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Choisir – die Wahl, über den Tag hinaus zu denken: Die Westschweizer Zeitschrift feiert ihr 60-Jahr-Jubiläum

von Pia Seiler

Im November 1959 erschien die Westschweizer Zeitschrift Choisir zum ersten Mal – und hat all die Presseverwerfungen der letzten Jahrzehnte überlebt: Die profilierte Revue culturelle jésuite d’information et de réflexion feiert ihren 60. Geburtstag.

Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, vertieft religiöse, kulturelle, gesellschaftliche Themen und richtet sich an wache Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die über den Tag hinaus denken wollen. Prägten während vieler Jahre die drei Jesuiten und Gründer Raymond Bréchet, Jean Nicod und Robert Stalder die Zeitschrift, besteht das Redaktionsteam heute aus Pierre Emonet SJ, Lucienne Bittar und Céline Fossati. Herzliche Gratulation nach Genf in der Hoffnung auf viele weitere Jahre der klugen Berichterstattung und Meinungsäusserung.  

Hier gelangen Sie zu einem Hintergrundbericht über die Zeitschrift Choisir

   


«Sodom – Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan»: Reaktion von Franz-Xaver Hiestand SJ

von Pia Seiler

Frédéric Martel setzt sich in Frankreich seit Jahren für die Rechte Homosexueller ein und hat die Regierung beraten bei der Einführung der eingetragenen Partnerschaften. Nun legt der 52-jährige französische Soziologe mit «Sodom – Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan» ein Buch vor, dass zu reden gibt. Es ist über 600 Seiten lang und basiert auf angeblich über tausend Informanten, darunter Kardinäle und Bischöfe, ohne sie beim Namen zu nennen. Es gehe ihm nicht um den Skandal, sagt Martel in einem Interview im französischen Fernsehen.  «Es ist nicht meine Absicht, diese Männer zu kritisieren oder sie zu Lebzeiten zu outen. Doch ist es notwendig, ein System zu entlarven.»

Der Zürcher Jesuit und Hochschulseelsorger Franz-Xaver Hiestand befürwortet die Publikation. Der Autor versuche, eine kirchliche Realität analytisch zu fassen, die latentes Dauerthema sei und Quelle unzähliger Intrigen. «Insofern ist es ein notwendiges Buch. Doch ich sehe auch Schwächen», so Hiestand im Beitrag von Georges Scherrer auf kath.ch. Dem Werk mangle es stellenweise an der nötigen Sorgfalt. Oft sei unklar, was Zitat sei und was Martels eigene Meinung und wie er zu seinen reisserischen Thesen komme. Schade findet Hiestand zudem, dass der Autor nicht tiefer sondiert hat in der Frage, warum es in der katholischen Kirche überdurchschnittlich viele homosexuell veranlagte oder homophil empfindende Männer gibt. Der Psychologe Carl Gustav Jung habe schon vor Jahrzehnten Erhellendes zu dieser Frage beigetragen.

Hier gelangen Sie zur Reaktion von Franz-Xaver Hiestand SJ zum Buch «Sodom» 


Stephan Rothlin SJ über die aktuelle Lage in Hongkong: «Der Riss geht oft durch Familien.»

von Pia Seiler

«In Hongkong prallen gerade zwei verschiedene Systeme aufeinander», sagt der Schweizer Jesuit Stephan Rothlin im Interview mit Raphael Rauch auf kath.ch. «Kaum eine Seite ist bereit, Zugeständnisse zu machen. Der Riss geht oft durch Familien.»

Stephan Rothlin SJ lehrt seit 1998 in China Wirtschaftsethik, ist oft auch in Hongkong für Kurse zu Kontemplation und Leadership und berichtet von einer Predigt, die er dort Anfang Oktober in einem Sonntags-Gottesdienst gehalten hat. «Ich habe die Unruhen thematisiert. Die Frage war: Wo setzen wir Werte? Sind wir vom CCCC-Singapur-Traum gesteuert – also Cash, Car, Credit Card, Condominium (Wohneigentum) – oder von den Werten des Glaubens? Ich habe die Hoffnung ausgedrückt, dass der Glaube helfen kann zu versöhnen.»

Hier gelangen Sie zum Interview mit Stephan Rothlin SJ über Hongkong


Schweiz-Besuch von Arturo Sosa SJ, dem Generaloberen der Jesuiten: Kurzfilm und Medienberichte

von Regula Lutz

Vier Tage, fünf Destinationen – und unzählige Begegnungen in den Werken der Schweizer Jesuiten: Pater General Arturo Sosa SJ hat auf seinem ersten Schweiz-Besuch vom 19. bis 22. September 2019 Herz und Geist vieler erreicht. Filmisch hat Benedikt Arndgen die Tage in einem Kurzvideo festgehalten, siehe oben. Mitte November 2019 folgt ein längerer Rückblick des jungen Filmemachers. Unten finden Sie zudem die Links zu Radio- und Presseberichten.

Die Schweiz-Visite von Pater General können Sie auch hier nochmals nachverfolgen. Sie begann am 19. September 2019 in Carouge bei Genf, wo sich Arturo Sosa SJ mit Vertretern von humanitären Organisationen traf – darunter Frauen und Männer des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Studierende und Lehrkräfte vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS und von Jesuit Worldwide Learning JWL berichteten in berührenden Videobotschaften aus Afghanistan bis Malawi über ihre Herausforderungen, Hoffnungen und Träume.
In Zürich trat der Jesuitengeneral an die Öffentlichkeit. Gut 300 Leute strömten am Freitagabend an die Universität zum Podiumsgespräch. Arturo Sosa diskutierte während zwei intensiven, spannenden Stunden mit fünf Persönlichkeiten der Schweizer Kirchen und Medien zum Thema «Christsein heute – Kirche wohin?»
Der Samstagmorgen war für Jesuiten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reserviert. Eine kleine Jesuiten-Delegation begleitete Arturo Sosa anschliessend in den Flüeli Ranft. Der aus Venezuela stammende Generalobere weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung. Er nützte die Wallfahrt zu Bruder Klaus in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen. Den Samstagabend verbrachte Arturo Sosa im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn ob Zug, ein Haus der Stille – und gleichzeitig das grösste katholische Bildungszentrum des Landes.
Schlusspunkt am Sonntag war der festliche Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern

Medienberichte über den Schweizbesuch von Pater General Arturo Sosa:

«Maduro ist ein falscher Sozialist»: Interview von Michael Meier im Tages-Anzeiger
2019-09-25_Interview Arturo Sosa_Tagesanzeiger.pdf (483,0 KiB)
«Wir müssen endlich den Klerikalismus überwindent»: Bericht von Christa Amstutz in der Wochenzeitung Reformiert
190927_ArturoSosa_reformiertZH.pdf (249,3 KiB)

Arturo Sosa SJ, General der Jesuiten, im Interview im Tages-Anzeiger

von Pia Seiler

Der Jesuitengeneral und Politologe Arturo Sosa SJ äussert sich im Interview mit dem Tages-Anzeiger vom 24.9.2019 über die schwierige Lage in seiner Heimat Venezuela, die Amazonas-Synode, das Engagement der Jesuiten hier und jetzt. Wie Papst Franziskus versteht er sich als Anwalt der Armen, als Anwalt auch der Erde. So sagt er über die Amazonas-Synode, die am 6. Oktober 2019 in Rom beginnt: «Das Hauptthema der Synode ist die Ökologie, der Schutz des Regenwalds. Franziskus hatte 2015 seine Umwelt-Enzyklika Laudato si vorgelegt. Seither ist nichts passiert, es ist im Gegenteil schlimmer geworden.»

Hier gelangen Sie zum Interview von Michael Meier:

 

Arturo Sosa SJ besuchte vom 19. bis 22. September 2019 erstmals die Schweiz. Über die Stationen seiner Reise berichten wir hier. 


Sternstunden mit Pater General in der Schweiz

von Pia Seiler

Vier Tage, vier Destinationen, ein stiller Abstecher in den Flüeli Ranft – und unzählige Begegnungen in den Werken der Schweizer Jesuiten: Pater General Arturo Sosa SJ hat auf seiner ersten Schweiz-Visite vom Donnerstag 19. bis Sonntag 22. September 2019 Herz und Geist vieler erreicht.

In Carouge bei Genf traf sich Arturo Sosa SJ am Donnerstag im Haus der Jesuitenkommunität mit Vertretern von humanitären Organisationen – darunter Frauen und Männer etwa des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Berührend die Video-Grüsse am Ende des Abends: Studierende und Lehrkräfte vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS und von Jesuit Worldwide Learning JWL berichteten aus Afghanistan bis Malawi über ihre Herausforderungen, Hoffnungen und Träume. Ihre Geschichten wie auch die Worte von Arturo Sosa hallten lange nach: «Oftmals gehen Jesuiten davon aus, man müsse junge Menschen zu allem anleiten und ihnen den Weg zu Gott zeigen. Kennen wir diesen Weg denn selber genug? Vielleicht geht es nicht darum, den Jugendlichen zu helfen, sondern vielmehr, dass uns junge Menschen helfen können.»

Am Freitag in Zürich trat der Jesuitengeneral an die Öffentlichkeit. Gut 300 Leute strömten an die Universität zum Podiumsgespräch. Arturo Sosa diskutierte während zwei intensiven, spannenden Stunden mit fünf Persönlichkeiten der Schweizer Kirchen und Medien zum Thema «Christsein heute – Kirche wohin?». 
Der Samstagmorgen war für die Gemeinschaft der Jesuiten und Mitarbeitenden reserviert. 30 der 48 Jesuiten des Landes kamen in Zürich zusammen, darunter auch die fünf Schweizer Scholastiker; vier studieren zurzeit in Paris, einer absolviert bis September 2020 sein Magisterium bei JWL. Danach stiessen 30 Mitarbeitende der Deutschschweizer Werke dazu – eine Sternstunde, Pater General so nahbar und aufbauend zu erleben.  

Eine kleine Jesuiten-Delegation begleitete Arturo Sosa anschliessend in den Flüeli Ranft. Der aus Venezuela stammende Generalobere weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung. Er nützte diese kleine Wallfahrt zu Bruder Klaus in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen.
Den Samstagabend verbrachte Arturo Sosa im Lassalle-Haus ob Zug, ein Haus der Stille – und nicht nur grösstes Werk der Jesuiten der Schweiz, sondern auch grösstes christliches Bildungszentrum des Landes.

Als Schlusspunkt am Sonntag dann der festliche Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern. Die grosse Gottesdienst-Gemeinschaft traf sich danach zum Aperitif. Mittendrin Pater General, Chef von weltweit gut 15 000 Jesuiten – unkompliziert, herzlich, echt. Auf Wiedersehen, Pater General!


So 22.9.2019 Luzern: Festgottesdienst in der Jesuitenkirche

von Administrator

Festlicher und herzlicher Schlusspunkt von Arturo Sosas Schweizvisite

Arturo Sosa SJ beendete seinen viertägigen Schweizbesuch am Sonntagmorgen mit einem festlichen Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern. Zeit für Stille und Einkehr, Zeit auch für einen vielstimmigen Lobpreis: Das Collegium Musicum führte die Missa Palatina  von Martin Schmid SJ (1694-1772) auf – der gebürtige Baarer hatte in den einstigen Jesuitenmissionen Südamerikas gelebt, gewirkt und komponiert. Danach gab es für die grosse Gottesdienst-Gemeinschaft in der Kornschütte einen Aperitif – mittendrin «Pater General», Chef von weltweit gut 15 000 Jesuiten, menschennah, herzlich, echt.

«Lobet den Herrn», erschallte es laut in der voll besetzten Jesuitenkirche zu Luzern: Als Höhepunkt der Generalsvisite hatten die Schweizer Jesuiten zum Festgottesdienst ins Juwel der Schweizer Provinz am Reuss-Ufer eingeladen. Zur feierlichen Untermalung wurden unter der Leitung des Dirigenten Pascal Mayer die Solisten, das Vokalensemble und die Instrumentalisten des Collegium Musicum Luzern aufgeboten. Zu den erhebenden Klängen von Johann Sebastian Bach zogen die Zelebranten ein: Pater General Arturo Sosa SJ und sein Assistent Tomasz Kot SJ, Provinzial Christian Rutishauser SJ und sein Socius Josef Bruhin SJ, der Rektor der Jesuitenkirche Pater Hansruedi Kleiber SJ sowie als Diakon der Scholastiker Martin Föhn SJ. 

Der Gottesdienst wurde mehrsprachig gefeiert: Die Lesung, der Psalm und das Evangelium auf Deutsch, die meisten Gebete und die Predigt auf Englisch. Ein Festgottesdienst – auch musikalisch: Das Collegium Musicum führte die Missa Palatina des Schweizer Komponisten und Jesuiten Martin Schmid SJ (1694-1772) auf, dessen Geburtstag sich in wenigen Tagen, am 26. September, zum 325. Mal jährt. 

Schmid hatte viele Jahre in den ehemaligen Jesuitenmissionen Südamerikas (sogenannte «Reduktionen», Schutzzonen für Indios vor den Übergriffen spanischer und portugiesischer Sklavenjäger) gelebt und gewirkt und komponierte in den Wäldern des Amazonas Barockmusik: nicht bloss aus Liebe zur Schönheit, vielmehr als Instrument der Glaubensverkündigung an die Eingeborenen. Einige nennen diesen einzigartigen Musikstil, den Schmid zusammen mit seinem italienischen Mitbruder Domenico Zipoli SJ (1688-1726) entwickelt hat, «Dschungelbarock». Die rund 500 Gottesdienst-Feiernden – die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt – erlebten sinnlich und liturgisch mit der Missa Palatinaund der Motette Si bona suscepimus bedeutende Elemente der Jesuitengeschichte.

Die Lesung aus dem Buch Amos liess aufhorchen: Die prophetischen Warnungen gegen die Mächtigen und Reichen in der Welt gingen zu Herzen. Der anschliessende Psalm war Kontrapunkt, er handelte von der Gerechtigkeit Gottes. Das Sonntagsevangelium «Vom ungerechten Verwalter» folgte diesen hochaktuellen Themen. Pater General setzte dieses Gleichnis mit dem Evangelium des letzten Sonntags in Beziehung, wo das Gleichnis vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater im Zentrum gestanden war. Dabei betonte Arturo Sosa den Dreiklang von Gottesbeziehung, Gerechtigkeit und gelebtem Glauben (Predigt am Ende des Beitrags). 

Im Anschluss an den Festgottesdienst waren alle Besucherinnen und Besucher zum Aperitif in der Kornschütte am gegenüberliegenden Reuss-Ufer eingeladen. In der Halle des stattlichen mittelalterlichen Rathauses, wo bis heute das Luzerner Stadtparlament tagt, gab es Gelegenheit zu Gesprächen und zum Knüpfen von neuen Beziehungen. Wie ein Echo war immer wieder zu hören: «Ich freue mich – jetzt lerne ich Sie endlich persönlich kennen.» Mittendrin: Pater General mit seiner freundlichen, ja freundschaftlichen Menschennähe. Jesuiten, Gottesdienstbesucherinnen und –besucher, Gäste: Hier gab es keinerlei Berührungsängste. In familiär anmutender Atmosphäre wurde angestossen, gescherzt und den Moment in einem «Selfie» festgehalten. Eine lebendige Ordensgemeinschaft mitten unter und mit den Menschen – ad maiorem Dei gloriam!
Pascal Meyer SJ


Sa, 21.9.2019: Pater General im Flüeli Ranft

von Administrator

Bruder Klaus strahlt bis heute Frieden aus

Für viele Gläubige aus der Schweiz, ja aus dem ganzen deutschprachigen Raum ist der Flüeli Ranft ein Ort des Gebets und des Friedens, besonders im Bemühen um gute Entscheidungen. Die Jesuiten stehen da und dort in wichtigen Unterscheidungs- und Entscheidungsprozessen. Auch sie suchen Klarheit dazu im Hören auf Gott. 

So pilgerten gestern Nachmittag ein Dutzend Schweizer Jesuiten mit ihrem hohen Besuch aus Rom zu Bruder Klaus. Der heilige Niklaus von der Flüe steht für Stille, Gottsuche, Gebet, für Gerechtigkeit und Frieden, gerade auch in Zeiten, wo der Friede oft als unmöglich erscheint. 

Der aus Venezuela stammende Generalobere der Jesuiten Arturo Sosa weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung und Frieden. Er selbst nützte diese kleine Wallfahrt in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen.
Christoph Albrecht SJ

 

 


Sa, 21.9.2019: bei Mitbrüdern und Mitarbeitenden in Zürich

von Administrator

Arturo Sosa versteht sich als erster Mitarbeiter unter vielen

Ce n'est vraiment pas en «chef» des jésuites, mais en coopérateur parmi d'autres à la mission du Christ, que le Supérieur général Arturo Sosa a rencontré, sans façons et sans col romain, la plupart des 50 compagnons de Suisse, puis des nombreuses autres personnes engagées dans les institutions de la province, ce samedi matin à Zurich. 

Cette attitude humble et «relax» du jésuite vénézuélien venait appuyer en actes un message central dans ce tournant nouveau que la Compagnie internationale prend avec lui : une présence au cœur de la société plus discrète mais plus à l'écoute des hommes et des femmes de notre temps... et de Dieu ! Une priorité si déterminante, à l'heure où se fait tant sentir le besoin de sortir l'Eglise du cléricalisme, mais aussi de l'individualisme qui marque tant la société, en témoignant d'un Dieu qui aime et respecte les humains dans leur liberté, au point de les accompagner dans leur propre responsabilité envers le sort du monde.

Le P. Sosa n'a ainsi pas hésité à apostropher vigoureusement les jésuites suisses : avant de convertir la société, c'est à eux-mêmes de se laisser convertir par Dieu ; avant d'enseigner ou de planifier leur travail par des voies rationnelles, c'est une véritable attitude spirituelle qui doit leur permettre d'inviter d'autres personnes à prier, mais aussi les guider dans l'orientation de leurs futures missions. Pardon ! ce terme même de mission jésuite est encore l'occasion d'un rappel théologique décisif : c'est à la mission du Christ, à la mission de Dieu déjà à l'œuvre dans tant de cœurs et de processus sociaux, que les jésuites sont invités - par ce même Dieu ! - à participer, au lieu de risquer de se croire orgueilleusement dépositaires de leur propre "mission". Or le P. Sosa a rappelé le processus de partage spirituel et de prière qui a conduit les communautés et institutions du monde entier à réentendre de Dieu les quatre «préférences apostoliques» qui peuvent être les leurs en cette deuxième décennie du XXIème siècle. Un discernement en commun qui demande patience et humilité dans l'écoute et que le P. Sosa invite tous les jésuites à adopter comme moyen de décision habituel, non seulement en vue d'un résultat plus juste en vue du bien commun, mais aussi comme lieu de conversion et de témoignage évangélique supplémentaire. Ces quatre préférences ne sont pas des priorités, des domaines de travail, a fortement insisté le Supérieur général. Ce sont bien plutôt des points d'attention, des attitudes et des critères, selon lesquels toute œuvre jésuite doit à son tour discerner son action et son mode de vie propres, en fonction du contexte où elle s'inscrit.
Le P. Sosa a ainsi proposé comme modèle la figure d'Abraham, appelé par Dieu à quitter le confort de sa patrie, en lui disant non où aller, mais qu'Il le guiderait sur ce chemin. Selon les termes très précis de ces préférences apostoliques, les retraites ignaciennes ne sont donc pas une fin en soi, mais un moyen de trouver avec celles et ceux qui les vivent la "voie vers Dieu" de chacun-e. Il ne s'agit pas primordialement d'assister dans leurs besoins les "pauvres et les exclus", mais de "faire route" avec eux, comme les jeunes qui peuvent nous aider à comprendre le monde d'aujourd'hui. Enfin la transition écologique, mission la plus pressante de notre humanité, est surtout une œuvre commune à entreprendre avec toutes les bonnes volontés dans le monde... et avec les forces présentes dans la création elle-même !

Last but not least, le P. Sosa paraîtrait presque s'être laissé lui-même inspirer par la présentation enflammée de la Province qu'a offert le jeune jésuite en régence à JWL, Pascal Meyer ; après les œuvres des 6 villes suisses qu'il a présentées avec enthousiasme, c'est en effet à des jésuites en maison de retraite, si actifs dans le silence de leur prière que le scolastique a rendu un hommage touchant, mais aussi aux nombreu-se-s collaboratrices et collaborateurs des œuvres de la province, des cuisinièr-e-s aux administrat-rices et direct-rices d'institutions. De la même manière, le P. Sosa a insisté sur le fait que nous étions tou-te-s collaboratrices et collaborateurs, plutôt que des jésuites assistés par des employé-e-s laïques. Une occasion de relever que le travail des non-jésuites dans ces institutions ne doit rien avoir à envier, en qualité et en importance, à celui des jésuites ; mais aussi que le nombre décroissant de jésuite ne doit inquiéter personne, la qualité et la profondeur de ces derniers étant bien plus décisives !

Cette puissante et chaleureuse invitation à l'humilité et à une coopération active a sûrement fait du bien à tou-te-s les collaboratrices et collaborateurs présent-e-s, qu'ils et elles soient jésuites ou non...C'est ainsi dans un climat d'amitié et de simplicité que s'est déroulée la matinée, les temps d'échange autour d'un croissant, puis de prière au son d'un chant en espagnol proposé par le scolastique Mathias Werfeli, contribuant tout autant à sa réussite. Quel meilleur chemin envisager pour que la compagnie continue de témoigner, selon des voies toujours nouvelles, par une "vie-mission" où le style de vie est une activité apostolique en soi, de ce Jésus-Christ qui sauve l'humanité non comme un héros, mais en vivant avec elle et en l'accompagnant à travers toutes les joies et les vicissitudes de la vie.
Julien Lambert s.j.

 


Fr, 21.9.2019: Podium «Christsein heute – Kirche wohin»

von Administrator

«Grosse Schwester, lass dich nicht länger lähmen, wach auf, lebe den Glauben in Freiheit!»

Gut 300 Leute strömten zum Podiumsgespräch mit Jesuitengeneral Arturo Sosa an der Universität Zürich. Er traf am zweiten Tag seines Schweiz-Besuchs mit fünf Persönlickeiten der Schweizer Kirchen und Medien zusammen. Was sind die Antworten auf die Herausforderungen der Kirche in der heutigen Zeit? Was bedeutet es heute, Christ zu sein und welche Zukunft bietet sich den jungen Gläubigen?

Freitagabend, 20.9.2019: Eröffnet wurde das Podium «Christsein heute – Kirche wohin» durch Pater Provinzial Christian Rutishauser, der in seiner Einleitung die universale und globale Sendung der Jesuiten unterstrich, die sich im Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit heute mehr denn je in einem interkulturellen und interreligiösen Umfeld bewegen. Damit wurden auch gleich Eckpfeiler des Abends eingeschlagen, nämlich die Situation der universalen Kirche einerseits und der Lage der lokalen Kirche andererseits.

Judith Wipfler vom Schweizer Radio SRF 2 führte als Moderatorin die sechs Podiumsteilnehmenden gekonnt und mit viel Wissen durch den Abend und lud sie zu Beginn zu einem Eröffnungsstatement ein.

Barbara Hallensleben von der Universität Fribourg stellte ganz ignatianisch drei Thesen auf, die für sie die heutige Situation ausmachen: Kirche sei erstens nicht neu zu erfinden, sondern neu zu entdecken. Zweitens erfordere das universale Evangelium eine je eigene lokale Inkulturation und drittens werde Kirche heute vor allem ökumenisch gelebt, was sich in der vielfachen Zusammenarbeit und im Zusammenleben zeige.

Bischof Felix Gmür von Basel unterstrich, dass die Kirche in der Schweiz sehr vielfältig sei. Der Einfluss auf die Gesellschaft und die Individuen sei angesichts von Missbrauchsskandalen und einer immer grösseren Unabhängigkeit der Gläubigen zwar weiter am Schwinden, aber die Solidarität der Schweizer Gläubigen, gerade mit den Ärmsten, sei ungebrochen. Ein wichtiges Feld für Reformen sieht Bischof Gmür bei der Frage nach Gerechtigkeit innerhalb der Kirche.

Für Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), ist das einst stabile und konstruktive Verhältnis von Staat und Kirche nicht nur durch die äussere Säkularisation der Gesellschaft unter Druck geraten, sondern stehe durch die Missbrauchsskandale auch innerkirchlich immer mehr in der Kritik. Während in der Deutschschweiz dank aktuell guter Finanzen immer noch Strukturen erhalten würden, gelte in der welschen Schweiz dagegen schon jetzt die Devise «faire mieux avec moins – besser arbeiten mit weniger». In Anlehnung an Bischof Gmür sieht auch er die Gerechtigkeit innerhalb der Kirche als grosses Thema. Ohne Gleichberechtigung, Demokratie und die Respektierung der Menschenrechte könne die Kirche so nicht weitermachen.

Pfarrer Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), prägte die einfache und prägnante Formel von der mangelnden Auftragstreue. Erster Auftrag der Kirche sei die Verkündigung des Evangeliums nach Matthäus Kapitel 28. Leider würden wir vieles tun, was zwar schön sei, aber eigentlich nicht zu unserem Kernauftrag der Evangelisierung in Wort und Tat gehört. Gleichzeitig gebe es viele junge und alte Menschen, die sich dafür einsetzten und denen wir eine Stimme und die Gelegenheit zur Verkündigung geben müssten.

Daniel Foppa schliesslich, Leiter Inlandredaktion Tamedia, outete sich als begeisterter Katholik, der sich daher umso betrübter angesichts der offensichtlichen Reformunfähigkeit der Katholischen Kirche zeigte. Dies sei mit ein Grund, warum so viele Leute sich von der Kirche abwendeten und weswegen auch viel Basiswissen um Religion und Kirche verloren gingen. Er forderte eine Öffnung der Kirche und appelierte an die Jesuiten, bei dieser Öffnung mitzuarbeiten.

Mit einem grösseren Beitrag meldete sich Jesuitengeneral Arturo Sosa zu Wort (sein Beitrag am Ende des Textes). Anhand einer Präsentation zeigte er auf, wohin die Herausforderungen der Kirche uns führen könnten. Zunächst betonte er die Wichtigkeit und Notwendigkeit der aufgeworfenen Fragen. Und gleichzeitig betonte er, dass vieles nicht durch reine Diskussionen gelöst werden könne. Was es brauche, sei Weisheit – nicht im intellektuellen, sondern im biblischen Sinn: ein Abwägen, das die Vergangenheit und die Arbeit unserer Vorgänger reflektiert, das sich aber auch auf die Zukunft einlässt, anpasst, erneuert und dem Heiligen Geist den nötigen Raum gibt. Als gutes Beispiel nannte er das Zweite Vatikanische Konzil, das nicht nur eine inspirierende Etappe der Kirchengeschichte sei, sondern in vielem erst noch entdeckt und umgesetzt werden müsse, gerade in der Synodalität.

Die heutigen Herausforderungen seien vielfältig und tatsächlich bedrohend: Zerstörung der Umwelt, Ungleichheit der Ressourcen, Missachtung von Menschenrechten und Demokratie und der fehlende Wille für das Allgemeinwohl von populistischen und nationalistischen Regierungen. Einerseits leisteten die Jesuiten im Einsatz für Glauben, Gerechtigkeit, Bildung und in der Hilfe für Migrantinnen und Migranten und sozial Benachteiligten einen direkten Beitrag für die Linderung des Elends. Andererseits lieferten sie mit der intellektuellen Analyse der Ursachen auch neue Lösungsmodelle. Zur Säkularisierung und dem schwindenden Einfluss der Kirche meinte Pater Sosa, man könne dieser Entwicklung entweder mit Angst begegnen oder sie als Chance begreifen, den Menschen von neuem und mit neuen Mitteln das Evangelium nahe zu bringen. Eine freie Gesellschaft profitiere stark von der erneuerten Verkündigung des Glaubens, der sich fragt, was Gottes Wille heute ist. 

Die anschliessende Fragerunde aus erfreulich zahlreichen Publikum zeigte das grosse Interesse an den Fragen und Herausforderungen der Zeit. Die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche, antwortete Pater Sosa, müsse Gelegenheit sein, Hierarchie grundsätzlich neu zu denken, ansonsten der Klerikalismus einfach um eine Dimension erweitert würde. In der Armutsbekämpfung müsste die Kirche besser mit anderen zusammenarbeiten und Kräfte bündeln. Bischof Gmür erinnerte daran, dass es neben Matthäus 28 auch das 25. Kapitel gebe, das die barmherzigen Werke betone. Dies sei die Verkündigung in Wort und Tat. Nach den Schlussvoten der Podiumsteilnehmer richtete Gottfried Locher nochmals einen Appell an die «grosse liebe Schwester», sich nicht mehr länger von ihren eigenen Schwierigkeiten lähmen zu lassen, sondern aufzuwachen und den Glauben in Freiheit zu leben. 
Mathias Werfeli SJ


Do, 20.9.2019: Arturo Sosa ist in Genf angekommen

von Administrator

Nach langer Vorbereitung war es endlich soweit: Der Generalobere der Jesuiten Arturo Sosa SJ kam gestern Vormittag in der Genfer Kommunität an, gemeinsam mit Tomasz Kot SJ, Assistent für Zentral- und Osteuropa und dem Medienverantwortlichen Pierre Bélanger SJ. Ein Treffen mit Vertretern von internationalen humanitären Organisationen stand an. Mitten drin Arme und Ausgegrenzte, die an Bildungsprogrammen der Jesuiten teilnehmen und per Videobotschaft grüssten.

Der Konferenzsaal der Jesuitenkommunität in Carouge war mit über zwanzig Repräsentanten von Kirche, Nichtregierungsorganisationen, Medien und UNO-Werken gut gefüllt. Die klare Überzahl von männlichen Gästen bei diesem Empfang stach allerdings ins Auge – wohl ein Spiegel der Strukturen innerhalb von Kirche und humanitärer Organisationen.

Der Schweizer Provinzial Pater Christian Rutishauser SJ begrüsste die Gäste und bot einen Überblick über die historische Entwicklung der Jesuiten in der Westschweiz sowie das besondere Engagement in Genf. Dabei betonte er die Bedeutung der Gesellschaft Jesu für die katholischen Medien in der Romandie. Heute sei eine klare Verschiebung spürbar – vom lokalen Engagement innerhalb der Genfer Kirchenlandschaft hin zu internationalen Engagements der Jesuiten: etwa durch den Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS oder durch die Präsenz bei der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.
Nach der Vorstellung der Genfer Kommunität durch Superior Bruno Füglistaller SJ und Pierre Martinot-Lagarde SJ wurden die Gäste der drei internationalen Jesuitenwerke JRS, ILO und Jesuit Worldwide Learning JWL vorgestellt. Die Vielfalt der Nationalitäten war faszinierend und passend zu einer internationalen Stadt wie Genf: Die Gäste stammen aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, England, Libanon, Argentinien, Venezuela, Polen, USA. Der Direktor von Jesuit Worldwide Learning, Peter Balleis SJ, gab das Wort danach an Frau Oula Abu-Amsha, Direktorin des Bildungsbereichs von JWL. Die gebürtige Syrerin teilte mit den Gästen ein bewegendes Stück ihrer Lebensgeschichte: Sie ist Tochter palästinischer Flüchtlinge und plädierte für freien Zugang zu Bildung für alle Menschen. Hochschulbildung müsse für Menschen an den Rändern der Gesellschaft zugänglich sein und dürfe nicht als Luxusgut betrachtet werden. «Wenn dir alles in deinem früheren Leben weggenommen wurde, so bleibt dir immerhin noch die Bildung als ein unzerstörbarer Wert!»

Der weitere Verlauf des Abends stand ganz im Zeichen der apostolischen Präferenzen der Jesuiten. Papst Franziskus hatte diese im Februar 2019 wie folgt bestätigt:

-          Ein Weg zu Gott: Durch ignatianische Unterscheidung und Exerzitien zu Gott finden helfen.

-          An der Seite der Benachteiligten: Auf dem Weg mit den Armen, den Ausgestoßenen der Welt, den in ihrer Würde Verletzten für Versöhnung und Gerechtigkeit eintreten.

-          Mit jungen Menschen: Jugendliche und junge Erwachsene bei der Gestaltung einer hoffnungsvollen Zukunft begleiten.

-          Für die Schöpfung: In der Sorge um das Gemeinsame Haus zusammenarbeiten.

Und wo würden die Gäste ihre Präferenz setzen? Auf Pierre Martinot-Lagardes Frage folgte unisono die Antwort: Alle vier apostolischen Präferenzen seien wichtig. Die Schwerpunkte jedoch sind bemerkenswert. So erwähnte Martin Robra vom Conseil Oecuménique das grössere Bewusstsein der breiten Bevölkerung für die Erhaltung der Schöpfung, insbesondere in den Kirchen: «Wir erleben heute eine stärkere Bereitschaft zur Zusammenarbeit, wenn es um ökologische Anliegen geht  – Gott sei Dank.»
Nick Sore von UNHCR verwies auf die Verbindung zwischen dem Jugendapostolat und der Sorge um die Ausgegrenzten: «Unter den Armen, Flüchtlingen und Ausgegrenzten sind Jugendliche und Kinder in den meisten Fällen zusätzlich ausgegrenzt und bedroht. Sie leiden doppelt an ungerechten Strukturen.» Für Erzbischof Ivan Jurbkovic, den apostolischen Nuntius in Genf, ist klar, dass die Jesuiten eine Rolle in dieser internationalen Stadt spielen müssten: «Hier in Genf leben ungefähr 20 000 Diplomaten, die über das Schicksal von Nationen beraten. Wir als Kirche haben hier eine Mission.»

Pater Arturo Sosa SJ hielt den besonderen Charakter des Entstehungsprozesses der Präferenzen fest. Zum ersten Mal in der Geschichte der Gesellschaft Jesu waren sämtliche Mitbrüder, Kommunitäten, Werke, Provinzen und Regionen in den Unterscheidungsprozess eingebunden, dessen Resultate Verbindlichkeit für die nächsten zehn Jahre haben. «Die Präferenzen sind für uns alle eine Inspiration. Sie sollen uns zur inneren Konversion anleiten. Dies ist eine Einladung an jeden einzelnen Jesuiten und an die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten. Und doch wird der Unterscheidungs- und Reflexionsprozess auch in Zukunft weitergehen müssen: Mit den apostolischen Präferenzen sind wir nicht am Ende des Prozesses angelangt.» Bemerkenswert war dabei Pater Arturos Blick auf die Bedeutung des Jugendapostolats: «Oftmals gehen Jesuiten davon aus, man müsse junge Menschen zu allem anleiten und ihnen den Weg zu Gott zeigen. Kennen wir diesen Weg denn selber genug? Vielleicht geht es nicht darum, den Jugendlichen zu helfen, sondern dass uns viel mehr junge Menschen helfen können.»

Berührend war die Grussbotschaft von Studierenden und Lehrpersonen von Jesuiten-Flüchtlingsdienst und Jesuit Worldwide Learning: Sie berichteten in kurzen Videos aus Afghanistan, Irak, Jordanien, Kenia und Malawi über ihre derzeitigen Herausforderungen, Schwierigkeiten, Hoffnungen und Träume. So waren Arme und Ausgegrenzte mitten drin im Abendanlass. Ihre Geschichten hallten beim späteren Apéro in vielen Gesprächen nach.
Pascal Meyer SJ

 


Arturo Sosa SJ, General der Jesuiten, beendete Schweizbesuch mit Gottesdienst in Luzern

von Pia Seiler

Er ist «Pater General», Chef von weltweit gut 15 000 Jesuiten und weilte erstmals in der Schweiz: Arturo Sosa SJ besuchte vom 19. bis 22. September 2019 Mitbrüder und Mitarbeitende der Jesuitenwerke in Genf, Zürich sowie das jesuitische Lassalle-Haus ob Zug. Über die Stationen seiner Reise berichten wir hier.
Die Schweiz-Visite führte den Jesuitengeneral zweimal auch in die Öffentlichkeit:

Podiumsdiskussion «Christsein heute – Kirche wohin»

Freitag 20. September, Universität Zürich, 17 Uhr
Häldeliweg 2, Raum HAH-E11 (Tramstation Platte)

Pater General im Gespräch mit

  • Bischof Dr. Felix Gmür, Bischof von Basel
  • Dr. Daniel Kosch, Generalsekretär Römisch-Katholische Zentralkonferenz RKZ
  • Dr. Gottfried Locher, Präsident Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK
  • Prof. Dr. Barbara Hallensleben, Universität Fribourg
  • Dr. Daniel Foppa, Leiter Inlandredaktion Tamedia, Zürich
    Moderation: Judith Wipfler, Schweizer Radio SRF 2 Kultur

Festgottesdienst mit Musik von Pater Martin Schmid SJ

Sonntag 22. September, Jesuitenkirche Luzern, 10 Uhr

 

Arturo Sosa SJ, 19.9.2019 in der Kapelle der Jesuitenkommunität Carouge GE

«Unsere Häuser hatten keine Zäune»

Wer ist Arturo Sosa SJ, der als 18-Jähriger kurz nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils in Venezuela der Societas Jesu beitrat und seit 2016 den grössten Orden der Kirche führt?

«Ich wurde am 12. November 1948 in Venezuela geboren, und am 24. November gab es einen Staatsstreich gegen den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes.»
Befragt zu seiner Person nach der Wahl 2016 zum Generaloberen der Jesuiten, erwähnt Arturo Sosa SJ dies als Erstes. Auch das Weitere im Interview mit einem Ordensbruder ist bezeichnend: «Meine Grosseltern waren sehr arm, aber mein Vater gehörte zur Generation, die das Land aufbaute. Wir waren eine grosse Familie, in der die Generationen eng zusammenlebten. Dies war sehr wichtig für mich. Unsere Häuser hatten keine Zäune, wir teilten unser Leben.» Die Familie war «sehr katholisch», ohne dies öffentlich kundzutun. «In dieser Situation habe ich gelernt, hinter die Kulissen zu schauen. Ich habe gelernt, dass die Dinge nicht notwendigerweise sind, wie sie sind.»
Der Vater, Ökonom und Rechtsanwalt, brachte es bis zum Finanzminister. Ein privilegiertes Elternhaus – eines auch mit Blick fürs Ganze. Oft durfte der kleine Arturo mit auf Inlandreisen des Vaters. «Wenn wir in einer fremden Stadt ankamen, sagte er immer Lass uns die Strassenbahn nehmen; und dann hat er mir die Stadt gezeigt.» Auch habe er oft gesagt, dass es einem nicht gut gehen könne, «wenn das Land nicht funktioniert und wir tun nichts, damit es endlich funktioniert.»

Wenn man sich für andere hingibt
Sosa durchlief in Caracas ab Kindergarten das Colegio San Ignacio, «mein zweites Zuhause» dank begabten Ordensbrüdern, Scholastikern, Jesuiten als Lehrer. «Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich kaum an Chemie oder Mathematik», umso mehr an Aktivitäten der Marianischen Kongregation. «Die Wurzeln meiner Berufung: Ich lernte, dass das Leben Sinn macht, wenn man sich für andere hingibt.» Seine Freunde wurden Ärzte, Anwälte, gingen ins Amazonas-Gebiet. «Es gab ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl. Wir sahen die Notwendigkeit, Gesellschaft und Nation zu gestalten.»
1966 trat er als 18-Jähriger dem Orden bei – kurz nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, das in seinen Kreisen grosse Strahlkraft hatte. Sosa studierte Politik- und Sozialwissenschaften. Die Praktikumsjahre führten ihn weit ins Landesinnere, ins jesuitische Centro Gumilla für Kleinbauern, das er dereinst leiten würde. Vorerst ging es zum Theologiestudium nach Rom. Widerwillig sei er abgereist, dankbar zurückgekehrt: In der internationalen Gemeinschaft der Jesuiten entdeckte er eine ganze Welt.

Zurück in Venezuela machte er universitäre Karriere, ohne je den tiefen Bezug zur Basis zu verlieren. Arturo Sosa hatte Lehrstühle im Spannungsfeld von Politikwissenschaft und katholischer Soziallehre inne und war acht Jahre Rektor einer Jesuitenuniversität. 1996 bis 2004 war er zudem Provinzial in seiner Heimat und bekam viel Anerkennung für seine Vermittlung bei politischen Spannungen im Land.
Dann rückte Rom erneut ins Zentrum. Ab 2008 vertraute ihm die Gesellschaft Jesu leitende Ordensämter an, bevor er am 14. Oktober 2016 zum Generaloberen gewählt wurde. «Er ist ein sehr erfahrener Mann, kann gut zuhören und moderieren», sagt Provinzial Christian Rutishauser SJ und: «Er hat Mut, Entscheidungen zu treffen.»
Pia Seiler

 

«Gemeinsam mit den Verworfenen der Welt»

Mit vier Leitlinien bekräftigen die Jesuiten ihr Engagement: Sie wollen noch dezidierter einen Weg zu Gott finden helfen, an der Seite der Benachteiligten stehen, mit jungen Menschen unterwegs sein und für die Schöpfung eintreten. Der Generalobere Arturo Sosa SJ kommentiert im Folgenden die vier so genannten apostolischen Präferenzen.

Die Jesuiten sind mit dem Papst in speziellem Masse verbunden – nicht erst seit 2013, als mit Franziskus ein Jesuit Papst wurde: 1540 erhielt der Orden die päpstliche Anerkennung; seither verpflichten sich die Jesuiten nebst Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam insbesondere auch zu Gehorsam gegenüber dem Papst.
Ordensgründer Ignatius von Loyola sah es so vor: Der Papst überträgt dem Orden besondere Aufgaben für die Gesamtkirche. Entsprechend redete der Papst durch die Jahrhunderte hindurch bei der zeitgeschichtlichen Ausrichtung des Ordens mit. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) stehen die Leitlinien des Ordens unter dem Stichwort ≪Glaube und Gerechtigkeit≫ und werden jeweils für eine Epoche festgelegt.
Nun bricht ein neues jesuitisches Jahrzehnt an. Dazu initiierte der Generalobere Arturo Sosa SJ einen konsultativen Prozess von 16 Monaten und bezog alle Jesuiten mit ein – zurzeit ein Orden mit etwas über 15 000 Mitgliedern (in der Schweiz 48). Papst Franziskus hat die neuen oder vielmehr erneuerten und geschärften Prioritäten der Jesuiten vor kurzem bestätigt; sie seien im Einklang mit den gegenwärtigen apostolischen Prioritäten der Kirche.

Die Gesellschaft Jesu orientiert sich für 2019–2029 an folgenden vier Leitlinien – an vier so genannten apostolischen Präferenzen:

Einen Weg zu Gott finden helfen durch Reflexion, Unterscheidung und geistliche Übungen.
Arturo Sosa SJ: ≪Eine reife säkulare Gesellschaft bietet die Voraussetzungen dafür, dass ein günstiges Umfeld für persönliche religiöse Prozesse entsteht: frei von sozialem oder ethischem Druck ist es möglich, sich tiefgreifenden Fragen zu stellen und frei die Nachfolge Jesu und einen christlichen Lebensstil zu wählen. Die geistlichen Übungen des Heiligen Ignatius von Loyola bieten ein vorzügliches Instrument, um Jesus, sein Leben und Werk gegenwärtig werden zu lassen.≫

An der Seite der Benachteiligten stehen, gemeinsam mit den Armen, den Verworfenen der Welt, den in ihrer Würde Verletzten auf dem Weg sein, gesandt zu Versöhnung und Gerechtigkeit.
Arturo Sosa SJ: ≪Wir bekräftigen unsere Verpflichtung zum Einsatz für Migranten, Vertriebene, Flüchtlinge, Opfer von Kriegen und Menschenhandel sowie für die Verteidigung der Kultur und der würdigen Existenz indigener Völker. Wir wollen dazu beitragen, Bedingungen für ihre Akzeptanz als Menschen zu schaffen. Die Verarmten zu begleiten, verlangt, unsere Studien und Analysen zu verbessern, um gründlich die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Prozesse zu verstehen, die soviel Ungerechtigkeit hervorbringen, und an der Entwicklung alternativer Modelle mitzuwirken.≫

Mit jungen Menschen unterwegs sein, Jugendliche und junge Erwachsene bei der Gestaltung einer hoffnungsvollen Zukunft aus dem Glauben heraus begleiten.
Arturo Sosa SJ: ≪Jungen Menschen, weltweit zur Mehrzahl arm, stellen sich enorme Herausforderungen im gegenwärtigen Kontext. Dazu zählen die abnehmende Zahl von Arbeitsplätzen, die zunehmende politische Gewaltbereitschaft, vielfältige Formen der Diskriminierung, die fortschreitende Verschmutzung der Umwelt. Gerade junge Menschen öffnen sich der Zukunft mit der Hoffnung, ein würdiges Leben in einer versöhnten Welt und in Frieden auch mit der Umwelt zu gestalten. Freiräume für sie in Gesellschaft und Kirche zu schaffen und zu erhalten, ist ein Beitrag, den die Werke der Societas Jesu leisten können.≫

Für und mit der Schöpfung leben, in der Sorge für das Gemeinsame Haus zusammenarbeiten.
Arturo Sosa SJ: ≪Die Beschädigung der Erde beschädigt auch die am meisten verletzlichen Menschen wie indigene Völker, die zur Flucht gezwungene Landbevölkerung, Bewohner der Randzonen der Grossstädte. Wir nehmen uns vor, mit dem was wir sind und was uns zur Verfügung steht, mit anderen mitzuwirken beim Aufbau alternativer Lebensmodelle, die auf Respekt vor der Schöpfung und auf nachhaltiger Entwicklung basieren. Eine Entwicklung, die fähig ist, Güter zu produzieren, welche – recht verteilt – für alle Menschen der Erde ein würdiges Leben sicherstellen.≫