Sommerzeit der Scholastiker: Mathias Werfeli SJ

Aufgewachsen ist er in Lausen BL und in verschiedenen Kulturen daheim: Mathias Werfeli SJ (41) über seine Sommerwochen in Jerusalem und L’viv – Lemberg in der Ukraine. 
 

Begegnungen zwischen Ost und West

Jerusalem und L‘viv: zwei Orte der Begegnung von Ost und West, zwei Städte, wo Kulturen, Sprachen und Geschichte aufeinandertreffen – oft friedlich, zeitweise aber auch voller Konflikte und trauriger Ereignisse. In diesen zwei Städten verbrachte ich dieses Jahr meinen Sommer und kehrte mit spannenden und bereichernden Erfahrungen zurück. Ein Charisma der Jesuiten ist es, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden. Dies war mein Leitmotiv: bei den Menschen, den Kulturen (auch kulinarisch), den Sprachen und in der Natur. Und oft hatte ich das Gefühl, Gott selbst hat mich gesucht und gefunden!

Jedes Jahr ermöglich das Päpstliche Bibelinstitut einer Gruppe von Jesuiten in Ausbildung einen vierwöchigen Aufenthalt in Jerusalem mit Studienprogramm, Besuchen und Reisen im Heiligen Land. Ein Besuch der Heiligen Stätten gehört genauso dazu wie spannende Vorträge über Land, Religionen, Politik und Alltag. Dazu kommen Ausflüge und Reisen in die Wüste Negev, an den Jordan und nach Galiläa (im Bild unsere Gruppe vor dem Felsendom). 
Wir waren 20 Jesuiten aus aller Welt – von allen fünf Kontinenten und aus vierzehn Ländern. Ein wunderbares Abbild unserer internationalen Gesellschaft Jesu, eine intensive Zeit mit bereichernden Begegnungen für jeden von uns. Neben den täglichen Exkursionen und Vorträgen stand denn auch genügend Zeit für den persönlichen Austausch zur Verfügung.
Neben dem Kennenlernen der Mitbrüder waren die achttägigen Exerzitien in Jerusalem ein persönlicher Höhepunkt für mich. Die Impulse an den biblischen Orten, die Möglichkeit, meinen Glauben zu vertiefen und zu erweitern und die Stätten zu erfahren, wo Jesus Christus gewirkt und wo er zu den Menschen damals gesprochen hat – und es heute noch tut: Das alles gehört zu den schönsten spirituellen Erfahrungen meines Lebens.

Den August verbrachte ich an einen mir vertrauten Ort: in Lemberg, auf Ukrainisch Львів (L’viv). Ich habe vor sechs Jahren dort zum ersten Mal Freunde besucht. Nun hatte ich die Möglichkeit, in einem Intensivkurs an der Katholischen Universität meine Sprachkenntnisse zu erweitern und gleichzeitig die Arbeit der Mitbrüder in diesem interessanten und für viele so unbekannten Land kennenzulernen (im Bild während eines gemeinsamen Nachtessens). 
Zusammen mit zwei polnischen Mitbrüdern vertiefte ich mich in diese slawische Sprache, die vieles von den verschiedenen geographischen Einflüssen aus Ost und West – vom Russischen, Polnischen und Deutschen etwa – in sich vereint. Ukrainisch ist ein wunderbares Beispiel gelebter Symbiose, wenn auch oft verbunden mit grossen Spannungen. Auch die Architektur der Kirchen vereint Stilmittel und Symbolik der zwei Himmelsrichtungen: eine typische Pfarrkirche (Borshchovychi, 20 km von L’viv) mit östlichen Kuppeln und Holzbauweise der Karpaten. Das Innere der Kirche zeigt das Holz als natürliches Baumittel und verbindet sie mit der byzantinischen Maltradition (im Bild).

Es ist eine unglaubliche Gnade und eine tolle Aufgabe, als Jesuit in Ausbildung seinen Sommer in einem solchen Rahmen gestalten zu dürfen und spornt mich an, das neue Studienjahr in Paris mit frischem Schwung und Elan anzugehen.
Mathias Werfeli SJ

 

 

Zurück