Sommerzeit der Scholastiker: Martin Föhn SJ

Den Auftakt machte Pascal Meyer aus Langnau ZH. Im Folgenden nun berichtet Martin Föhn SJ (35) aus Muotathal SZ von seinen Sommerwochen.

 


Vom grossen Geschenk, Gottes Wirken zu erfahren

Nach Abschluss des Grundstudiums in Theologie in Paris ging es erstmals in die Ferien mit einem Mitbruder und einem guten Freund. Diese Ferien zu dritt sind bereits Tradition. Da zurzeit alle in anderen Ländern leben – der eine in Deutschland, der andere in Italien und ich in Frankreich –  mussten wir entscheiden, wohin es denn dieses Jahr gehen sollte. Wir wählten Italien, Strand und Sonne und genossen erholsame Tage in der Nähe von Neapel.

Nach dem Urlaub ging es zurück nach Paris. Von dort brach ich mit 15 Mitbrüdern aus sechs Nationen nach Südfrankreich auf. Im Departement Lozère, auf einem wunderbaren Hochplateau, verbrachten wir den so genannten Arrupe-Monat, die Zeit der Vorbereitung auf die Priesterweihe. Der charismatische Generalobere Pedro Arrupe, der die Jesuiten in den aufbruchbewegten Jahren nach dem Konzil führte, ist Namensgeber dieser wichtigen Zeit. Es war ihm ein Anliegen, einen zusätzlichen Raum zu schaffen für die affektive Ausbildung der Priester.
Der Austausch war intensiv. Es ging dabei um Themen wie: Mit welchen Gefühlen und Emotionen werden wir als Priester konfrontiert? Wie nimmt unsere Umwelt die Priester wahr? Was werden die Menschen oder die Kirche von uns erwarten? Wir schlossen den Monat mit unseren Jahres-Exerzitien ab, vertieften die aufgeworfenen Themen und unsere Beziehung zu Gott.

Mitte August fuhr ich ins Muotathal zu meiner Familie  und ging z’Berg, mit meinem Göttibueb und am Wochenende mit der katholischen Landjugend, deren geistlicher Begleiter ich bin. An der Sitzung am Samstag gaben wir zunächst dem Kursprogramm für den Dezember den letzten Schliff. Am späteren Nachmittag machten wir uns auf Richtung Pragelpass, wo wir in einer abgeschiedenen Berghütte im Rätschtal übernachteten, um dann am Sonntag bei schönstem Wetter auf dem Pragel auf 1550 Metern den Berggottesdienst zu feiern.

Von der Schweiz reiste ich weiter zu Exerzitien nach Deutschland, wo ich in Frankfurt in der Zukunftswerkstatt, eine Jesuiten-Institution für Junge auf Orientierungssuche, während acht Tagen begleiten durfte. Eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Junge Menschen zwischen 20 und 35 machten sich auf den Weg, ihre eigene Berufung im Leben klarer zu erkennen und besser zu fassen. Es ist für mich immer wieder erstaunlich zu sehen, wie jemand, der mit Gott in eine direkte Beziehung tritt, aufblüht oder die Kraft findet, an schwierige Lebensfragen heranzugehen. Ich empfand es als grosses Geschenk zu erfahren, wie sich bei einigen ein tragfähiges Fundament für das Leben heranbildet, wie sie um gute Entscheidungen rangen, wie Versöhnungs- und Heilungsprozesse eintraten. Ich habe noch keinen anderen Ort gefunden, der mir besser gezeigt hätte, wie Gott in der Welt wirkt.
Am  2. September gehen die Exerzitien in Frankfurt zu Ende, und am 3. September am Abend werde ich bereits in Paris im Haus Manresa erwartet.

Das aki, die katholische Hochschulgemeinde Zürich, feiert sein 100-Jahr-Jubiläumdann am 17. September. Und bevor die Vorlesungen erneut beginnen, werde ich noch ein Wochenende in Zürich verbringen. Zu diesem Anlass werde ich innerhalb des Festprogramms eine spirituelle Führung zu den Figuren im aki-Park anbieten. Ich freue mich sehr darauf. Am Hirschengraben ist meine Basis-Kommunität – hier bin ich während meinen Schweiz-Aufenthalten zuhause.
Martin Föhn SJ

 

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