Sommerzeit der Scholastiker: Pascal Meyer SJ

Für einen Scholastiker – einen Jesuiten in Ausbildung – ist der Sommer nicht nur die Zeit der Ruhe, der Ferien: Es ist auch die Zeit für Exerzitien und Engagements, die während des Jahres aufgrund akademischer Verpflichtungen nicht möglich sind. Zurzeit sind fünf junge Schweizer Jesuiten auf dem Weg zu den letzten Gelübden und berichten von ihrem Sommer. Den Auftakt macht Pascal Meyer aus Langnau ZH: Der 34-Jährige hat nach bestandenem Philosophie-Abschluss in München zunächst Ferien in Malta gemacht, danach in Rom an einer dreiwöchigen Scholastiker-Weiterbildung in Social Media teilgenommen und mit Exerzitien in Assisi seine Sommerwochen abgeschlossen. Im Folgenden sein Bericht.

 

Pascal Meyer SJ:
Wird alles klappen? Packe ich das?

Ganz ehrlich: Nach bestandener Abschlussprüfung an der Jesuiten-Hochschule für Philosophie in München freute ich mich zuallererst auf erholsame Ferien mit einem meiner Jesuiten-Gefährten auf Malta. Eine Woche lang tolle Gespräche, alte Städte, herrliche Strände, prachtvolle Kirchen und natürlich die Freuden des maltesischen Linksverkehrs: Vor jeder Kreuzung und Kreiseleinfahrt mussten wir genau überlegen, wie man einzubiegen hat – wir waren ein Dreamteam.

Entscheidender war allerdings das Treffen europäischer Jesuiten in Ausbildung, kurz EJIF, welches dieses Jahr in Rom stattfand. Das Thema unserer Zusammenkunft lautete: «Jugend und Kommunikation». Unsere Gruppe, bestehend aus 24 Jesuiten aus 17 Nationen, beschäftigte sich während gut drei Wochen mit unterschiedlichen Aspekten der Online-Kommunikation und den Potentialen von Social Media für die Verkündigung des christlichen Glaubens. Das mag einige Leserinnen und Leser womöglich erstaunen, aber ein beachtlicher Teil der weltweiten Kommunikation findet heute auf den verschiedenen Plattformen von Social Media statt. Man kann bereits sagen, dass sich der Bereich um Facebook, WhatsApp oder Instagram zu einem «virtuellen Erdteil» unserer Welt entwickelt hat, auf dem sich heute ein Großteil der Menschen zwischen 12 und 50 Jahren aufhält. Ein Grund mehr für die Jesuiten als traditionell missionarisch tätige Ordensgemeinschaft, sich Social Media intensiv zuzuwenden: Expertinnen und Experten von ausser- und innerhalb des Ordens boten uns Fachvorträge und liessen uns die breite Palette der Möglichkeiten ausgiebig erfahren. Besonders hilfreich war dabei der gegenseitige Austausch von Erfahrungen unter uns Jesuiten. Ein Höhepunkt der Zusammenkunft war zweifellos die Privataudienz mit dem Heiligen Vater, Papst Franziskus, der uns eindringlich ermutigte, unsere Kreativität für unser tägliches Wirken zu nutzen: «Es braucht menschlichen Erfindungsgeist, man muss sich die Hände schmutzig machen.»

Die achttägigen Exerzitien waren integraler Bestandteil unseres Treffens: Während einer Woche konnten wir in der malerischen Landschaft um Assisi die gemachten Erfahrungen, Gefühle und Fragen im Gebet und der Stille vor Gott bringen. Das war für mich eine intensive Zeit, da ich zusätzlich mit mehreren Fragen und einigen Zweifeln hinsichtlich meiner nächsten Arbeitsstelle belastet war. Wird alles klappen? Packe ich das? Sind meine Fähigkeiten ausreichend? Müsste ich besser vorbereitet sein?

Es war unglaublich bereichernd, mich diesen Fragen intensiv stellen zu können. Und es hat sich gelohnt: Diese acht Tage des Gebets und der Stille gaben mir neue Kraft und Zuversicht. Ich freue mich nun auf die neuen Herausforderungen an meinem nächsten Arbeitsplatz in Genf, wo ich bei Jesuit Worldwide Learning ]mitarbeiten werde. Dabei handelt es sich um ein neues, internationales Projekt der Jesuiten. Alle Mitarbeitende leisten hier Pionierarbeit. Das ist sowohl spannend als auch herausfordernd. Was kann schon schiefgehen, wenn man auf Gott vertraut?

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