Wohin steuern wir unser Boot?

von Andreas Schalbetter SJ,

Die Angst verunsichert, verstört, verschlingt. Nicht immer, aber doch immer wieder. Das Virus macht an keiner Grenze halt – auch die Solidarität kann grenzenlos sein. Zwischen Jung und Alt, reich und arm, Nord und Süd. Wir sind alle im gleichen Boot. Welche Werte tragen?

Nicht nur das Virus Covid 19 treibt sein Unwesen. Auch die Angst schleicht wie ein Tiger herum, verunsichert, verstört und verschlingt. Ja, man könnte verrückt und irrewerden vor lauter Panik und Angst vor der Angst. Was die Klima-Jugend nicht schaffte, gelang dem «Öko-Virus» Covid 19. Es zwingt Flug-Gesellschaften in die Knie. Viele Gross-Anlässe wurden ersatzlos gestrichen. Um die sozialen Kontakte zu verlangsamen, hat der Staat die Schraube in den letzten Tagen und Wochen immer fester zugedreht und dehnt die beschränkende Zeit um eine weitere Woche aus. Die wunden Seiten der verschiedenen Staaten und der Globalisierung werden deutlich. Welche Werte tragen? Wir sitzen alle in demselben Boot und dürfen uns nicht in den nationalistischen Gräben verschanzen.    

In jeder Krise steckt jedoch eine Chance zum Neuanfang. Die Mentalität «immer schneller und immer mehr» läuft ins Leere. Diese Krise wirft uns zurück auf uns selbst und öffnet den Blick auf Wesentliches. Das soziale Leben steht plötzlich still – es bleibt Zeit zum Reflektieren, zum Leben und zur Besinnung. Das Virus macht an keiner Grenze halt – auch die Solidarität kann grenzenlos sein: zwischen Jung und Alt, zwischen reich und arm, zwischen Nord und Süd.

Was bedeutet diese Krise aus christlicher Sicht? Gott hilft uns, mit dieser Situation vernünftig und aus dem Glauben heraus umzugehen. Wir können als Menschheit eine Denkpause einlegen. Der Wahn der Machbarkeit gelangt an seine Grenzen. Viele haben den natürlichen Zugang zur Schöpfung verloren und leben in einer Scheinwelt. Dank dem «Öko-Virus» sehen etwa die Menschen in manchen Grossstädten der Welt wieder den blauen Himmel und das Sonnenlicht.

Die Angst vor dem eigenen Tod oder dem Tod von Freunden wird greifbar, begreifbar. Auch als Christen müssen wir vernünftig handeln. Das steht ausser Frage. Darüber hinaus hoffen wir als Christen auf das Ewige Leben. Das gibt uns inmitten dieser Krise Gelassenheit und Vertrauen in Gottes Hilfe. Der gekreuzigte und auferstandene Christus steht uns in dieser Krise um Leben und Tod bei. Er schenkt uns das Leben in jedem Atemzug – und über den Tod hinaus.

 

Nicht irrewerden

Nicht mutlos hängen lassen

den Kopf wie eine Binse

 

Der Spuk der Angst

geht vorüber

wie ein hungriger Tiger

 

Wen verschlingt er

 

Stillstand

alles steht still

Zeit zum Innehalten

 

Besonnen vertrauen

 

 

 

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