Timoresen in die Schweiz. Einer arbeitete mit ihm zusammen. Die beiden anderen sind Mitarbeiter einer Kunstschule, welche die Schweizer Luca und Gabriela Gansser in Osttimors führen. Die Schule leitet Jugendliche im von massiver Gewalt geplagten Land zu Kreativität und sinnvoller Beschäftigung an.

Arbeit im Dienst des Friedens

Osttimor, bis 1974 portugiesische Kolonie, 1975 von Indonesien gewalttätig annektiert, eines der ärmsten Länder der Welt, ist erst seit 2002 selbständig. Der Inselstaat nördlich von Australien findet schwer zur Normalität. Ruedi Hofmann lebte hier seit 2000 und trug mit seiner Medienarbeit zu Befriedung bei: Er gestaltete Fernsehsendungen, in denen er Animationsfilme, von Künstlern Osttimors gestaltet, einsetzte. Diese Filme, denen jeweils Diskussionen folgten, thematisieren die Geschichte des Landes und seine Konflikte, in deren Folge Tausende von Menschen umkamen und unzählige Häuser niedergebrannt wurden. Zentral war ihm einerseits der Gedanke christlicher Versöhnung und des Friedens, andererseits aber auch, dass die Menschen Osttimors zu kulturellem Selbstwertgefühl finden, damit sie ihre Zukunft aus ihren eigenen kulturellen Wurzeln heraus selber gestalten können. So erschien er selber nie auf dem Bildschirm, sondern liess die Menschen ihre Probleme und Wünsche stets selber formulieren.

Pionierarbeit in Indonesien

Ruedi Hofmann wirkte zuvor auf der Insel Java (Indonesien), wo er 1981 ein Institut für Aus- und Weiterbildung von Journalisten gründete, und wo er im Staatlichen Fernsehen Sendungen betreute. Hier wie in Osttimor war seine Arbeit von Rückschlägen begleitet. Er liess sich jedoch nie entmutigen und setzte sich unermüdlich für ein Zusammenleben im Frieden ein. Ein besonderes Anliegen war ihm dabei der Dialog zwischen den Religionen: Seine tiefe Überzeugung war, dass die Religionen – er erlebte den Islam neben Hinduismus, Buddhismus und Christentum – gemeinsam zum Wohl der Menschheit die grossen Probleme der Welt angehen müssen, um ihre Grundwerte dem vorherrschenden materialistischen Zeitgeist entgegenzusetzen. Pater Hofmann war denn auch befreundet mit hohen Exponenten des balinesischen Hinduismus. In Yogyakarta hatte er enge Kontakte mit Vertreten des Islams. Er befasste sich intensiv mit buddhistischer Meditation und den grossartigen Tempeln des frühen Buddhismus in Java.

Ruedi Hofmann wurde 1938 geboren, besuchte nach der Jugendzeit in Uznach das Kollegium in Schwyz und trat dann in den Jesuitenorden ein. Er studierte Philosophie in Deutschland, reiste 1964 nach Indonesien, studierte Theologie, empfing dort die Priesterweihe und absolvierte eine weitere Ausbildungszeit innerhalb des Jesuitenordens in Südamerika. In den USA studierte er Kommunikationswissenschaften.

Dank seinen breiten wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungen wurde Pater Ruedi Hofmann zu einem Pionier im Einsatz der Medien in der Entwicklungs- und Missionsarbeit. Dank breiten Sprachkenntnissen, Offenheit, Einfühlungsvermögen und persönlicher Bescheidenheit fand er auch Zugang zu einfachen Menschen in Südostasien, für die er oft auch Seelsorger war.

Niklaus Oberholzer, Luzern

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