Medieninformationen zum Jesuiten-Drama "Silence" von Martin Scorsese

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Der neue Film "Silence" des amerikanischen Regisseurs Martin Scorsese handelt von Jesuitenmissionaren im Japan des 17. Jahrhunderts. Er ist mit Andrew Garfield, Liam Neeson und Adam Driver in den Hauptrollen prominent besetzt. Der Film kommt am 2. März in der Deutschschweiz in die Kinos. Hier wären einige weiterführende Informationen zum Film:

Zum Jesuitenorden
Die Jesuiten sind eine Ordensgemeinschaft von Männern in der katholischen Kirche. Der Orden wurde 1540 vom Basken Ignatius von Loyola und seinen Gefährten gegründet. Der Name „Jesuit“ kommt von „Jesus“, Jesuiten sind „Gefährten Jesu“. Hinter dem Namen der Jesuiten steht das Kürzel SJ, Societas Jesu, zu Deutsch: Gesellschaft Jesu.

Jesuiten arbeiten in sozialen, spirituellen und in Bildungsprojekten. Der Orden betreibt weltweit 240 Hochschulen und Universitäten, 700 Gymnasien und andere Schulen. Rund um den Globus werden heute knapp drei Millionen Menschen, darunter viele Flüchtlinge, in den Bildungseinrichtungen des Ordens unterrichtet.

Die Gesellschaft Jesu ist mit rund 16.300 Mitgliedern (2016) der grösste Männerorden der katholischen Kirche. Weltweit sind die Jesuiten in regionale Verwaltungseinheiten, sogenannte „Provinzen“ aufgeteilt. Die Schweizer Provinz der Jesuiten hat ihren Sitz in Zürich und zählt derzeit 57 Mitglieder.

Vermittlung von Spiritualität, geistliche Begleitung und das Geben von Exerzitien zählen zu den Kernaufgaben der Jesuiten. Als Priester sind sie auch in der Seelsorge tätig, in Kirchen und Pfarreien sowie in zahlreichen säkularen Institutionen.

Angesichts einer immer dichter vernetzten Welt ist den Jesuiten – die von Anfang an einen weltumspannenden Orden bildeten – der Dialog zwischen den Religionen ein besonderes Anliegen. Heute betrachten sie es als wesentliche Aufgabe, nicht nur von der frohen Botschaft des Evangeliums zu erzählen, sondern auch zwischen der säkularen Welt und religiösen Traditionen zu vermitteln. Dies ist ihr Beitrag zu einer globalen Kultur.

Die missionarische Dimension der Jesuiten, die im Grunde auch heute noch zur DNA jedes einzelnen Jesuiten gehört, ist in der Schweiz primär in der Stiftung Jesuiten weltweit konzentriert: www.jesuiten-weltweit.ch. Auf dieser Basis unterstützen die Schweizer Jesuiten die Tätigkeiten der Jesuiten in anderen Ländern

Zur Person des Pater Ferreira im Film
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Shusaku Endo und spielt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er erzählt die Abenteuer von zwei Jesuiten, die nach Japan gesandt werden, nachdem sie erfuhren, dass P. Cristovao Ferreira (im Film dargestellt von Liam Neeson), ein portugiesischer Missionar, seinem Glauben abgeschworen habe, nachdem er gefoltert worden sei. Die beiden Jesuiten – P. Sebastiao Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garupe (Adam Driver) – erfahren am eigenen Leibe die Verfolgung und die Leiden, denen damals zahlreiche japanische Christen ausgesetzt sind.

Der Film spielt in einem realen historischen Kontext: der Phase des „sakoku“ oder der „geschlossenen Nation“. Das war eine Epoche der japanischen Landesgeschichte, die durch die Schliessung des Landes gegenüber jedem äußeren Einfluss gekennzeichnet war. Diese Phase dauerte von der Mitte des 16. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Jahrhunderte, in denen die Wirtschafsbeziehungen mit der Aussenwelt minimal und die Verfolgung der Christen absolut war.

Ferreira wurde 1580 in Portugal geboren und trat 1596 in Coimbra in die Gesellschaft Jesu ein. Vier Jahre später schiffte er sich in Lissabon als Missionar in Richtung China und Japan ein. Nach Studienjahren in Macao (China) arbeitete er von 1609 bis 1633 als Missionar in Japan und nahm Führungsaufgaben wahr. 1632 wird er von Rom zum Vize-Provinzial ernannt, auch wenn ihn diese Ernennung niemals erreichen sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Christenverfolgungen in Japan zu einem Höhepunkt gelangt. Man hatte einen neuen Märtyrertod geschaffen, „die Grube/das Grab“ genannt. Die Liste der Ordensleute und Christen, die unter dieser Foltermethode starben, ist lang. Am 18. Oktober 1633 wird Ferreira zusammen mit einer Gruppe von anderen Jesuiten und Dominikanern festgenommen. Nach fünf qualvollen Stunden in der „Grube“ gibt er nach und schwört seinem Glauben ab, vollzieht also die so genannte Apostasie. Er ist zu jenem Zeitpunkt 53 Jahre alt und seit 37 Jahren Jesuit.

Die japanischen Autoritäten bringen ihn nach Nagasaki. Dort heiratet er eine Japanerin, wird Buddhist, nimmt den Namen Sawano Xhuan an und erhält vom Gouverneur eine jährliche Rente.

Am 27. Juni 1643 kommt eine Gruppe von Jesuiten, unter denen sich auch Giuseppe Chiara befindet (im Roman und im Film: P. Sebastiao Rodrigues), auf der Insel Oshiva an mit dem Ziel, mit Ferreira Kontakt aufzunehmen. Sie werden umgehend festgenommen. Obwohl es weder ein offizielles Dokument noch ein bestätigtes Datum gibt, hat man die Version zugelassen, die berichtet, dass Ferreira am Ende seines Lebens, im Alter von 70 Jahren, seine Apostasie widerrufen habe, in der Grube gefoltert wird und stirbt. Anderen Quellen zufolge nimmt auch Giuseppe Chiara seine Apostasie zurück und beendet seine Tage in einer unmenschlichen Einzelhaftzelle.

Ferreira stirbt in jedem Fall 1650. Er ist eine der kontroversesten Figuren in der Geschichte der jesuitischen Japanmission. Sein Glaubensabfall 1633 hatte eine enorme Wirkung auf den katholischen Teil von Europa.


Die Jesuiten in Japan
Der Jesuit Franz-Xaver und seine Gefährten brachten 1549 das Christentum nach Japan. Die Mission verlief bis zum Beginn der Christenverfolgungen sehr erfolgreich. Es wurden Kirchen, Schulen (sogenannte Kollegien) und Krankenhäuser in Kyoto, Osaka, Yamaguchi und in der Region Kyushu gebaut. Der Glaube verbreitete sich unter dem Feudaladel, den Samurai und im Volk im Allgemeinen. 1567 soll es rund 50‘000 Getaufte in Japan gegeben haben. Zu jenem Zeitpunkt hatte die Gesellschaft Jesu dort 75 Mitglieder, Ausländer und Einheimische. Im Januar 1582 erhob die Gesellschaft Jesu die Japanmission (zu der auch Macao gehörte) zu einer Vize-Provinz.

Doch vom Verbot des Christentums 1614 waren natürlich auch die Jesuiten betroffen, sie wurden ausgewiesen, getötet oder zumindest – wie viele Christen – in den Untergrund gedrängt. Die hermetische Abschliessung Japans endete erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Erst 1873 schaffte die japanische Regierung auf internationalen Druck die Anti-Christen-Gesetze ab und garantierte in der Verfassung des Kaiserreichs von 1889 Religionsfreiheit.

1908 betraten die ersten Jesuiten wieder japanischen Boden. Auf Bitten Papst Pius’ X. gründeten im Jahre 1913 die drei Jesuitenpatres Joseph Dahlmann, Henri Boucher und James Rockliff in Tokio die Hochschule Jōchi Daigaku. Sie firmiert heute unter dem offiziellen Namen Universitas Sedes Sapientiae oder Sophia University und hat 13‘000 Studierende. Noch immer befindet sich diese Privatuniversität, die weltweit einen ausgezeichneten Ruf geniesst, in der Trägerschaft der Societas Jesu.

Derzeit leben 187 Jesuiten in Japan.


Presse-Kontakte:
Für Anfragen hinsichtlich der Stiftung Jesuiten weltweit:
Cornelia Glees-zur Bonsen, Hirschengraben 74, 8001 Zürich, 044 266 21 37, N 0049 172 140 49 24, medien@jesuiten-weltweit.ch

Für Anfragen hinsichtlich des Jesuitenordens allgemein sowie hinsichtlich der Rolle der Jesuiten im Film „Silence“:
P. Franz-Xaver Hiestand SJ, Hirschengraben 86, 8001 Zürich, 044 254 54 66 (Sekretariat 044 254 54 60), franz-xaver.hiestand@aki-zh.ch

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