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Die Welt ist wie ein Kettenraucher: Martin Föhn SJ gibt auf kath.ch Einblick in Leben und Denken

von Pia Seiler

Martin Föhn SJ macht mit beim Podcast «Das theologische Quartett» und gibt auf kath.ch Einblick in sein Leben: Mit 16 stiess er auf Franz Jägerstätter (1907-1943), der sich aus Gewissensgründen den Nazis entzog, «ein Schlüsselerlebnis»;  Föhn absolvierte die Lehre zum Landwirt, war froh, als der Bruder den elterlichen Hof im Muotathal übernahm, wurde Religionspädagoge, trat mit 29 in den Jesuitenorden ein. Der heute 38-Jährige, seit Oktober auch Priester, ist überzeugt: Neue Heilige braucht die Welt, «sie  kommt mir vor wie ein Kettenraucher, der sich täglich ein Stück Lunge aus dem Leib schneidet.»


Dankbarkeits-Kampagne – fünfter Impuls: Zwei Schafe geben Ella in Albanien etwas Hoffnung

von Pia Seiler

Ein Moment der Freude trotz Trauer: Die beiden Buben haben vor kurzem ihren Vater verloren
Axel Bödefeld SJ, zurzeit in Nordalbanien

Steigende Corona-Zahlen und Lockdown bestimmen die Nachrichten. Nicht weit entfernt von uns ist Corona zwar präsent, aber bei weitem nicht das ärgste Problem. Der deutsche Jesuitenpater Axel Bödefeld SJ lebt zurzeit in Albanien. Und ist dankbar für zwei Schafe, denen wohl bald weitere folgen: der fünfte Impuls in unserer Kampagne «Trotzdem dankbar!». Der Ignatianische Tagesrückblick ist Kern der Kampagne. Er ermöglicht eine innere Freiheit trotz stressigem Alltag, trotz Tief, trotz Krise. Hier gelangen Sie zum erstenzweitendritten und vierten Impuls. 

Von Axel Bödefeld SJ

Auf dem Foto haben die Personen gar keine Masken auf! Das stimmt, und damit sind sie hier in Albanien bei weitem nicht die einzigen. Gerade lebe ich für einige Wochen mit einer Schwesterngemeinschaft in Nordalbanien, und was ich täglich erfahre ist: Es gibt Lebensumstände, die sind so mühevoll und schwierig – da bleibt einfach keine Kraft und keine Aufmerksamkeit mehr für weitere Schwierigkeiten oder Auflagen. Corona ist präsent – aber anderes ist weit drängender:

Ella, die Mutter der beiden Jungs auf dem Foto, hat vor kurzem ihren Mann verloren. Er ist bei Reinigungsarbeiten in der städtischen Kanalisation erstickt. Die Stadtverwaltung verweigert die Anerkennung des Vorfalls als Arbeitsunfall und damit die Rente, weil er keine Schutzkleidung angelegt hatte. Nur: Diese Schutzkleidung gibt es gar nicht. 
Ella hatte Glück: Ihre Schwiegereltern haben sie nicht aus dem Haus vertrieben und die Söhne bei sich behalten. Die hiesigen Traditionen hätten ihnen ohne weiteres diese Möglichkeit eröffnet. Nun fehlt der Ernährer der Familie. Aber Ella hatte noch mehr Glück und arbeitet nun als Hauswirtschaftshilfe bei der Schwesterngemeinschaft, bei der ich gerade lebe und durch die ich Ella kennengelernt habe. Die Arbeit bei den Schwestern sichert ihr zumindest ein kleines Einkommen. 

Und was ist mit den Schafen auf dem Foto? Der Festtag des heiligen Nikolaus ist im albanischen Kulturraum ein großes Fest! Im Kosovo muss ein Huhn geschlachtet werden (mancherorts sogar mit der Auflage, das Blut zum Pfarrer zu bringen), in Albanien ist es gleich ein Schaf oder ein Schafbock. Und auch in diesen Traditionen verbünden sich Christen und Muslime. Am Vortag von Nikolaus brachte nun die Familie eines früheren Patienten der hiesigen Krankenambulanz den Schwestern einen Schafbock als Geschenk. Die Schwestern behandeln hier kostenlos und fachkundig – im Gegensatz zu den staatlichen und auch den privaten Krankenhäusern. So war der Schafbock Ausdruck der Dankbarkeit und des Respekt. Und es hat dem Tier das Leben gerettet, dass es bei den Schwestern gelandet ist. Sonst hätte der Bock den Tag wohl nicht überlebt. Nur: Was tun mit einem Schafbock ohne Stall und Herde und bei der fleischarmen Ernährung der neuen Besitzerinnen? Die Idee kam schnell: Mit einem Schaf an seiner Seite soll er den Schwiegereltern von Ella die Grundlage einer neuen wirtschaftlichen Existenz bilden. Also habe ich kurzentschlossen noch am gleichen Tag von meinem Geld ein weiteres Schaf gekauft. So wurde auch dieses zweite Tier nicht in einen Braten verwandelt, sondern am Sonntag in der früh um sieben Uhr mit dem Moped vor unsere Tür geliefert. 

Fachkundig geschnürt passt ein Schaf gut in den Kofferraum eines Kleinwagens, und die Gesundheitserziehung im Kindergarten von Ellas jüngerem Sohn war offensichtlich so eindrucksvoll, dass Berti sich und uns gefragt hat, ob das Schaf im Auto nicht auch einen Mundschutz brauche. Am Sonntagvormittag des Nikolaustages wurden dann Nikoll (der Schafbock) und Ramize (das Schaf) im Garten von Ellas Familie erstmals zusammengeführt. Zugegeben: Die erste Begegnung der beiden verlief eher kühl und distanziert als freundlich oder leidenschaftlich. Aber alle Beteiligten sind sich sicher: Das wird der Anfang einer neuen Herde. Hoffnung und Zuversicht keimen auf, weil plötzlich durch zusätzliches Einkommen neue Perspektiven erscheinen.  

Ich hätte nie gedacht, dass ein Schaf – genau genommen zwei Schafe – ausreichen, um Menschen wieder Mut zu machen. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich einmal ein Schaf kaufe und es in einem alten Ford Fiesta durch Albanien kutschiere. Aber ich bin sehr dankbar für diese unerwarteten Erfahrungen und die Überraschung, die der Nikolaus in diesem Jahr bereitgehalten hat. Und ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte und sie ergreifen konnte: mit ziemlich einfachen Mitteln Menschen wieder mehr Gestaltungsmöglichkeiten in ihrem Leben einzuräumen. Es wird nicht immer ein Schaf sein oder zwei. Aber Gott wird uns weiter überraschen mit den Bällen, die er uns zuspielt. Und dabei nimmt uns Corona bei weitem nicht alle Handlungsmöglichkeiten, solche Pässe aufzugreifen und zu verwandeln. Wir müssen nur wach bleiben, um sie nicht zu verpassen. 

Wofür sind Sie trotzdem dankbar? Schreiben Sie uns an redaktion@jesuiten.ch, wir veröffentlichen Ihren Beitrag an dieser Stelle.

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf ist im Bistum Basel eine neue Gruppe der Priestergemeinschaft Jesus Caritas mit der Spiritualität von Charles de Foucauld im Entstehen. Eine tiefe Freude und Dankbarkeit – diese Erfüllung ist einer meiner alten Träume in diesem Covid-19 Jahr.

Maria-Ursula, kleine Schwester Jesu in Biel


«Von der Sinnschöpfung aus Brüchen»: PhiloThiK aus dem Kornhaus Baden mit Christian Rutishauser SJ

von Pia Seiler

Brüche sind schmerzvolle Erfahrungen. „Eine Welt bricht zusammen, ein Mensch stirbt, ein System geht durcheinander“: So leitet Ruth Wiederkehr das philosophische Gespräch mit Christian Rutishauser SJ im Badener Theater im Kornhaus ThiK ein und fragt ihren Gast: „Wie lässt sich da Sinn schöpfen? Kann die Erfahrung eigener Verletzlichkeit tatsächlich dem Leben erst Sinn verleihen und es vollkommen machen? Könnte nicht auch ein Leben ohne Brüche ein vollkommenes sein?“ Antworten vom Provinzial der Schweizer Jesuiten in der Badener Gesprächsreihe PhiloThiK, moderiert von Ruth Wiederkehr, promovierte Literaturwissenschafterin. 


Canisius, ein grosser Verehrer des Heiligen Nikolaus

von Pia Seiler

Unsere Samichlaus-Bräuche gehen auf den Heiligen Nikolaus zurück, Bischof von Myra, Vorbild der Barmherzigkeit, der sich im 4. Jahrhundert in der kleinasischen Region Lykien für Bedürftige einsetzte. Ein grosser Verehrer des Heiligen Nikolaus war Petrus Canisius: Der Jesuit aus der Pionierzeit der Gesellschaft Jesu lebte und wirkte ab 1580 bis zu seinem Tod 1597 in Freiburg im Üechtland. In seinen Predigten habe er immer wieder die damaligen sozialen Missstände angeprangert, so Theologie-Professor Mariano Delgado in einem kath.ch-Beitrag.

Zu den Bildern: oben Petrus Canisius im Innsbrucker Dom; unten Nikolaus von Myra, russische Ikone von 1294, Museum Nowgorod (© wikipedia)


Der jüdische Bruder Jesus: Rabbiner Homolka und Jesuit Rutishauser im Interview

von Pia Seiler

«Der Jude Jesus – Eine Heimholung»: So nennt Rabbiner Walter Homolka sein Werk, das im Sommer 2020 erschien und bereits in vierter Auflage vorliegt. Homolka nähert sich darin Jesus «als jüdischen Bruder losgelöst von seiner christlichen Wirkungsgeschichte», wie er im Interview mit Christian Rutishauser SJ sagt.  Der Professor für Jüdische Theologie in Potsdam und der Provinzial der Schweizer Jesuiten im spannenden Interview von Maria Hässig in der aktuellen Ausgabe der Schweizer Kirchenzeitung. 


Dankbarkeits-Kampagne – vierter Impuls von Martin Stark SJ: Dank auch für Unangenehmes

von Pia Seiler

Martin Stark SJ, Socius des deutschen Provinzials und Leiter Kommunikation/ Fundraising

Wofür kann man dieses Jahr dankbar sein? Für den deutschen Jesuiten Martin Stark war dieses Jahr nicht nur wegen Corona eine Herausforderung. Seine starken Rückenschmerzen legten ihn regelrecht aufs Kreuz. Dennoch findet er genug Gründe, dankbar zu sein: der vierte Impuls in unserer Kampagne «Trotzdem dankbar!» von P. Martin Stark SJ.
Der Ignatianische Tagesrückblick ist Kern der Kampagne. Er ermöglicht Menschen eine innere Freiheit trotz stressigem Alltag, trotz Tief, trotz Krise. Hier gelangen Sie zum erstenzum zweiten und zum dritten Impuls. 

Von Martin Stark SJ

Wenn sich das Jahr zu Ende neigt, liegt es nahe, auf das Erlebte zurückzublicken. Trotz allem Schwierigen gibt es da für mich auch viel Gutes, für das ich sehr dankbar bin. Mir liegt derzeit wohl am meisten nahe, dass ich halbwegs fähig bin, mich wieder normal zu bewegen. Ein Bandscheibenvorfall hatte mich im Spätsommer regelrecht aufs Kreuz gelegt. Es gab Tage, da konnte ich mich kaum mehr bewegen. Inzwischen ist mit viel Geduld die schmerhafte Phase vorüber, und mit ausdauerndem Training und Physiotherapie regeneriert sich der Körper. Erstaunlich – und für mich ein echter Grund zur Dankbarkeit!

Es gibt aber auch Anderes, für das ich in diesem Jahr beim Nachdenken fast noch mehr dankbar bin: Ich erinnere mich gleich an mehrere Situationen, wo es – alles in allem – gelungen ist, Unangenehmes anzusprechen. Auch das gehört ja zu unserem Leben – das nicht wegzudrücken, sondern sich dem zu stellen und deutlich zu machen, dass es da überhaupt ein Problem gibt. Normalerweise gehen wir Konflikten ja lieber aus dem Weg, weil sie einen unter emotionalen Stress setzen. Aber der Ärger bricht sich doch irgendwann sowieso Bahn und eskaliert dann oft, weil wir mit Gefühlsausbrüchen schlecht umgehen können. Das ist in einem Orden gar nicht viel anders als sonst im normalen Leben. Vielleicht ist es bei uns mitunter sogar schwieriger, sich einander deutliche Rückmeldungen zu geben, weil wir Nächstenliebe und Brüderlichkeit meist mit Harmonie oder Nachsicht verwechseln in der Annahme, dass sich die Probleme schon von allein regeln.

In der Jesuitenausbildung üben wir dies mit einer Methode aus unserer spirituellen Tradition ein: die Correctio fraterna. Klausurwochenenden in unserer Ausbildung schlossen früher immer mit einer expliziten Feedback-Runde ab, wo jeder jedem Rückmeldungen geben musste, was ich an meinem Mitbruder schätze, aber auch, was ich mir mehr von ihm wünschen würde. Das Einüben war hilfreich, um darauf zurückzukommen, wenn es darauf ankommt. 

Meine Erfahrung ist: Schon allein mit dem Aussprechen ist viel erreicht; aber auch die Bereitschaft zuzuhören, will eingeübt werden. Denn wir sind ja eher so eingestellt, Kritik gar nicht zu hören oder an uns heranzulassen. In einer angespannten Atmosphäre ist es hilfreich, wenn ich meinem Gesprächspartner zumindest erst einmal in Ruhe zuhören kann, wenn er mir schildert, wie mein Verhalten bei ihm ankommt und was es alles in ihm auslöst.

Natürlich – das Aussprechen allein ist nicht schon die Lösung. Wer Unangenehmes zu hören bekommt, reagiert meist betroffen oder erschrocken, vielleicht sogar peinlich berührt. Und es gibt auch schwierige Situationen, wo es gar nicht möglich ist, eine einfache Lösung zu finden. Ganz oft gilt es, Spannungen einfach nur zu ertragen und schwierige Situationen auszuhalten. Vermutlich ist es so: Wie auch der Körper etwa bei einem Bandscheibenvorfall vor allem Zeit braucht, um sich zu regenerieren, so darf ich nicht versuchen, schwierige Situationen mit frommen Worten abzukürzen. Um unangenehme Dinge in einer guten Weise anzusprechen und Konflikte und Probleme zu durchleben und zu bewältigen, braucht es Kraft, Energie und Zeit. 

Ich bin sehr dankbar, dass mir dies in diesem Jahr in Ansätzen gelungen ist.
Und wofür sind Sie trotzdem dankbar?

Schreiben Sie uns an redaktion@jesuiten.ch, wir veröffentlichen Ihren Beitrag an dieser Stelle.

Unsere Bieler Gemeinschaft hatte die gleiche Idee für das Thema dieser Zeit: mit einer Dankbarkeitshaltung in den Advent. Wir werden sicher noch viele weitere Dankbarkeits-Perlen in unserem Heute und Jetzt finden.
die Kleinen Schwestern Jesu in Biel

 


Vom bewegten Leben von Valerio Ciriello SJ

von Pia Seiler

Valerio Ciriello SJ, 13. Oktober 2020 in Luzern

LZ-Kulturredaktor Urs Mattenberger nimmt die MittWortsMusik in der Luzerner Jesuitenkirche zum Anlass, Valerio Ciriello SJ zu treffen, den neuen Leiter der Hochschulseelsorge in Luzern – und erfährt so einiges über sein Leben: Der einstige FINMA-Jurist berichtet von seinem Kulturschock als Novize, seinem Umgang mit Frauen, seinem unverkrampften Engagement im jesuitischen Lassalle-Haus, wo er für «Ecological Transition» zuständig ist.

Hier gelangen Sie zum Beitrag über Valerio Ciriello SJ in der Luzerner Zeitung vom 1.12.2020.

MittWortsMusik: Besinnung mit Text und Musik in der Jesuitenkirche Luzern (wenn immer möglich MI 12.15 Uhr, Programm beachten)  

 


Wie gelingt der Advent 2020? Antworten im Adventskalender von kath.ch, mit dabei Martin Föhn

von Pia Seiler

Andrea Meier, Valentin Beck, Martin Föhn, Raphael Rauch

«Fröhliche Weihnachten trotz Corona?», fragt kath.ch-Redaktionsleiter Raphael Rauch in seinem digitalen Adventskalender. Seine Gäste zum Auftakt: Andrea Meier, Fachstellenleiterin in Bern, Valentin Beck, Jubla-Bundespräses in Luzern und Martin Föhn SJ in Basel. «Die drei haben unterschiedliche Vorstellungen einer gelungenen Advents- und Weihnachtszeit. Und ganz konkrete Tipps», so Rauch. 

Hier gelangen Sie zum Adventskalender und hier zum Podcast-Talk von kath.ch.


Die ersten Stolpersteine in Zürich: Christian Rutishauser SJ zu Josef Traxl (1900-1941)

von Pia Seiler

Seit Freitag, 27. November 2020 gibt es Stolpersteine auch in Zürich. Die Idee stammt vom Berliner Künstler Gunter Demnig: Seit Mitte der 1990er Jahre verlegt er Pflastersteine auf Strassen, Wegen, Plätzen vor einstigen Wohnungen von Opfern des Nationalsozialismus. Die Stolpersteine sind auf der Oberseite mit kleinen Messingplatten belegt, auf denen die Namen, Lebensdaten und wenn bekannt Todesorte der Opfer eingraviert sind. Heute gibt es gegen 80 000 Stolpersteine in bald 1300 deutschen Städten und Dörfern und weiteren 24 Staaten Europas – es ist das grösste dezentrale Mahnmal der Welt. 

Auch Hunderte Menschen aus der Schweiz wurden, oft über Umwegen, in Konzentrationslagern deportiert und ermordet. Daran erinnern nun Stolpersteine an der Clausiusstrasse 39, Stampfenbachstrasse 75, Schöntalstrasse 22 und Gamperstrasse 7. Sie stehen für sieben Menschen, deren letzter bürgerlicher Wohnort Zürich war:

  • Lea (* 1915) und Alain Berr (* 1942, beide ermordet in Auschwitz 1. Februar 1945)
  • Sara «Selma» Rothschild (* 1895), Jula (* 1922) und Armand Frédéric Rothschild (* 1924, alle drei ermordet 1942 in Auschwitz)
  • Josef Traxl (* 1900, ermordet im KZ Buchenwald 24. August 1941) 
  • Albert Mülli (* 1916, 1938 in Wien von der Gestapo verhaftet, ab 1942 im KZ Dachau, am 29. April 1945 befreit, gestorben 1997 in Zürich)

Der Coronazeit geschuldet, fand am Freitag eine schlichte Erinnerungszeremonie statt. Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten, würdigte an der Schöntalstrasse 22 Josef Traxl: Mit österreichischen Wurzeln in Zürich geboren, begann er eine KV-Lehre und arbeitete später als Maurerhandlanger. Er wohnte bei den Eltern und geriet als Homosexueller ins Visier der Polizei. 1925 wurde er formell des Landes verwiesen, in die Strafanstalt Regensdorf gebracht und am Ende an die Schweiz-Österreichische Grenze gestellt, da die Österreicher ihn nicht übernehmen wollten. Was mit ihm danach passierte, ist nicht bekannt. Er starb im August 1941 im KZ Buchenwald.  

Christian Rutishausers Würdigung von Josef Traxl. 

Adi Kälin berichtet in der NZZ vom 28. November ausführlich über die Leben der sieben einst in Zürich wohnhaften Menschen. 

Porträt von Josef Traxl vom Verein Stolperstein.

 

27.11.2020 Zürich, Stolperstein für Josef Traxl

Dankbarkeits-Kampagne: dritter Impuls des jungen Jesuiten Clemens Kascholke

von Pia Seiler

Clemens Kascholke SJ

 

Selbstoptimierungsmethoden sind gerade dieses Jahr sehr beliebt. Auch den IgnatianischenTagesrückblick könnte man in dieser Rubrik einsortieren, wäre da nicht ein bedeutender Unterschied. Was die Methode zu mehr als reine Selbstoptimierung macht: der dritte Impuls in unserer Kampagne «Trotzdem dankbar!» von Clemens Kascholke SJ. 
Der Ignatianische Tagesrückblick ist Kern der Kampagne. Er ermöglicht Menschen eine innere Freiheit trotz stressigem Alltag, trotz Tief, trotz Krise. Hier gelangen Sie zum ersten und zum zweiten Impuls.

Von Clemens Kascholke SJ

Seit gut zehn Jahren pflege ich nun schon den ignatianischen Tagesrückblick. Er ist mir so selbstverständlich geworden, dass ich schon gar nicht mehr anders kann, als mit einem letzten Blick auf den Tag eben diesen zu beenden. Dabei begleitet mich ganz praktisch betend der Satz von Alberto Hurtado SJ: «Gott beginnt. Gott begleitet. Gott beendet.»

In dreifacher Demut und dreifacher Dankbarkeit erkenne ich an, dass dieser Tag, diese Welt, ja mein Leben nicht in meinen Händen liegen. Gott hat es einmal und jeden Tag neu begonnen. Gott hat es bereits über 30 Jahre begleitet und auch diesen Tag hat er mich gehalten. Gott wird einmal meinen Lebenstag beenden, so wie er auch diese ganze Welt, seine Schöpfung einmal vollenden wird.

Am Ende eines Jahres, vielleicht weil das Tageslicht kostbarer wird und die Dunkelheit der Welt mehr Raum einnimmt, verschiebt sich meist auch mein Blick auf Gott. Während ich im Frühling und Sommer dankbar das Leben dieses Gottes feiern kann, wird mein Blick im Herbst und Winter immer mehr durchkreuzt – und zwar von meinem Blick auf das Kreuz, das durch Allerseelen im November und die prophetischen Texte des Advent eine Schwere bekommt, die das Jahr über von Ostern von ihm genommen scheint.

Dieser durchkreuzte Blick ist mir im Laufe der letzten Jahre immer wichtiger geworden. Meine Dankbarkeit, die ich vor Gott bringe, weil ich so viel von ihm empfangen habe, ist eine durchkreuzte Dankbarkeit. Als Christ darf ich mich am Ende eines jeden Tages vor einen Gott stellen, der die Wirklichkeit dieser Welt mit Haut und Haar, Blut, Schweiss und Tränen erlebt und erliebt und erlitten hat. Dies nimmt den Druck von mir, dass meine Dankbarkeit immer ein wohliges Gefühl in mir hinterlassen muss, ja sich «gut» anfühlen muss. Nein, neben der Dankbarkeit darf auch meine Undankbarkeit stehen … in der Hoffnung, dass Gottes Erbarmen auch damit noch irgendetwas (am nächsten Tag) anfangen kann. Ja, meine Dankbarkeit darf selbst von einem Schmerz und einer Verzweiflung über das Leid, das ich an diesem Tag erleben musste, umfangen sein … weil meine Hoffnung sich ganz um dieses Kreuz schlingt und an ihm festmacht.

In den letzten Jahren sind Methoden, die dem ignatianischen Tagesrückblick ähneln, populär geworden und kleiden sich mitunter in das Gewand einer App auf dem Smartphone. Ohne diese abwerten zu wollen, bleibt für mich doch ein wesentlicher Unterschied: die Rückkopplung an ein personales Gegenüber, an einen Gott, der lebt und liebt in Zeit und in Ewigkeit. Erst daraus kann ich einen Tag abschliessen und gleichsam in Gottes Liebe hinein «sterben lassen». Dies schafft für mich Freiheit für den neuen Tag. Manchmal steht ein Groll und eine Wut über eine Begegnung des zurückliegenden Tages mir vor Augen und liegt mir auf dem Herzen, sodass ich es kaum aushalte, am nächsten Tag diesem Menschen allenfalls schon wieder zu begegnen. Doch meist erlebe ich am Morgen des neuen Tages eine kleine Auferstehung in mir, sodass Groll und Wut nicht mehr Macht entfalten können, sondern ich einen Neuanfang wagen kann – zunächst mit mir und meinen Gefühlen und dann auch mit den Menschen, die mir an diesem Tag (wieder) begegnen werden.

Für mich kann ich sagen, dass die Praxis des Ignatianischen Tagesrückblicks mich an das Geheimnis des christlichen Glaubens immer tiefer heranführt: Im Tod ist das Leben … im endenden Tag beginnt bereits der neue Tag Gottes … der Blick zurück ist eben manchmal der beste Blick nach vorn.

P. Clemens Kascholke SJ, geboren 1988 in Meiningen D, trat mit 23 Jahren in den Jesuitenorden ein. Sein bisheriges Wirkungsfeld ist die Jugendarbeit: Er war unter anderem Leiter der Zukunkunftswerkstatt in Frankfurt, wo junge Frauen und Männer Raum finden, sich mit ihrer je eigenen Berufung an Kurs-Wochenenden, individuellen Auszeiten oder in einem Berufungsjahr auseinanderzusetzen. Zurzeit macht Kascholke sein Referendariat am Aloisiuskolleg, ein Gymnasium mit Ignatianischer Pädagogik in Bonn. 

Wofür sind Sie dankbar?
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Unsere Bieler Gemeinschaft hatte die gleiche Idee für das Thema dieser Zeit: mit einer Dankbarkeitshaltung in den Advent. Wir werden sicher noch viele weitere Dankbarkeits-Perlen in unserem Heute und Jetzt finden.
die Kleinen Schwestern Jesu in Biel

 


Gaël Giraud SJ auf kath.ch: Warum die Schweiz für die KVI stimmen sollte

von Pia Seiler

Gaël Giraud SJ, © Institut Rousseau

Jesuit Gaël Giraud (50) ist Professor in Washington an der jesuitischen Georgetown-Universität  und hat Schweizer Wurzeln: Seine Mutter ist Zürcher Oberländerin, er spricht Züridütsch und verfolgt nicht nur aus Heimatgefühlen die Debatten zur Konzernverantwortungsinitiative KVI, über die wir am Wochenende abstimmen. Der Wirtschaftswissenschafter ist prominente Stimme, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Er war Chef-Ökonom der französischen Entwicklungsbank, hat in seiner Funktion den französischen Präsidenten François Hollande beraten und tritt  für die KVI ein – aus ethischen und auch aus ökonomischen Gründen.

Raphael Rauch, Redaktionsleiter von kath.ch, hat mit Gaël Giraud SJ über sein Ja zur KVI ein Interview geführt.  


«Generationentalk» von Radio SRF1: Niklaus Brantschen SJ zur digitalen Überforderung

von Pia Seiler

Im neuen Podcastformat «Generationentalk» von Radio SRF 1 bittet Heidi Ungerer Jung und Alt an einen Tisch und diskutiert über Fragen unseres Alltags. Zum Auftakt das Thema: Die digitale Entwicklung ist schnell. Ständig gibt es neue Möglichkeiten auf dem Markt. Für viele junge Menschen ist das Alltag, für viele Alte jedoch eine Überforderung. Wie wollen wir als Gesellschaft mit diesem digitalen Graben zwischen Jung und Alt umgehen?

In der ersten Folge «Generationentalk» sucht Gastgeberin Heidi Ungerer zusammen mit Jesuitenpater Niklaus Brantschen (83) und Journalistin Yvonne Eisenring (33) nach Antworten. Die Radio-Moderatorin stellt fest: «Emojis mögen weder jung noch alt an diesem Tisch.»