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«Der Andere und die Begrenztheit gehören zum Leben – so wie der Tod»: Christian Rutishauser in der NZZ

von Pia Seiler

«Wer nur in Krisenzeiten vom Eingreifen Gottes spricht, hat von einem Gott, der Barmherzigkeit und Gnade will, nichts verstanden», schreibt Christian Rutishauser SJ in seinem aktuellen Beitrag in der NZZ.  Nicht in der Krise, vielmehr «im Guten und Schönen des täglichen Lebens» wird das Fundament des Humanen einer Gesellschaft gelegt. «Tugenden müssen eingeübt, Strukturen entwickelt und verbessert werden. Nur so kann in Extremsituationen eine breite Solidarität tragen», so Christian Rutishauser, Provinzial der Schweizer Jesuiten.

Auch die Logistikkette der NZZ ist von der Corona-Krise betroffen. Der Seitenumfang der NZZ-Printausgabe wurde bisher von Tag zu Tag reduziert, und so ist der Beitrag von Christian Rutishauser nur online zu lesen.

Hier gelangen Sie zu seinem Beitrag im Feuilleton der NZZ vom 26.3.2020.


Video-Botschaft von Pater General Arturo Sosa SJ zur Corona-Krise

von Pia Seiler

Die Corona-Krise zeigt uns in aller Deutlichkeit: Wir sind eine Menschheit. «Jeder Mensch, jedes Volk, jede Kultur, die zur menschlichen Vielfalt beiträgt, ist Teil dieser einen, vielfältigen, reichen und voneinander abhängigen Menschheit», sagt Pater Arturo Sosa SJ, Generaloberer der weltweit gut 15 000 Jesuiten. In einer Video-Botschaft in vier Sprachen richtet er sich an die Menschen: Der gebürtige Venezolaner gibt Antworten, wie wir diese Krise meistern, wie es weitergehen, wie wir als Menschheitsfamilie auch Stärkung erfahren können.

Hier seine Video-Botschaft auf Englisch sowie den Wortlaut auch auf Deutsch.
Die Versionen auf Französisch, Italienisch und in Arturo Sosas Muttersprache Spanisch finden Sie hier.

 

What part of the path to God is the COVID-19 epidemic showing us?

The current experience of COVID -19 is showing us many things about ourselves and our world. In particular, I want to focus on how it is lighting up various aspects of our path to God and how, even in difficult times, there is consolation to be found.

First of all, it is showing us that we are one humanity. Every human being, every people, each culture that contributes to human diversity is part of this one, varied, rich and interdependent humanity.

It is showing us how overcoming a crisis is possible. It is possible when we become aware of the importance of looking after the Common Good and taking seriously our own individual responsibility. We can only live as one body. Separately, for each person or each people on their own, it is impossible.

It is showing us that there is no difference in age, race, religion or social status within our one humanity. Each and every one of us is part of it, no one is left out, no one of us can do without the others.

It is showing us that we want to walk together. We are all concerned, we help each other to overcome fears and anxieties. Each one of us is looking for a way to lend a hand, starting by putting what we ourselves want in second place and accepting the measures and sacrifices that allow us to contribute to the good of all.

It is showing us the competence and generosity of those who are in the front line, caring for those affected, seeking solutions or making difficult decisions for the good of all. It is showing us the sensitivity of so many people or organizations and the enormous reserve of solidarity that exists:  in young people, in adults and in the elderly, in all corners of human society.

It is showing us the power of faith, the strong bonds that unite believers, the love of Jesus Christ that impels us, reconciles us and unites us. There are so many people praying together on social media. They want to profess their faith, that faith which they feel in the depths of their hearts and which they cannot keep to themselves.

I have been receiving information about the many creative initiatives that have been taken both in the provinces, regions, communities and apostolic works of the Society of Jesus... as well as in collaboration with others. I thank the Lord for all of this.  I encourage you to continue looking for the best ways to be close to those in need, in order to continue to walk the common path together.

I join in the prayer of the whole body of the Society of Jesus, of the Catholic Church, of all Christian Churches, of other religions or beliefs and of all those who, with their attitude of solidarity, are looking for and are finding appropriate ways to continue to lend a hand.

We do not know how long this stretch of the road is or what will follow after. So, let us ask for light to see the way forward and the grace that we need to walk it as brothers and sisters, in solidarity with the whole of humanity and with the planet on which we live.

May the Lord bless us and keep us as we walk this journey together. AMEN

 

Welches Wegstück zu Gott zeigt uns die COVID-19-Pademie?

Die aktuelle Erfahrung von COVID-19 zeigt uns vieles über uns selbst und unsere Welt. Insbesondere möchte ich mich darauf konzentrieren, wie diese Erfahrung verschiedene Aspekte unseres Weges zu Gott beleuchtet und wie selbst in schwierigen Zeiten Trost zu finden ist.

Zunächst einmal zeigt die Erfahrung von COVID-19 uns, dass wir eine einzige Menschheit sind. Jeder Mensch, jedes Volk, jede Kultur, die zur menschlichen Vielfalt beiträgt, ist Teil dieser einen, vielfältigen, reichen und voneinander abhängigen Menschheit.

Die aktuelle Erfahrung zeigt uns, wie eine Krise überwunden werden kann. Es ist möglich, wenn wir uns bewusst werden, wie wichtig die Sorge um das Gemeinwohl ist, und unsere eigene individuelle Verantwortung wahrnehmen. Wir können nur als ein Körper leben. Getrennt, jede Person oder jedes Volk für sich allein, ist es unmöglich.

Sie zeigt uns, dass es innerhalb unserer einen Menschheit keinen Unterschied bezüglich Alter, Rasse, Religion oder sozialem Status gibt. Jeder und jede von uns ist ein Teil davon, niemand wird ausgeschlossen, niemand von uns kann auf die anderen verzichten.

Sie zeigt uns, dass wir gemeinsam vorangehen wollen. Wir sind alle besorgt, wir helfen uns gegenseitig, Ängste zu überwinden. Jeder von uns sucht nach einem Weg, einander zu stützen, indem wir das, was wir selbst wollen, hintanstellen und die Maßnahmen und Opfer akzeptieren, die es uns ermöglichen, zum Wohl aller beizutragen.

Sie zeigt uns die Kompetenz und Großzügigkeit derjenigen, die an vorderster Front stehen, sich um die Betroffenen kümmern, Lösungen suchen oder schwierige Entscheidungen zum Wohle aller treffen. Sie zeigt uns die Sensibilität so vieler Menschen oder Organisationen und die enorme Solidaritätsreserve, die es gibt: bei jungen Menschen, bei Erwachsenen und bei älteren Menschen, in allen Teilen der Gesellschaft.

Sie zeigt uns die Kraft des Glaubens, die starken Bindungen, welche die Gläubigen vereinen, die Liebe Jesu Christi, die uns antreibt, versöhnt und vereint. Es gibt so viele Menschen, die über soziale Medien gemeinsam beten. Sie wollen ihren Glauben bekennen, jenen Glauben, den sie in der Tiefe ihres Herzens spüren und nicht für sich behalten können.

Ich habe Informationen über die vielen kreativen Initiativen erhalten, die sowohl in den Provinzen, Regionen, Gemeinschaften und apostolischen Werken der Gesellschaft Jesu als auch in der Zusammenarbeit mit anderen ergriffen wurden. Ich danke dem Herrn für all dies. Ich ermutige Sie, weiterhin nach den besten Wegen zu suchen, den Bedürftigen nahe zu sein, um den gemeinsamen Weg fortzusetzen.

Ich schließe mich dem Gebet des gesamten Leibes der Gesellschaft Jesu, der katholischen Kirche, aller christlichen Kirchen, anderer Religionen oder Glaubensrichtungen und all jener an, die mit ihrer solidarischen Haltung nach geeigneten Wegen suchen und finden, um weiterhin Hilfe zu leisten.

Wir wissen nicht, wie lang dieser Wegabschnitt dauert und was danach folgen wird. Bitten wir also um Licht, um den Weg nach vorn zu sehen, und um die Gnade, die wir brauchen, um ihn als Geschwister zu gehen, in Solidarität mit der ganzen Menschheit und mit dem Planeten, auf dem wir leben.

Möge der Herr uns segnen und bewahren, während wir diesen Weg gemeinsam gehen. AMEN


Gedenken an den ermordeten Menschenrechtsaktivisten Luis Espinal SJ

von Pia Seiler

Am 22. März 1980 wurde Luis Espinal in Bolivien entführt, gefoltert und ermordet. Zuvor hatte sich der Jesuit und Menschenrechtsaktivist an einem politischen Fasten beteiligt. Hier gelangen Sie zum Gedenkbeitrag von Christoph Albrecht SJ, der über Leben und Wirken von P. Luis Espinal SJ promovierte («Den Unterdrückten eine Stimme geben», Luzern 2005,129-130.138.155.191.212).

1932 bei Manresa in Katalonien geboren, trat Luis Espinal als 17-Jähriger in den Jesuitenorden ein und wirkte ab 1968 in Bolivien. Espinal wurde in seinem politischen Kampf um Gerechtigkeit vom tiefen Glauben an die Menschenfreundlichkeit Gottes geleitet.
Seine Bereitschaft, von den Ärmsten zu lernen, war Ausdruck eines starken Identifikationsprozesses mit dem bolivianischen Volk. Immer wieder setzte er Zeichen, die ihn für die harte Alltagswirklichkeit der kleinen Leute empfänglich werden liessen. So zog er es vor, wie diese zu Fuss zu gehen, auch bei Regen und Schlamm. Seine Antwort auf das Angebot eines Bekannten, der im Auto vorbeifuhr, ist bezeichnend: «Weisst du, heute will ich keine Bequemlichkeiten oder Privilegien. Heute will ich mit dem Volk gehen.»

Bild: Hungerstreik vom Januar 1978, ganz rechts Luis Espinal SJ.

 


Jesuit und Zen-Meister Niklaus Brantschen über Corona-Zeiten im SRF-Tagesgespräch

von Pia Seiler

Die Corona-Pandemie setzt uns enge Grenzen. Wie geht Niklaus Brantschen (82) mit den Beschränkungen um? Wie begegnet er den Sorgen und Ängsten seiner Mitmenschen und wie seinen eigenen? Welche Kraft wirkt in der Stille, für ihn, für uns alle? Und schliesslich: Welche Chancen bieten diese denkwürdigen Wochen und Monate im Kleinen und im Grossen? Der Jesuit und Zen-Meister gibt Ivana Pribakovic im Rendez-vous am Mittag von Radio SRF1 Antworten, die weit über die aktuelle Situation weisen.

Hier gelangen Sie zum Radio-SRF1-Tagesgespräch vom 23.3.2020 mit Niklaus Brantschen SJ

 

Meditation zum Lesungstext der Eucharistie-Feier vom Tag

von Pia Seiler

Ein winziges Virus diktiert mittlerweile einen beträchtlichen Teil der Welt. Wir alle brauchen derzeit einen langen Atem. Und wenn auch die Sache noch lange nicht ausgestanden ist: Hoffnung leitet und trägt Menschen seit jeher – dieser Tage ist es insbesondere die Hoffnung auf Solidarität über Grenzen der Generationen, Kulturen, Nationen, Religionen hinweg.

Das spirituelle Leben will in einer Zeit der Unsicherheit und Krankheitsbedrohung besonders gepflegt sein. Der Rückzug von äusseren Aktivitäten lädt dazu ein, sich der geistig-geistlichen Gesundheit zuzuwenden. Gottesdienst zu feiern ist aber nur noch eingeschränkt möglich. Zeit zu Hause ist angesagt.

Die Schweizer Jesuiten kommentieren daher täglich einen der Lesungstexte der Eucharistiefeier, die für den Tag vorgesehen sind. Der kurze Kommentar soll helfen, den biblischen Text vertieft zu meditieren.

Haben Sie Zeit für eine Meditation von etwa 20 Minuten, empfehlen wir Ihnen folgende Schritte:

  1. Gott in persönlichen Worten um Offenheit für seine Gegenwart bitten.
  2. Lektüre des Lesungstexts.
  3. Innehalten beim Text; ihn zu verstehen suchen.
  4. Lektüre des Kurzkommentars.
  5. Innehalten beim Gelesenen; tiefer verstehen suchen.
  6. Ein Gespräch mit Gott über das Angesprochene. Daraus entsteht Dank oder Bitte.
  7. Abschluss der Meditationszeit mit einem «Vater unser».

 

Zum Tages-Impuls:

Montag, 30. März 2020

Sonntag, 29. März 2020

Samstag, 28. März 2020

Freitag, 27. März 2020

Donnerstag, 26. März 2020

Mittwoch, 25. März 2020

Dienstag, 24. März 2020

Montag, 23. März 2020

Sonntag, 22. März 2020

Samstag, 21. März 2020

Freitag, 20. März 2020

Donnerstag, 19. März 2020

Mittwoch, 18. März 2020

Dienstag, 17. März 2020

Montag, 16. März 2020

Sonntag, 15. März 2020

 


Quellen zu Christentum und eigener Spiritualität: Interviews mit Christian Rutishauser SJ

von Pia Seiler

Die Zeichen der Zeit stehen auf Umbruch, gesellschaftliche Kontexte brechen weg, tradierte Formen verlieren an Kraft. «Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein», stellte Karl Rahner kurz und knapp fest.

Der bekannte Satz des deutschen Theologen ist für Christian Rutishauser SJ Anhaltspunkt, im Interview vom Pfarrblatt Bern über Spiritualität in säkularer Zeit nachzudenken. «Gerade weil in der säkularen Gesellschaft die alte Frömmigkeit wegfällt, ist die Sehnsucht nach Spiritualität so gross», sagt Christian Rutishauser. Wer diese Sehnsucht in sich trägt und Orientierungspunkte sucht, dem rät der Provinzial der Schweizer Jesuiten: «Das Beste ist, auf andere Menschen zu schauen, wie sie geistlich leben. Auf diese Weise steigt man langsam ins Üben ein. Exerzitium, Üben, ist ein altes christliches Wort. Dabei geht es nie ohne Wissen. Es braucht die Lektüre geistlicher und theologischer Texte, auch der Bibel.»

Im aktuellen Interview in der Zeitschrift Sonntag äussert sich Rutishauser auch zu Spiritualität im weiten Sinn: «Jeder Mensch braucht irgendeine Form von Spiritualität. Das Bedürfnis nach Sinngebung leitet den Menschen. Sei es die Spiritualität mit der Natur, der Wissenschaft, der Kultur. Man kann sie überall finden. Das ist an sich ja auch nicht schlecht.» Aber letztlich gehe es in Ländern, die vom Christentum geprägt wurden: «Will man christliche Spiritualität oder nicht?»

Die beiden Interviews erschienen anlässlich des neuen Lehrgangs Christliche Spiritualität, der im November im Lassalle-Haus startet. Hier gelangen Sie zu den Beiträgen:


Stille bewegt: internationales Expertenteam erarbeitet im Lassalle-Haus Antworten auf Klimawandel

von Pia Seiler

30 international führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zogen sich im Januar für zehn Tage ins Lassalle-Haus der Jesuiten ob Zug zurück, um in zunehmend drängender Zeit weiterzudenken und vor allem weiter zu kommen: Auf ausdrücklichen Wunsch von multinationalen Unternehmen und Grossstädten sollte ihr Workshop anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse relevante Antworten auf den Klimawandel erarbeiten. Die Expertengruppe aus verschiedenen Disziplinen fokussierte sich insbesondere auf die Biodiversität, auf die Qualität von Boden, Luft, Ozean und Frischwasser und liefert wertvolle Zielsetzungen und Handlungsempfehlungen.

Die Forscherinnen und Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse anschliessend am World Economic Forum in Davos. Die Zielsetzungen zur Biodiversität werden zudem eine wichtige Rolle auf dem UNO-Ozean-Gipfel in Lissabon im Juni, dem UNO-Gipfel zur biologischen Vielfalt in Kunming im Oktober und der COP-26 in Glasgow spielen.

Die übergreifende Arbeit wird von der Global Commons Alliance koordiniert: Das Netzwerk von Organisationen, Unternehmen und Regierungen bringt Verantwortliche in Technologie, Wissenschaft, Innovation und Kommunikation zusammen. Ziel ist es, die Wirtschaftssysteme der Welt positiv zu verändern und die globalen Gemeinschaftsgüter zu schützen. 800 multinationale Unternehmen haben sich der Alliance schon angeschlossen.

Expertengruppe von Global Commons Alliance im Lassalle-Haus
Beitrag von Lassalle-Haus-Direktor Tobias Karcher SJ
200130_GlobalCommonsim Lassalle-Haus_Sonntag.pdf (532,5 KiB)

75. Todestag von P. Alfred Delp SJ, am Tag von Mariä Lichtmess von Schergen des NS-Regimes hingerichtet

von Regula Lutz

Am 2. Februar jährt sich zum 75. Mal der Tag der Ermordung des Jesuitenpaters Alfred Delp SJ durch die nationalsozialistische Terrorjustiz. Von 1931 bis 1934 hatte er als Erzieher am Jesuitengymnasium «Stella Matutina» in Feldkirch (A) gewirkt, das auch von Schweizer Schülern besucht wurde. Am 2. Februar 1945, dem Tag, an dem die katholische Kirche das Fest Mariä Lichtmess feiert, starb Alfred Delp im Alter von 37 Jahren am Galgen der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee. Er war einer der massgeblichen intellektuellen Köpfe im Kreisauer Kreis, der Widerstandsgruppe um den Grafen Helmuth James von Moltke, der bereits am 23. Januar 1945 hingerichtet wurde. Wie Moltke lebte und starb Delp für ein neues und besseres Deutschland. Am 2. Februar 1945 schrieb er in seinem Abschiedsbrief: «Wie lange ich nun hier warte, ob und wann ich getötet werde, weiss ich nicht. Der Weg hierher bis zum Galgen nach Plötzensee ist nur zehn Minuten Fahrt. Man erfährt es erst kurz vorher, dass man heute und zwar gleich «dran» ist. Nicht traurig sein. Gott hilft mir so wunderbar und spürbar bis jetzt. Ich bin noch gar nicht erschrocken. Das kommt wohl noch. Vielleicht will Gott diesen Wartestand als äusserste Erprobung des Vertrauens. Mir soll es recht sein. Ich will mir Mühe geben, als fruchtbarer Samen in die Scholle zu fallen, für Euch alle und für dieses Land und Volk, dem ich dienen und helfen wollte.»

Am 2. Februar 2015 schrieb Volker Hasenauer (KANN) auf www.katholisch.de

«Als Sohn eines protestantischen Kaufmanns und einer katholischen Mutter wurde Delp 1907 in Mannheim geboren. Leidenschaftlich engagierte er sich im rheinland-pfälzischen Lampertsheim, wo die Familie ab 1914 wohnte, in der katholischen Jugendarbeit. Sein Gemeindepfarrer förderte die intellektuelle Begabung des Jugendlichen. Direkt nach dem Abitur trat Delp entgegen den Wünschen seiner Eltern in den Jesuitenorden ein. Während seiner Studienzeit war Karl Rahner, der später als Konzilstheologe bekanntwerden sollte, sein Lateinlehrer. Es folgen Studien im In- und Ausland, für einige Zeit war er in der Jesuitenschule Kolleg Sankt Blasien tätig.

Abgrenzungen zum NS-Staat
Nachdem ihm die Nationalsozialisten ein Promotionsstudium an der Universität München verweigerten, kam Delp zur NS-kritischen Jesuitenzeitschrift «Stimmen der Zeit». Gleichzeitig entwarf er in Predigten in Abgrenzung zum NS-Staat seine Vision eines solidarischen Christentums und einer humanen Gesellschaft.
Delp war zugleich ein scharfer Kritiker einer selbstzufriedenen, verbürgerlichten Kirche. Er forderte einen «drängenden missionarischen Dialog mit dieser Zeit». Die Kirche dürfe nicht «Misstrauen gegen die schöpferischen Kräfte der Menschen» hegen. Der Jesuit war überzeugt: «Es wird kein Mensch an die Botschaft vom Heil und vom Heiland glauben, solange wir uns nicht blutig geschunden haben im Dienste des physisch, psychisch, sozial, wirtschaftlich, sittlich oder sonstwie kranken Menschen.»
Vermittelt durch den Münchner Jesuitenprovinzial Augustin Rösch kam Delp in Kontakt mit dem Kreisauer Kreis. Wie gross sein Einfluss dort war und wie oft er an Treffen teilnahm, bleibt unter Historikern umstritten. Sicher ist, dass Delp kein konkretes realpolitisches Programm für die Zeit nach Hitler entwarf, sondern eher Gedanken für die sozialphilosophischen Fundamente eines neuen Deutschlands beisteuerte. Delp hoffte auf einen «Humanismus im Namen Gottes», auf ein Erwachen des Menschen zu seinen Werten und Würden.

«In einer halben Stunde weiss ich mehr als Sie»

Nach der Verhaftung Moltkes und vor allem nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg geriet Delp ins Visier der Gestapo. Weil sich in Stauffenbergs Notizbuch Delps Name fand, wurde er verdächtigt, an der Verschwörung des 20. Juli beteiligt gewesen zu sein. Was aktuellen Forschungen zufolge indes nicht der Fall war.
Am 9. und 10. Januar 1945 machte ihm der oberste NS-Richter Roland Freisler wegen Hoch- und Landesverrats den Prozess. Delp selbst spürte, wie er es nach der Verurteilung formulierte, schon «bei den ersten Fragen die Vernichtungsabsicht. Es war alles fertig, als es anfing.» Am 11. Januar 1945 verkündete Freisler das Todesurteil.
Mit gefesselten Händen verfasste der Pater in den ihm verbleibenden Wochen zwischen Verhaftung und Hinrichtung Briefe, Meditationen und Abhandlungen. Ein geistliches Testament. Sein Glaube und sein tiefes Gottvertrauen waren bis zuletzt ungebrochen. Als er am 2. Februar 1945 zum Galgen geführt wurde, soll er dem Gefängnisseelsorger zugeflüstert haben: «In einer halben Stunde weiss ich mehr als Sie.»

Bildlegende: Pater Alfred Delp SJ während der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof. Foto: © SJ-Bild

Andreas Batlogg SJ ist Alfred Delp SJ in der Gymnasialzeit begegnet. Hier gelangen Sie zu seinem Beitrag vom 31.1.2020 in der Wochenzeitung «Die Furche»:
AlfredDelp_DieFurche.pdf (461,3 KiB)

Solidarität darf nicht strafbar sein: Christoph Albrecht SJ am Kongress von Reclaim Democracy in Zürich

von Pia Seiler

Reclaim Democracy ist ein Zusammenschluss von 51 Kooperations-Partnern – ein Denknetz aus Zivilgesellschaft und Politik, Wissenschaft und Medienwelt, Kirchenkreisen und Gewerkschaften von Attac bis Zürich Repair Center. Vom 27. bis 29. Februar findet zum zweiten Mal ein Kongress statt, dieses Mal in der Roten Fabrik in Zürich. Wie in Basel 2017 mit 1800 Teilnehmenden wird auch in Zürich mit reger Beteiligung gerechnet. Eingeladen sind alle, die mitdiskutieren, mitdenken, mitwirken wollen zu den drei Themenfeldern Klimawandel und nötiger Systemwechsel, Wahr sagen statt Lügen, Nutzung der Digitalisierung für soziale und demokratische Anliegen.
Der Jesuit Christoph Albrecht setzt sich seit Jahren für Solidarität mit Geflüchteten ein. Der Leiter vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst Schweiz wirkt an folgenden zwei Anlässen mit:

Workshop: Solidarität darf nicht strafbar sein!

Solidarisches Einstehen für Geflüchtete wird heute verunglimpft und bestraft – bei uns, in der humanitären Schweiz. 2018 wurden hierzulande 972 Menschen verurteilt, weil sie Flüchtlingen beistanden: darunter Lisa Bosia-Mirra, Tessiner SP-Politikerin, Norbert Valley, Pfarrer von Le Locle und Anni Lanz, Seniorin aus Basel, deren „Taten“ schweizweit bekannt wurden. 
Ständerätin Lisa Mazzone (Grüne, GE) fordert nun in einer parlamentarischen Initiative die Änderung von Artikel 116 des Ausländer- und Integrationsgesetzes. Ziel ist die Entkriminalisierung von Menschen, die Geflüchteten aus achtenswerten Gründen Hilfe leisten. Unabhängig von der Entscheidung der Räte über die Initiative wollen wir Aktionen entwickeln mit dem Ziel, dass Strafbehörden Solidarität mit Geflüchteten nicht länger verfolgen. Es darf keine Bestrafung von Solidarität geben!

Am Workshop nehmen teil: Lisa Mazzone, Ständerätin; Peter Niederröst, Anwalt; Maja Hess, Ärztin und Menschenrechtsaktivistin.
Moderation: Christoph Albrecht SJ, Paul Leuzinger, Verena Mühlethaler
Organisation: Netzwerk migrationscharta.ch
Workshop A10, Sa 29.2.2020, 14-15.30 Uhr, Rote Fabrik Zürich

Gründung von Solinetz Schweiz

Im Anschluss an den oben genannten Workshop (ca. 15.15-15.30 Uhr) gründen wir Solinetz Schweiz, das nationale Netzwerk der verschiedenen regionalen Solidaritätsnetze. Herzliche Einladung an alle, die sich mit Asylsuchenden, Geflüchteten und Sans-Papiers für eine solidarische Gesellschaft und eine Willkommenskultur einsetzen oder sich für ein Engagement in diesen Anliegen interessieren!
Organisation: Solinetze aus verschiedenen Kantonen und Regionen sowie das Netzwerk migrationscharta.ch
Sa 29.2.2020, ab 15.15 Uhr, Rote Fabrik Zürich
Anmeldung zum Kongress Reclaim Democracy

Hier gelangen Sie zu einem vertiefenden Beitrag von Christoph Albrecht SJ

Weiterer Anlass, an dem Christoph Albrecht SJ mitwirkt:
Abgewiesene Asylsuchende erzählen – Fachleute hören zu
von Politik (Balthasar Glättli, SP/ZH), Verwaltung (Walter Leimgruber, Präsident Eidgenössische Migrationskommission), Zivilgesellschaft (Saule Yerkebayeva Vorstand Solinetz ZH) und Kirchen (Verena Mühlethaler, Pfarrerin Offene Kirche St. Jakob, Christoph Albrecht SJ, Jesuitenflüchtlingsdienst Schweiz)
Montag, 10. Februar 2020, 17 Uhr, Kulturhaus Helferei, Kirchgasse 13 Zürich (neben Grossmünster)


Antijudaismus in Kirchen – 75 Jahre nach Ausschwitz: Radiodebatte mit Provinzial Christian Rutishauser SJ

von Pia Seiler

Heute vor 75 Jahren, ebenfalls ein Montag, befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Ausschwitz. Gestern Sonntag thematisierte Radio SRF 2 Kultur die Frage: Warum gibt es Antijudaismus bis in unsere Tage in Kirchen und Theologie?

Papst Johannes Paul II sagte, Antisemitismus sei eine Sünde. Seine Nachfolger bekräftigten dies immer wieder, und die meisten Kirchen und Konfessionen verurteilen jede Form von Judenhass. Warum aber hat das öffentliche Umdenken vor allem auf evangelischer Seite erst ab den 1980er Jahren eingesetzt? Und warum fallen in Kirchenkreisen, zwar vereinzelt doch immer wieder, antijüdische Worte und wird am Sonntag gegen «die Pharisäer» gepredigt? Eine Debatte, nachzuhören auf Radio SRF 2 Kultur: geleitet von Judith Wipfler und geführt von Tanja Oldenhage, Pfarrerin in Zürich-Fluntern und Christian Rutishauer SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten.  

Hier gelangen Sie zur Radiosendung «Alles gut? – Christlicher Antijudaismus heute

Bild: Schuhe am Donau-Ufer in Budapest, Mahnmal der Künstler Gyula Pauer und Can Togay, das sie 2005 auf einer Länge von 40 Metern gestaltet haben.

 


1. Januar, Fest Jesu Beschneidung: Stimmen zur Wiedereinführung

von Pia Seiler

Seit zehn Jahren setzen sich verschiedene Theologen und Theologinnen für eine liturgische Erneuerung des 1. Januar ein. Dazu ein neues Buch, eine Petition an Papst Franziskus, mitunterzeichnet vom Provinzial der Schweizer Jesuiten Christian Rutishauser SJ und eine Radiosendung mit ihm.

«Am achten Tag wurde er beschnitten und ihm wurde der Name Jesus gegeben»: So wird bis heute am 1. Januar aus der Bibel verkündet. Am Oktavtag, am achten Tag nach Weihnachten, ist über Jahrhunderte der Beschneidung Jesu und seiner Namensgebung gedacht worden. Dies wieder in den Festtagskalender aufzunehmen, ist von grosser Aktualität, wird die Menschwerdung Gottes in Christus damit konkret bis in die Leiblichkeit und Geschlechtlichkeit hinein gefeiert. Zudem wird Jesu Eintritt in den «ungekündigten Bund» Gottes mit seinem jüdischen Volk vergegenwärtigt. Im Frühjahr 2020 wird dazu im Herder Verlag eine Aufsatzsammlung erscheinen, herausgegeben von Prof. Jan-Heiner Tück, Wien.


Frohe Weihnachten!

von Regula Lutz

Im Namen aller Jesuiten in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Litauen und Schweden wünschen Ihnen die vier Provinziäle der zukünftigen zentraleuropäischen Provinz frohe und gesegnte Weihnachten! 

Hier geht´s zum Video