«Bahnbrechendes Werk»: Peter Achten über China-Buch von Laszlo Ladanyi SJ

Die aufstrebende Grossmacht China ist Thema vieler Bücher. «Nur wenige tragen zur Erhellung der Sachlage bei», schreibt Peter Achten, langjähriger China-Korrespondent mit Wohnsitz Peking und der Schweiz. Es gibt für Achten Ausnahmen, darunter eine «bahnbrechende»: Das Buch von Laszlo Ladanyi SJ «The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait». Anlässlich der Neuauflage 2018 würdigt Peter Achten das Werk des ungarischen Jesuiten. Ein Auszug seiner Rezension. 

«Bereits 1988 ist ein Buch erschienen, das für westlich geprägte Leserinnen und Leser sowie für Marxismus-unkundige Sinologen und Journalisten Licht ins Dunkle bringt. Autor ist der Ungare Laszlo Ladanyi.
Er stammt aus einer jüdischen Familie, die zum Katholizismus konvertiert ist. Ladanyi studiert am Budapester Konservatorium Violine und an der Universität die Rechte. Nach seiner Promotion tritt er 1936 dem Jesuiten-Orden bei. Ladanyi lebt und studiert von 1940 bis 1949 in China – während des Krieges gegen Japan, des 2. Weltkrieges und des nationalistisch-kommunistischen Bürgerkrieges. 1949 lässt er sich in Hong Kong nieder und veröffentlicht dort von 1953 bis 1982, ausschliesslich auf chinesischen Quellen basierend, eine wöchentliche China News Analysis. Danach arbeitet er an seinem bahnbrechenden Buch «The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait». Laszlo Ladanyi zeigt die Geschichte der KP Chinas von innen, gestützt ausschliesslich auf chinesische Quellen. 

Viel Neues zu Mao und dem «Grossen Sprung nach Vorn»
Ladanyi zeigt in seinem Buch viel Neues. So ist Mao nicht, wie die offizielle chinesischen Geschichtsschreibung behauptet, bereits während des Langen Marsches 1935 zum unbestrittenen Führer aufgestiegen, sondern erst zehn Jahre später nach Säuberungen, die in den folgenden Jahrzehnten unter gänzlich unterschiedlichen Methoden zu einem Merkmal der KP Chinas geworden sind. Bis heute.
Neues Licht wirft Ladanyi auch auf den «Grossen Sprung nach Vorn» (1958–61) mit der katastrophalen Hungersnot mit über 35 Millionen Toten, auf die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» (1966–76), auf Aufstieg und Fall von Feldmarschall Lin Biao und den Kampf Deng Xiaopings für die Wirtschaftsreform gegen harten Widerstand. Wie jede Nation, so Ladanyi, wird auch China und die allmächtige Kommunistische Partei früher oder später nicht darum herumkommen, sich der eigenen Geschichte zu stellen. Bis heute bleibt ausserhalb der parteilich verordneten Interpretation die neueste Geschichte Chinas ab 1949 tabu.
Wenn man das moderne China und vor allem die KP unter der Führung von Staats-, Partei- und Militärchef Xi Jinping verstehen will, kommt man um das in einer Neuauflage wieder erhältliche Buch von Ladanyi nicht herum.»
Peter Achtens Gesamtbeitrag auf www.journal21.ch. Die Internet-Plattform wurde von Heiner Hug mitbegründet und publiziert Beiträge namhafter Journalistinnen und Journalisten.

 

«The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait», Laszlo Ladanyi SJ, Neuauflage Mai 2018, Hurst Publishers London. Taschenbuch auf Englisch. Neuverfasst sind: Vorwort von Friedrich Young, biografische Anmerkungen von Edmund Ryden SJ, Epilog von Peter Hoffenreich.

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