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Jesuit Leo O'Donovan spricht am 20. Januar bei Joe Bidens Amtseinführung

von Pia Seiler

Washington (KNA) - Der Jesuit Leo O'Donovan (87), ehemaliger Präsident der Georgetown Universität in Washington, wird die offizielle Rede bei der Amtseinführung des bestätigten US-Präsidenten Joe Biden halten. Wie O'Donovan dem „National Catholic Reporter" (NCR) bestätigte, hatte Biden ihn persönlich angerufen und eingeladen, bei der Zeremonie am 20. Januar zu sprechen. Der Demokrat ist nach John F. Kennedy der zweite katholische Präsident in der Geschichte der USA.

Leo O'Donovan ist ein langjähriger Freund der Familie Biden. 2015 leitete er die Trauermesse für Bidens ältesten Sohn Beau, der im Alter von 46 Jahren an einem Hirntumor gestorben war.

Joe Biden steht mehreren Jesuiten nahe. Während seiner Zeit als US-Vizepräsident besuchte er NCR zufolge gelegentlich die Messe in der katholischen Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Georgetown. 1992, als Bidens Sohn Hunter Senior in Georgetown war, lud Leo O'Donovan den damaligen Senator aus Delaware ein, an der Jesuiten-Universität einen Vortrag über seinen Glauben und sein öffentliches Leben zu halten.

Wenige Tage nach seiner Wahl zum Präsidenten, am 12. November, erschien Biden bei einer virtuellen Spendenaktion für den Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS, bei der O'Donovan jetzt als Missionsdirektor tätig ist. Bei dieser Gelegenheit kündigte Biden laut NCR an, dass er das jährliche Aufnahmeziel für neue Flüchtlinge in die Vereinigten Staaten auf 125 000 Menschen erhöhen werde, was einen starken Anstieg der Obergrenze der Trump-Regierung von 15 000 Menschen bedeutet.

 

 


In Gedenken an Pater Hans Belser SJ: Seine Mission beseelt Menschen in Indien bis heute

von Pia Seiler

Wir trauern in diesen Tagen um den verstorbenen Pater Hans Belser SJ, der am 10. Januar in seinem 93. Lebensjahr verstorben ist. 

1948 zog er aus, um sich als Missionar in Indien für und mit Menschen zu engagieren. Wie er später berichtete, hatte er allein schon die wochenlange Reise auf dem Wasserweg, die auch durch den Suezkanal führte, als grosses Abenteuer erlebt. In seinen alten Tagen wieder in die Schweiz zurückgekehrt, erzählte er immer wieder anekdotenreich von jenem Eintauchen in fremde Kulturen und Sprachen. Wie er zum Beispiel während seines Theologiestudiums in Kurseong, Darjeeling in den 1950iger Jahren zusammen mit seinen Mitstudenten erlebte, wie ein Tiger ihr Studienhaus bedrohte. Und das Foto aus dieser Zeit zeigt Pater Belser in Soutane (ganz links) zusammen mit Tenzing Norgay (Mitte) wohl kurz nach dessen Erstbesteigung des Mount Everest mit Edmund Hillary am 29. Mai 1953.

Im Rückblick auf Pater Belsers Leben zeigt sich als roter Faden, wie er sich den fremden Realitäten aussetze. Er versuchte unermüdlich zu vermitteln und mit anderen zu teilen, was ihn persönlich und auch als Mitglied des Jesuitenordens an Hoffnung und Zuversicht für alle Menschen erfüllte. So übersetzte der Sprachkundige zentrale Texte des christlichen Glaubens in die lokalen Sprachen der Minoritäten von Ahmednagar. Direkt nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) war dies eine echte Pionierleistung. Auch heute herrschen in Ahmednagar, ein ländlich geprägter Distrikt im nordwestlichen Bundesstaat Maharashtra mit Hauptstadt Mumbai, immer wieder Dürrezeiten, was die Ärmsten besonders hart trifft. Ganz im Geist jener Zeit ermöglichte Pater Belser notleidenden Familien soziale Unterstützung und legte selber Hand an, wenn er zusammen mit den Menschen in entlegensten Dörfern Schulen baute. Denn auch die Kinder der im Kastensystem marginalisierten Gruppen sollten zu Bildungsmöglichkeiten kommen. Viele dieser Gebäude aus jener Pionierzeit gibt es nicht mehr. Doch die Menschen, die damals mit ihm und den weiteren Missionaren aus der Schweiz auf dem Weg waren, erinnern sich in Dankbarkeit an deren Präsenz und Initiativen. Sie haben die Lebensbedingungen der Menschen im Distrikt nachhaltig verbessert. 

Auch wenn sich nun der Lebenskreis eines Missionars geschlossen hat: Die Mission, für die er sich engagierte, beseelt bis heute Menschen. Was damit gemeint ist, kann nicht einfach mit dem Begriff Entwicklungshilfeumschrieben werden. Eine solche hat, vereinfachend formuliert, als Ausgangspunkt die von aussen festgestellten ökonomischen oder gesellschaftlichen Defizite und will eine Weiterentwicklung initiieren. Mission hingegen bedeutet Bereitschaft, sich auf die anderen einzulassen und dann in einem weiteren Schritt freudig mit ihnen zu teilen, was einen selbst erfüllt (nach 1 Petrusbrief 3,15 «Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt»). Solidarität liegt mehr in den Taten als in Worten und Emotionen. 

Menschen, mit denen wir auf diese Weise teilen können, müssen wir in der Gegenwart nicht bis nach Indien suchen gehen. Allein die ausserordentliche Pandemie-Zeit eröffnet mannigfaltige Felder, um mit unseren Nächsten in Solidarität unterwegs zu sein. 

Wie kann das gehen? In den 1960iger Jahren hatte sich Pater Belser der Wirklichkeit der Menschen in Ahmednagar ausgesetzt und ihnen wichtige Glaubenstexte in ihre Sprache übersetzt. Heute die richtige Sprache zu finden, um unsere Mitmenschen zu erreichen, wenn es um Solidarität – um mehr Solidarität geht, ist eine der grossen Herausforderungen der Gegenwart. Toni Kurmann SJ


«Wir können uns dem neuen Jahr nur anvertrauen»: Segenswünsche von Christian Rutishauser SJ

von Pia Seiler

Wer hätte vor einem Jahr gedacht, was das 2020 mit sich bringen wird? Was wissen wir heute, wie sich das 2021 entwickelt? Wir können uns dem neuen Jahr nur anvertrauen. Ihm achtsam begegnen, um angemessen zu handeln. Sich aber auch führen lassen, weil nicht alles von uns abhängt. «Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt,» steht dazu im Talmud.

In der jüdischen Tradition wird Neujahr, Rosch haSchana, im September gefeiert. Gezählt wird von der Erschaffung der Welt her, wie sie die Bibel erzählt. Wir stehen im Jahr 5781. Ein üblicher Neujahrsgruss lautet «Ein gutes und süsses Jahr». An Rosch haSchana wird daher Honig geschenkt. Ein anderer traditioneller Wunsch lautet «Gute Einschrift!». Der Mensch soll mit seinen guten Taten ins «Buch des Lebens» eingeschrieben werden. Gott, Schöpfer des Universums, wird als Richter am Ende der Zeiten den Menschen nach seinem Tun beurteilen. Auf das jüdische Neujahr folgen zehn Tage der Umkehr. Sie werden mit dem Versöhnungstag geschlossen. Vergebung also, damit das Jahr unbelasteten beginnt.

Aus dem Judentum kommt auch ein Neujahrswunsch zum 1. Januar: «Rutsch gut rüber!» Der Wunsch verdankt sich der akustischen Ähnlichkeit zu Rosch haSchana. Er ist über das Jiddische ins Deutsche «hineingerutscht». Ins neue Jahr hineinzustolpern, wäre ein schlechtes Zeichen. Christen und Christinnen wünschen aber auch einander ein «gesegnetes neues Jahr». Gottes Segen soll auf ihm liegen. Im Neujahrsgottesdienst wird der priesterliche Segen aus Num 6,22-27 gelesen: Gott lasse sein Angesicht leuchten. Der Name Gottes wird damit auf uns gelegt. Mir persönlich gefällt dieser Gedanke sehr. Da wir die Jahre nach der Geburt Christi zählen und der 1. Januar der Tag ist, an dem Jesus seinen Namen erhielt und beschnitten wurde, kann der Neujahrssegen so verstanden werden: Gott leuchte im Angesicht Christi auf. Der Name Jesu soll auf uns liegen.

Segnen zum Jahresbeginn bekommt damit eine tiefe Bedeutung. Segnen ist mehr als nur benedicere, Gutes sagen, wie es im Lateinischen heisst. Wenn wir einander in diesem Jahr aber Gutes sagen, ist schon die Hälfte gewonnen. 
Die andere Hälfte überlassen wir Gott.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr, 
Ihr Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Jesuiten in der Schweiz 


Dankbarkeits-Kampagne – achter Impuls: Wendelin Köster SJ und seine neue Allergie

von Pia Seiler

Die Corona-Zeit hat Wendelin Köster SJ eine Allergie beschert – eine durchaus nützliche: Der 81-Jährige ist allergisch geworden gegen Gewalttätigkeit als Unterhaltung und Anrempeleien etwelcher Art. Damit beschliesst der deutsche Jesuitenpater unsere Kampagne «Trotzdem dankbar!». Hier gelangen Sie zum erstenzweitendrittenviertenfünftensechsten und siebten Impuls. 

Von Wendelin Köster SJ

Die pandemische Bedrohung hat mich neu geöffnet für ein altes Gebet. Ich spreche  es jeden Donnerstagabend in der Komplet, dem Abendgebet der Kirche. Es lautet:

Mitten wir im Leben sind / mit dem Tod umfangen. / Wer ist, der uns Hilfe bringt, / dass wir Gnad erlangen? / Das bist du, Herr, alleine. / Uns reuet unsre Missetat, / die dich, Herr, erzürnet hat. / Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, / heiliger barmherziger Heiland, / du ewiger Gott, / lass uns nicht versinken / in des bittern Todes Not. / Kyrieleison.

Die Corona-Zeit hat mir zudem zu einer nützlichen Allergie verholfen: Ich verspüre vermehrt eine starke Abneigung gegen Wort- und Bildprogramme, in denen aus der Gewalttätigkeit von Menschen Unterhaltung gemacht wird. Ich eile nicht mehr von Tatort zu Tatort. Stattdessen lerne ich neu zu verweilen. Bei Wörtern und Sätzen, die Tragkraft haben; bei Melodien und Rhythmen, die mich an Leib und Seele tanzen machen; bei Menschen mit geduldigem Blick und mit erfrischendem Händedruck oder – coronabedingt – mit einer herzlichen Verneigung.

Zu dieser Allergie gehört, dass ich mich nicht gern anrempeln lasse, weder seelisch noch körperlich. Mir ist mehr und mehr bewusst geworden, dass ich eine „Knautschzone“ brauche, damit sich im Fall eines Aufpralls nicht mein ganzes „Fahrgestell“ verzieht; dann würde ich – versicherungstechnisch – als „Totalschaden“ eingestuft. Ich sollte aber auch nicht unbesehen und spontan zurückrempeln. Ohne meinen Glauben hätte ich keine wirksame Knautschzone.
Was haben Sie dank Corona gelernt für das neue Jahr?

Wofür sind Sie trotzdem dankbar? Schreiben Sie uns an redaktion@jesuiten.ch.


Pierbattista Pizzaballa, neuer lateinischer Patriarch von Jerusalem: ein interessanter Name, eine wichtige Aufgabe

von Pia Seiler

Papst Franziskus hat Pierbattista Pizzaballa (55) zum lateinischen Patriarchen von Jerusalem ernannt. Ein interessanter Name. Christian Rutishauser SJ kennt Pierbattista persönlich – "in der hebräischen Gemeinde sind die Menschen von Anfang an per Du". So muss er denn auch nicht weiter schmunzeln über den Nachnamen Pizzaballa. "Der Name Pierbattista kommt von Petrus und Johannes der Täufer", sagt Rutishauser im Interview mit kath.ch und erklärt, was es mit dem höchsten Vertreter der römisch-katholischen Kirche im Heiligen Land auf sich hat. 


Die Jesuitengemeinschaft Zürich lädt zum Weihnachtsgottesdienst in den aki-Garten

von Pia Seiler

Weil es vermutlich vielerorts keinen Platz mehr gibt, möchten die Zürcher Jesuiten dazu beitragen, dass Menschen auch über Weihnachten das Fest der Menschwerdung Gottes feiern können – in diesem besonderen Jahr im Freien:

24. Dezember 17 Uhr mit Franz-Xaver Hiestand SJ und 22 Uhr mit Christian Rutishauser SJ 
25. Dezember 10.30 Uhr mit Franz-Xaver Hiestand SJ und 17 Uhr mit Toni Kurmann SJ

jeweils im Garten des aki, Hirschengraben 86 Zürich. Achtung, Zugang nur von oben via Bergstation Polybahn (Leonhardstrasse)/ETH Zürich

Ziehen Sie warme Kleider an und nehmen Sie eventuell Regenschutz mit. Es herrscht Maskenpflicht. Melden Sie sich bitte mittels dieser Doodle-Liste an: https://doodle.com/poll/s6irfy2x6vrdgpsv

Bitte geben Sie Ihren Nachnamen oder ein identifizierbares Kürzel ein.
Tragen Sie sich bitte wieder aus, falls Sie doch nicht teilnehmen können. So wird Ihr Platz für einen anderen Menschen frei. Vielen Dank für Ihr Verständnis!


«Es ist die Zeit, in der wir beginnen, uns Gott ans Herz zu legen»: Christian Rutishauser SJ zu Weihnachten 2020

von Pia Seiler

Weihnachten 2020, Christian Rutishauser SJ in der Kapelle der Jesuiten am Hirschengraben 86 Zürich

Christian Rutishauser SJ beginnt seine diesjährige Videobotschaft zu Weihnachten mit einem Gedicht des deutschen Pastors Frank Howaldt «Es ist die Zeit, in der wir beginnen, uns Gott ans Herz zu legen».
Was ist, was kann die Botschaft von Weihnachten in diesem ausserordentlichen 2020 sein? Ein Auszug aus dem viertelstündigen Weihnachtsvideo des Provinzials der Schweizer Jesuiten: 

«Wir sind alle geprägt von Corona, vieles kann rund um Weihnachten nicht stattfinden. Märkte, Konzerte, Familienfeiern, es ist traurig. Und trotzdem: Weihnachten findet statt. Nicht nur trotzdem. Gerade weil wir Weihnachten nicht selbst machen können. Gerade die kranke Welt braucht einen Heiland. Gerade dann, wenn die Lebensfülle des Sommers  geendet hat, die Früchte geerntet, die Blätter gefallen sind, gerade dann, wenn der Mensch auch sagt, dass Sterben, Vergehen zum Leben gehört, gerade dann kann sich Gott in seiner ganzen Lebensfülle zeigen.
Ich selbst bin in dieser Adventszeit an Corona erkrankt, es war ein milder Krankheitsverlauf.  Zum Glück. Andere Menschen leiden stark, müssen ins Spital oder sterben. Das ist grosses Leiden, Lebensminderung, nicht Weihnachtsfreude. Und trotzdem. Ob wir trauern um Angehörige, ob wir allein sind, gesund oder krank sind, ob wir sterben müssen: Weihnachten ist das Fest der Neugeburt, des neuen Lebens. Ein Leben nicht nur wie die Schöpfung und die Natur es geben kann, sondern ein Leben, wie es Gott gibt. Geistiges Leben. Und dieses Heil feiern wir gemeinsam an Weihnachten, es ist stärker als jede Todeskraft. (...)

Weihnachten ist das Fest der Familie. Nicht nur der natürlichen Familie. Sie wird vielmehr aufgesprengt auf eine geistliche, auf eine geistige Familie hin. (...)
Was ist Familie? Die russische Künstlerin Katerina Belkina hat  einen modernen Josef gemalt: Das Jesuskind auf dem nackten Schenkel seines Vaters. (...)
Heute sehen Familien ganz unterschiedlich aus. Patchwork-Familien, alleinerziehende Mütter, alleinerziehende Väter. Wir sind in einer grossen Debatte um die Ehe für alle. Die Verständnisse von Ehe, von Familie, haben sich in den Jahrhunderten immer wieder gewandelt. Wir tun gut daran, uns nicht auf eine Familienform zu fixieren, sondern offen zu lassen, wie Gott wirken möchte in den verschiedenen Formen von Familie. Er möchte Heil bringen, dass am Ende eine Menschheitsfamilie zusammenkommt, wo alle dazugehören, alle darin einen Platz haben, alle Geschwister sind.»

Hier gelangen Sie zum Weihnachtsvideo von P. Christian Rutishauser SJ. 

 

Wer sich aufmachen möchte zum gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst: Die Jesuitengemeinschaft Zürich lädt in den aki-Garten unterhalb von Bergstation Polybahn/ETH: 
24. Dezember 17 Uhr mit Franz-Xaver Hiestand SJ und 22 Uhr mit Christian Rutishauser SJ. 
25. Dezember 10.30 Uhr mit Franz-Xaver Hiestand SJ und 17 Uhr mit Toni Kurmann SJ.
Anmeldung und weitere Informationen hier. 


Gedanken zu Weihnachten aus Nahost von Daniel Corrou SJ vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst

von Pia Seiler

Von Daniel Courrou SJ, Regionaldirektor JRS Naher Osten und Nord-Afrika

In der christlichen Tradition ist das Weihnachtsfest eine grundlegende Erinnerung daran, dass wahrer Frieden, Freude und Gerechtigkeit nicht dadurch gefunden werden, dass man sich auf die Macht des Militärs oder von Berühmtheiten verlässt. Fündig werden wir vielmehr in unserer mitmenschlichen Begleitung der Schwächsten, wie zum Beispiel in dem obdachlosen Flüchtlingskind, das in einer Garage geboren wurde.

Hoffnung wird in eine Welt der Angst und Verzweiflung hineingeboren! In diesem schwierigen Jahr ist die Hoffnung unser tiefster Wunsch und unser Gebet gewesen.

Dank an Sie alle, dass Sie inmitten dieser Schwierigkeiten Beispiele der Hoffnung sind. Danke für Ihre Unterstützung und Solidarität; danke für die unzähligen Möglichkeiten, wie Sie in Solidarität die Mission des JRS mittragen:  Menschen auf der Flucht begleiten, ihnen dienen und sich für sie einsetzen.

In dieser Jahreszeit des Lichts und der Hoffnung sende ich Gebete der Dankbarkeit an alle mit uns partnerschaftlich und freundschaftlich verbundenen Menschen, an die Mitarbeitenden und Freiwilligen des JRS. Ihr Engagement, in welcher Form auch immer Sie die Schwächsten begleiten, ist ein glänzendes Beispiel für den Weg in eine gerechte und friedliche Welt, nach der wir uns alle sehnen.  

Besonders dankbar bin ich allen Mitarbeitern und Freiwilligen des JRS im Irak, in Jordanien, im Libanon und in Syrien. Sie haben immer wieder Stärke, Kreativität und Liebe bewiesen, als Reaktion auf mehrere Wirtschaftskrisen, eine massive Explosion, eine globale Pandemie und eine radikale Veränderung in der Art und Weise, wie wir unterrichten und gemeinschaftsbildende Programme anbieten. Ich bin mir sehr bewusst, dass dieses Jahr einen hohen Tribut an Kraft gefordert hat von allen Menschen, die wir begleiten. Auch unsere Mitarbeitenden und Freiwilligen wurden übermässig gefordert. Daher ist mir noch bewusster, dass der JRS in das Wohlbefinden unserer Mitarbeitenden investieren muss, damit sie ihre hervorragende Arbeit aufrechtzuerhalten können.

Libanon, August 2020: eine JRS-Mitarbeiterin auf Hausbesuch nach der Bombenexplosion im Hafen von Beirut.

Dankbarkeits-Kampagne – siebter Impuls: Willi Lambert SJ führt uns zum Jesuskind

von Pia Seiler

Wien, Dezember 2020

Dankbar auf das Weihnachtsfest schauen, ist dieses Jahr für viele eine Herausforderung: Heute führt uns der deutsche Jesuitenpater Willi Lambert SJ  zu den Enkeln eines an Corona erkranken Paares – und zum Kind, zum Jesuskind. Es ist der siebte Impuls in unserer Kampagne «Trotzdem dankbar!». Der Ignatianische Tagesrückblick ist Kern der Kampagne. Er ermöglicht eine innere Freiheit trotz stressigem Alltag, trotz Tief, trotz Krise. Hier gelangen Sie zum erstenzweitendrittenviertenfünften und sechsten Impuls

Von Willi Lambert SJ

Wir freuen uns trotzdem
„Was hast Du damals vor Jahren genau gesagt und gefühlt als Du deinen  Enkel zum ersten Mal in Händen hieltest?“, so fragte ich beim Schreiben meines Beitrags eine gute Bekannte. Ihre Antwort: „Eine Handvoll Glück!!“ - „Und wie geht es Euch jetzt, nachdem Du und Dein Mann beide Corona habt?“ - „Wir schreiben jeden Tag im Dankbarkeitstagebuch weiter, wozu ihr Jesuiten eingeladen habt mit eurer Kampagne. Und wir sind dankbar.“ - „Dankbar wofür?“ - „Dankbar für die Erfahrung, dass wir wie in einer Wiege von Fürsorge liegen: Die Enkelkinder kommen und klopfen ans Fenster oder telefonieren. Fürs Einkaufen wird gesorgt. Ja, wir sind schwach, müssen uns oft hinlegen, aber wir können lesen und tauschen uns aus.“ – So sagt diejenige, welche sich in der Fürsorge von Behinderten angesteckt hat.
Und dann fragte ich noch: „Und gibt es etwas mit Blick auf Weihnachten und die Geburt Jesu, was euch in dieser Zeit besonders deutlich geworden ist?“ Von beiden kam mit ähnlichen Worten: „Dass Gott im Kind, in diesem Kind Jesus, uns Menschen so nahekommt und dass er lebt und zeigt durch sein Tun, seine Worte, sein Leiden aus Liebe, wie Gott ist.“ 

Die Botschaft des Kindes: Leben im Danken
Weihnachten, die Feier der Geburt Jesu, lenkt den Blick ganz auf ihn und auf Maria und Josef. Was ist die Botschaft des Jesuskindes – es ist die Botschaft aller Kinder, ohne dass sie noch ein Wort sprechen können: Leben will leben. Und Leben gibt es nur durch und mit und in Beziehung. Alles und alle sind Lebensmittel, die nähren, stützen und schützen – oder auch sich und andern Leben vorenthalten. Und dies gilt für alle Ebenen menschlichen Daseins; für die körperlichen, seelischen und geistigen Dimensionen des Lebens. Zum Ich werden wir nur durch das Du und darin geschieht das Wunder des Wir.

Jesus und der Reichtum der Armut
Und was ist die Botschaft des erwachsenen Jesus-Kindes? Die erste und letzte, dass er sich Gott verdankt weiss mit und in allem. Auf die Armut, auch des „erwachsenen Kindes“ legt er kaum überbietbaren Nachdruck, nicht weil Mangel, Hunger, Not in sich etwas Kostbares wären; wo er konnte, half er Menschen und lud ein, einander die Lasten zu tragen. Der Segen der Armut liegt in der Fähigkeit zu empfangen.
Die Kugel ist ein Bild für die Vollkommenheit, an ihr ist alles rund. Sie braucht nichts, an ihr hält nichts. Sie ist zum Kegeln gut oder als Reichsapfel, aber sie ist ungeeignet, jemandem etwas zum Trinken oder Essen zu bringen. Das kann nur die Schale und die ist leer. Armut ist die Leere des Menschen, der freie Raum, der fähig ist zu empfangen und anzubieten; Durst und Hunger nachzufühlen und zur Stillung beizu-tragen im wahrsten Sinn des Wortes. Dieses Arm-Sein preist Jesus. Und er jubelt darüber, dass Gottes frohe Botschaft von Armen verstanden und angenommen wird (Mt 11,25). Jesus spricht in all seiner Seelsorge-Not: “Und doch hat die Weisheit durch ihre Taten Recht bekommen.“ (Mt 11,19) Paulus treibt dieses „Und doch“, das biblische Trotzdem, auf die Spitze: „Wir haben nichts und besitzen doch alles.“ (2 Kor 6,10)

Trutz Nachtigall
Als Und-doch-Lied bietet sich ein Text an, der erfüllt ist von Lob und Dank. Es ist der Titel einer Sammlung von Gedichten des Jesuiten Friedrich Spee (1591­–1635); er lebte in der Zeit des 30-jährigen Krieges, begleitete durch Folter geständige Frauen zum Sterben und schrieb ein Buch, das den Hexenwahn anklagte: Cautio Criminalis, anonym erschienen. Er starb, als er sich in der Pflege von Pestkranken ansteckte.
Dass er bei diesem Lebenslauf Loblieder schrieb, die zu Kirchenliedern wurden bis heute, kann man ein Wunder der Dankbarkeit nennen. Er lebte das „Trotzdem“ in Liebe und Dank. Er ist die Nachtigall, die in der Finsternis allem zum Trotz singt.

Ach dass nur alles weit/ und breit

Mit seinem lob erfüllet/

Voll krafft/ und macht/ und herrligkeit

Von schall/ und hall erbrüllet:

Ach preiset jhn mit höchstem schall/

Mit starck/ und starckem singen/

Ob schon die welt von hellem knall

Auch solt in stück zerspringen.

 

Wofür sind Sie trotzdem dankbar? Schreiben Sie uns an redaktion@jesuiten.ch, wir veröffentlichen Ihren Beitrag an dieser Stelle.

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf ist im Bistum Basel eine neue Gruppe der Priestergemeinschaft Jesus Caritas mit der Spiritualität von Charles de Foucauld im Entstehen. Eine tiefe Freude und Dankbarkeit – diese Erfüllung ist einer meiner alten Träume in diesem Covid-19 Jahr.

Maria-Ursula, kleine Schwester Jesu in Biel


Die Welt ist entzaubert, Gott weit weg? Essay von Christian Rutishauser SJ in der NZZ

von Pia Seiler

Katerina Belkina «Duo» (2015)

Die Welt ist entzaubert, Gott weit weg? Vielleicht. Aber das Heilige ist nicht verschwunden, wir haben nur verlernt, es zu sehen», schreibt Christian Rutishauser SJ im NZZ-Feuilleton vom 19. Dezember 2020. «Sterne, Engel, Rentiere sollen Weihnachten romantisch verzaubern. Die heilige Familie? Viel zu bekenntnishaft. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Botschaft von der Geburt Jesu nur noch gebrochen wahrnehmbar. Aber sie ist da.»
Eine Bildbetrachtung zu den  Werken von Max Ernst «Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen» (1926) und Katerina Belkina «Duo» – das Jesuskind, geborgen auf Vaters Schoss (2015).

Hier gelangen Sie zum NZZ-Essay von Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten. 


Dankbarkeits-Kampagne – sechster Impuls: Markus Inama SJ erlebte ein schwieriges Jahr in Wien

von Pia Seiler

Wien, Dezember 2020
Markus Inama SJ aus Wien

Der österreichische Jesuit Markus Inama hat in Wien Corona im Oktober überstanden und den Terroranschlag im November hautnah miterlebt. Im Gedenken an die getöteten Menschen und in Dankbarkeit zu seinen Mitbrüdern blickt er zurück auf ein schwieriges Jahr: der sechste Impuls in unserer Kampagne «Trotzdem dankbar!». Der Ignatianische Tagesrückblick ist Kern der Kampagne. Er ermöglicht eine innere Freiheit trotz stressigem Alltag, trotz Tief, trotz Krise. Hier gelangen Sie zum erstenzweitendrittenvierten und fünften Impuls.

Von Markus Inama SJ

Seit ich wieder in Wien lebe, begegne ich ab und zu alten Bekannten. Zum Beispiel einer Freundin, die ich in den späten achtziger Jahren in den Wiener Caritashäusern kennen gelernt hatte und dann jahrelang aus den Augen verlor. Um zu beschreiben, wie sich mein Leben zurzeit anfühlt, erzählte ich ihr, dass ich meinen Kalender zweimal mit Terminen füllen könnte. Als berufstätige Ärztin und vierfache Mutter hat sie Verständnis dafür.

Diese Realität hatte sich für mich beim ersten Lockdown abrupt geändert. Mir waren nur mehr wenige Aktivitäten erlaubt. Meine Aussenkontakte musste ich auf ein Minimum reduzieren. Mein Fokus richtete sich auf die Gemeinschaft von zwölf Jesuiten, in der ich lebe. Obwohl ich bereits vor zwei Jahren nach Wien übergesiedelt bin, hatte ich jetzt erst das Gefühl, so richtig angekommen zu sein. Jeden Abend machte ich einen Spaziergang durch einen Teil der Innenstadt, der mir bis dahin völlig unbekannt war.

Während dem ersten Lockdown im Frühjahr hatten wir in unserer Kommunität viel darüber diskutiert, was aus dieser Krise – ausser dem neuen Wortschatz aus dem Bereich der Immunologie – zu lernen sei. Forscherinnen und Forscher haben das Virus studiert und – so wie es ausschaut – wirksame Impfstoffe entwickelt. Ob es auch in anderen Bereichen einen Fortschritt geben wird? Werden die sozialen und ökologischen Probleme, die durch die Pandemie deutlicher hervorgetreten sind, wirklich angegangen werden? Oder werden bestimmte Berufsgruppen, die während der Krise im Kleinen Grosses geleistet haben, nach der Krise mehr wertgeschätzt? 

Anfang Oktober reiste ich zweimal nach Osteuropa, um Sozialprojekte zu besuchen. Bei der Rückkehr am Wiener Flughafen lieferte ich jeweils einen negativen Corona-Test ab. Ende Oktober aber hatte ich Symptome: Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieber. Mein dritter Test war positiv, ich musste in eine zehntägige Quarantäne. Die Frage, wo ich mich angesteckt hatte, konnte nicht sicher beantwortet werden. Die Frage, wie viel andere Menschen ich angesteckt hatte, schon eher. Bei den beiden Mitbrüdern, die höchstwahrscheinlich ich infiziert hatte, spürte ich keinerlei Vorwürfe. Darüber und über deren und meinen leichten bis moderaten Verlauf bin ich froh und dankbar.

Nachdem ich meine zehntägige Quarantäne beendet hatte, fühlte ich mich zwar noch schwach, aber ich wollte unbedingt wieder unter Menschen gehen. Es fügte sich gut, dass meine Schwester und mein Schwager auf Wien-Besuch waren. Wir trafen uns in einem Restaurant in der Innenstadt. Es war der Abend des zweiten Novembers. Während wir noch assen, wurde das Licht im Lokal gedimmt. Der Inhaber versperrte die Tür und erzählte von dem Terroranschlag im Stadtzentrum. Die Ungewissheit und das Warten begannen. Was wo genau passiert war, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Nach Mitternacht zogen wir mit 30 anderen Gästen in eine Dienstwohnung, die sich unmittelbar über dem Restaurant befindet. Ich legte mich auf den Fussboden und deckte mich mit einer Kinderdecke zu, die gerade einmal für meine Beine reichte. Schlafen konnte ich nicht. Als ich schliesslich um 3 Uhr in der Früh meine Schwester und meinen Schwager ins Hotel gebracht hatte und in unser Haus neben der Jesuitenkirche zurückkehren konnte, war ich heilfroh. Vier unschuldige Menschen hatten den Vorabend im Gegensatz zu uns nicht überlebt
Viele Momente des Leids und des Haderns dieses Jahr, die mich trotzdem dankbar stimmen lassen.

Wofür sind Sie trotzdem dankbar? Schreiben Sie uns an redaktion@jesuiten.ch, wir veröffentlichen Ihren Beitrag an dieser Stelle.

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf ist im Bistum Basel eine neue Gruppe der Priestergemeinschaft Jesus Caritas mit der Spiritualität von Charles de Foucauld im Entstehen. Eine tiefe Freude und Dankbarkeit – diese Erfüllung ist einer meiner alten Träume in diesem Covid-19 Jahr.

Maria-Ursula, kleine Schwester Jesu in Biel


Die Welt ist wie ein Kettenraucher: Martin Föhn SJ gibt auf kath.ch Einblick in Leben und Denken

von Pia Seiler

Martin Föhn SJ macht mit beim Podcast «Das theologische Quartett» und gibt auf kath.ch Einblick in sein Leben: Mit 16 stiess er auf Franz Jägerstätter (1907-1943), der sich aus Gewissensgründen den Nazis entzog, «ein Schlüsselerlebnis»;  Föhn absolvierte die Lehre zum Landwirt, war froh, als der Bruder den elterlichen Hof im Muotathal übernahm, wurde Religionspädagoge, trat mit 29 in den Jesuitenorden ein. Der heute 38-Jährige, seit Oktober auch Priester, ist überzeugt: Neue Heilige braucht die Welt, «sie  kommt mir vor wie ein Kettenraucher, der sich täglich ein Stück Lunge aus dem Leib schneidet.»