News

Kaum Denkbares ist möglich geworden

von Regula Lutz

Zur Seligsprechung von Erzbischof Óscar Romero an Pfingsten ein Beitrag von Franz-Xaver Hiestand SJ.

Berner Pfarrblatt, Mai 2015

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Die NZZ und die Abschaffung des Jesuitenverbots

von Regula Lutz

Jeden Montag beleuchtet die NZZ ein vergangenes Schweizer Ereignis. Im Mai 2015 widmet sich Christoph Wehrli der Abstimmung vom 20. Mai 1973 über die Abschaffung des Jesuitenverbotes.

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Interview mit der Theologin Isabelle Deschler über Teresa von Avila

von Regula Lutz

Was hat die vor 500 Jahren geborene Mystikerin Teresa von Avila den Frauen und auch den Männern unserer Zeit zu sagen?

Darüber sprach Pia Seiler, Medienbeauftragte des Lassalle-Hauses, im Rahmen unserer Impuls-Reihe „Mit Teresa durchs Jahr“ mit der Theologin Isabelle Deschler. Die 43-jährige Leiterin der Fachstelle „Pastoral bei Menschen mit Behinderung“ in Aarau hat sich im Masterlehrgang „Christliche Spiritualität“ des Lassalle-Hauses und der Universität Fribourg intensiv mit Teresa von Avila beschäftigt.

Sie können das Interview aufrufen unter folgendem Link

 

Hinweis: Das Lassalle-Haus widmet Teresa von Avila vom 5. – 8. November die Jubiläums-Tagung „Ein Genie der Freundschaft“.

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Hilfe für Erdbebenopfer in Nepal

von Regula Lutz

In Nepal campieren Hunderttausende im Freien, fast eine Million Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen des verheerenden Erdbebens. Jesuiten vor Ort helfen den Opfern, so gut es geht. „Jesuiten weltweit“ bittet um Spenden zur Unterstützung der Nothilfe und des Wiederaufbaus.



Am 5. Mai 2015 berichtete Pater Jomon SJ aus Nepal über die aktuelle Lage im Land: „Obwohl die Regierung ihre Bemühungen intensiviert, sind immer noch viele Dörfer von der Aussenwelt abgeschnitten. Tipling, ein vom Erdbeben besonders hart getroffenes Dorf, hat erst heute, dank der ansässigen Jesuiten, Hilfe erhalten.  Br. Samuel SJ hat vom indischen Militär einen Helikopter organisieren können, um Hilfsgüter nach Tipling zu transportieren. Beinahe alle der rund 500 Häuser im Dorf sind schwer beschädigt oder zerstört worden. Das Haus, in dem die Jesuiten wohnten, ist komplett zusammengebrochen. Fünf Tote wurden aus dem Dorf gemeldet. Die Jesuiten haben überlebt und sind aktiv dabei, die ansässige Bevölkerung zu unterstützen.

Die nepalesischen Jesuiten versuchen mit Hilfe von freiwilligen Helfern, möglichst viele Dörfer zu erreichen, um Hilfsgüter verteilen zu können. Am 3. Mai konnten 120 Familien im Gorkha-Distrikt (ca. 140 Kilometer nordwestlich von Kathmandu) mit Hilfsgütern unterstützt werden. Besonders das Dorf Bhachek, das vom Erdbeben schwer getroffen wurde, konnte versorgt werden. Verteilt wurden Reis, Instant-Nudeln, Trockenfrüchte, Seife, Waschmittel, Sanitäre Tücher, Wasser, Schutzmasken, Handschuhe und Zelte.Im Auftrag der nepalesischen Jesuiten verteilte Br. Amrit Rai SJ, Rektor der St. Xavier School in Jawalakhel zusammen mit Freiwilligen Hilfsgüter an rund 200 Familien im Dorf Kalika.

Am selben Tag hat Br. Dilip Toppo SJ mit Hilfe eines medizinischen Teams und von Ordensschwestern eine Aktion in Kalika gestartet. Ungefähr 80 PatientInnen konnten behandelt werden. Auch in Kalika sind nahezu alle Häuser zerstört worden. Am 4. Mai war dasselbe Team bereits in Gerkhutar. 22 Familien erhielten Hilfsgüter und Zelte. 30 Personen erhielten nach einer Untersuchung medizinische Hilfe. Bereits über 7‘500 Tote sind gemeldet worden und es werden immer noch Menschen aus den Ruinen der geborgen.

Zwei Tage nach dem Erdbeben (Montag, 27. April 2015) erreichte uns ein Bericht aus Kathmandu von P. Boniface Tigga SJ, dem Regionaloberen der Jesuiten in Nepal.
Wir geben seinen Bericht gekürzt wieder:

In der Hauptstadt hat die Regierung die kostenlose medizinische Behandlung für Erdbebenopfer angekündigt. Aber alle Krankenhäuser sind heillos überfüllt und viele sind nicht in der Lage, Behandlungen anzubieten. Die meisten Leute kampieren unter freiem Himmel, da sie Angst haben, in ihre teilweise beschädigten Häuser zurückzukehren. Viele zentrale Hauptstrassen in und ausserhalb von Kathmandu sind durch Erdrutsche blockiert, die das Erdbeben ausgelöst hat. Das hat auch die Rettungsteams behindert, die auf Bergpfaden versucht haben, zu denen zu gelangen, die Hilfe brauchen.

Alle lokalen Gemeinden und alle diejenigen, die nicht vom Erdbeben getroffen wurden, sind an den Rettungsmassnahmen beteiligt. Die Gesellschaft Jesu in Nepal hat angesichts dieser furchtbaren Tragödie schnell reagiert. Das St. Xavier College hat sofort begonnen, sich um zwei abseits gelegene Dörfer zu kümmern und den Erdbebenopfern mit Lebensmitteln und Zeltplanen zu helfen, unter denen sie schlafen können.

Sobald die erste Phase der Rettungsmaßnahmen abgeschlossen ist und alle Schwerverletzten versorgt sind, braucht es weiterhin große Kraftanstrengungen, um denen zu helfen, die obdachlos geworden sind, die behindert sind oder die ihr Vieh und ihre Existenzgrundlage verloren haben.

Die Jesuiten in Nepal, gemeinsam mit anderen Ordensgemeinschaften und dem apostolischen Vikariat in Nepal, haben das Glück, dass wir keine Todesopfer oder Schwerverletzten unter uns zu beklagen haben. Einige unserer Gebäude und Institutionen wurden beschädigt. Wenn das Risiko der Nachbeben vorbei ist, werden wir die Schäden genauer begutachten, um die Sicherheit derjenigen zu garantieren, die wir unterrichten und für die wir da sind. Die drei Jesuiten-Kollegien – das St. Xavier College, die St. Xavier Schule und die St. Mary Schule – haben ihr Gelände für alle geöffnet, die Schutz suchen.

Die Unterstützung durch Gebet und materielle Spenden, die wir von Mitbrüdern, der Kirche und der Allgemeinheit erhalten, ist für uns eine enorme Hilfe. So können wir den Menschen in akuter Not beistehen und dazu beitragen, dass Nepal die verheerenden Auswirkungen des Erdbebens bewältigen wird. Besonders sind wir auf finanzielle Hilfe angewiesen, wenn es um die Phase des Wiederaufbaus geht. Wir werden uns gezielt um einige der am stärksten betroffenen Gebiete kümmern.


Danke für Ihre Hilfe!

Missionsprokur der Schweizer Jesuiten (Franz Xaver Stiftung)
Hirschengraben 74 | 8001 Zürich
PostFinance 80-22076-4
IBAN CH48 0900 0000 8002 2076 4
Stichwort: Nepal 


Impuls von P. Bruno Brantschen SJ über die vor 500 Jahren geborene Mystikerin Teresa von Avila

von Regula Lutz

In diesem Jahr feiert die Kirche den 500. Geburtstag von Teresa von Avila. Ein halbes Jahrtausend trennt uns von dieser grossen Mystikerin, Visionärin, Reformerin und Ordensgründerin. Aus Anlass des Jubiläums veröffentlichen wir in den kommenden Monaten an dieser Stelle jeweils einen geistlichen Impuls. Wer war Teresa von Avila, was trieb sie an, wo kommt sie uns nahe? Mit diesen Fragen befasst sich P. Bruno Brantschen SJ, Bildungsleiter des Lassalle-Hauses, im folgenden ersten Impuls. Das Lassalle-Haus widmet Teresa von Avila übrigens vom 5.-8. November 2015 die Jubiläums-Tagung „Ein Genie der Freundschaft“ mit namhaften Referentinnen und Referenten.

 

Ihr äusserer Lebenskreis

Die Lebensdaten der sind schnell erzählt: Sie wird am 28. März 1515 in Kastilien (Zentralspanien) geboren. Vater Alonso Sánchez de Cepeda ist aus einer begüterten jüdischen Kaufmannsfamilie: Teresas Grossvater war 1485 als Jude zum Christentum übergetreten – Christ werden oder das Land verlassen, war die Forderung der Zeit.
Teresa hat elf Geschwister, zwei aus einer ersten Ehe des Vaters. Als sie 13 ist, stirbt ihre Mutter Doña Beatriz de Ahumada, eine adlige Christin. Ihr Vater, der nun auch die zweite Ehefrau verloren hat, schickt Teresa mit 16 zur Erziehung ins Augustinerinnen-Kloster seines Städtchens Avila, 100 Kilometer nordwestlich von Madrid entfernt. Mit 20 tritt die gut aussehende, oft kränkliche junge Frau ins Karmelitinnen-Kloster von Avila ein und begibt sich auf eine aufreibende, spirituelle Suche. 19 Jahre nach Klostereintritt erlebt sie 1554 in der Fastenzeit eine tiefe Erschütterung vor einer Darstellung des gemarterten Christus – eine zweite Bekehrung, ein neues Leben, wie sie in ihrem Buch „Vida“ berichtet.
Sie kämpft für ihren Weg, will auch Wegbereiterin sein für andere. 1562 wird der mittlerweile 47-Jährigen schliesslich erlaubt, ihr erstes Kloster in Avila zu gründen – ihre Karmelitinnen-Gemeinschaft soll näher zum Ursprung des Ordens geführt werden und die eremitischen und gemeinschaftlichen Zeiten wahrer, echter leben. 1567 begegnet Teresa dem Karmeliten Juan de la Cruz (Johannes vom Kreuz, 1542-1591), ein schicksalhaftes Zusammentreffen zweier aussergewöhnlicher Persönlichkeiten. Gemeinsam arbeiten sie an der Karmel-Reform weiter und gründen an die 30 Klöster der „unbeschuhten kontemplativen Karmeliten“. Auf einer ihrer zahlreichen, strapaziösen Reisen stirbt Teresa 67-jährig am 4. Oktober 1582. Bereits 1622 wird sie  heilig gesprochen und 1970 als erste Frau der katholischen Kirche zur Kirchenlehrerin ernannt.


Ihr innerer Lebenskreis

Teresa von Avila lässt uns in ihrem umfangreichen schriftlichen Werk hinter die Daten ihres Lebens blicken und eine facettenreiche Persönlichkeit entdecken, die nicht einfach zu fassen ist. Hilfreich sind dabei ihre Zitate, mit denen sie durch die Jahrhunderte mit uns spricht.
Schon als Kind ist Teresa fromm und fasziniert von Heiligenlegenden. Als Mädchen dann liest sie wie schon ihre Mutter leidenschaftlich gerne Ritterromane und lässt sich von einer auf Äusserlichkeiten bedachten Cousine beeinflussen. In ihren Schriften kritisiert sie später die Mädchenflausen ebenso wie die ersten Klosterjahre: „Mein Leben war unvollkommen und oberflächlich.“   
Sie ist eine Suchende, geht hart mit sich selber ins Gericht, lässt aber auch Lebenslust erkennen in Sätzen wie: „Wenn Rebhuhn dann Rebhuhn, wenn Fasten dann Fasten.“ Oder: „Tu deinem Leib des Öfteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Sie ist überzeugt: „Gott will, dass der Mensch seinen Spass hat.“
Gleichzeitig achtet sie streng auf die Befolgung der klösterlichen Ordensregeln. Und ringt mit sich selbst – mit Zweifeln auf ihrer spirituellen Suche, mit ihrem fragilen Körper. Mit 24 fällt sie in eine dreitägige todesähnliche Starre, gefolgt von Lähmungserscheinungen, vielleicht hervorgerufen durch eine schwere Infektion. Auch in reiferen Jahren kämpft sie um körperliche, wohl auch psychische Gesundheit. „Ich glaube, dass der Teufel nicht so viel Böses anrichtet wie unsere eigene Einbildungskraft und unsere schlechten Launen, zumal wenn Melancholie hinzukommt“, schreibt sie einmal.
Das autobiografische Buch „Vida“, die erste Fassung im Jahr ihrer ersten Klostergründung fertig gestellt, zeugt vom Ringen. Es entsteht auf Anweisung ihres Beichtvaters wie all ihre Werke, da es Frauen im damaligen Spanien nicht erlaubt ist, Bücher zu verfassen. Teresa schützt sich mit diesem Vorgehen, vielleicht auch mit diesem Arrangement geschickt vor Angriffen der Inquisitions-Behörde, die in Spanien besonders wütet. Unter diesem Aspekt ist ihr Buch „Vida“ besser zu verstehen – insbesondere, wenn sie sich immer wieder als arme, der Gnade Gottes bedürftige Sünderin bezeichnet. Teresa weiss die Balance zu wahren zwischen innerer Freiheit im Denken und Loyalität zu kirchlichen Autoritäten. Sie redet und korrespondiert auf Augenhöhe mit Persönlichkeiten ihrer Zeit, ist durchsetzungsstark und geht auch schwierigen Disputen nicht aus dem Weg. Nötige Eigenschaften, um als Frau Klöster gründen zu können.  
Eine wichtige Stütze sind ihr Freundschaften, die Liebe an und für sich. „Ich meine, dass es der Liebe nicht möglich ist, irgendwo stehen zu bleiben. Wer nicht wächst, schrumpft“, sagt sie. Teresa wächst, zeitlebens. „Genie der Freundschaft“, wird sie genannt. Die Gottesfreundschaft, von der sie im Innern durchdrungen ist, befähigt sie zu tiefer Zuneigung zu ihren Mitmenschen. Insbesondere auch zu Jerónimo Gracián (1545-1614), erster Provinzial des reformierten Ordens der Karmeliten, der zum engen Freund, Beichtvater, Berater wird.
Die 60-Jährige trifft Gracián, 30 Jahre jünger und mit Charisma gesegnet, während einer Andalusienreise. „Fast alle, die mit ihm zu tun haben, lieben ihn“, hält sie fest. Die beiden entwickeln ein inniges Verhältnis zueinander. „Diese Liebe zwischen der Mutter Teresa und mir schenkte mir Reinheit, Vergeistigung und Gottesliebe, und ihr bedeutete sie Trost und Erleichterung in allen ihren Leiden und Mühen“, schreibt er nach ihrem Tod und bekennt, dass „die Mutter Teresa mich zärtlich liebte und ich sie wie sonst nichts auf dieser Erde“. Während Teresas Lebzeit jedoch versucht Gracián, die tiefe Verbundenheit zu verbergen, um übler Nachrede vorzubeugen. Sie ist mutiger. „Ich kann es mir leisten, im Umgang mit Ihnen viel Liebe zu zeigen“, schreibt sie an ihn, „nicht alle Nonnen dürfen das“.
Zentrum ihres Lebens aber ist und bleibt Gott. „Gott und ich – wir zusammen sind immer die Mehrheit“, sagt sie. Teresas Weg zu Gott ist die Kontemplation, das innere Beten  – ein Gegenentwurf zu einem veräusserlichten Rezitieren von vorgegebenen Psalmen und Gebeten. Inneres Beten ist ihr ein zentrales Anliegen, ihr Buch „Wohnungen der Inneren Burg“ handelt davon – es ist für sie „nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil er uns liebt.“
Immer wieder berichtet sie von Visionen, von tiefen Einsichten, vom stillen Dialog mit Gott. Sie zeigt dabei auch Humor. Einmal beklagt sie sich bei ihrem besten Freund über all die Widerwärtigkeiten in ihrem Leben. „So behandle ich meine Freunde“, habe der Herr geantwortet. „Darum hast Du auch nur so wenige“, habe sie erwidert.
Ihr letztes Wegstück raubt ihr noch einmal alle Kraft. Wohl im Endstadium eines Krebsleidens, gründet sie im Herbst 1582 im nordspanischen Burgos ein neues Kloster. Gracián ist zugegen und überlässt sie danach ihrem Schicksal. Teresa ist irritiert, enttäuscht,  zieht mit Ana de San Bartolomé (1549-1626) weiter ins 120 Kilometer südlich gelegene Kloster von Valladolid. Die Priorin, eine ihrer bevorzugten „Töchter“, zeigt sich ebenfalls unerwartet ablehnend. Teresa muss anschliessend auf Befehl des Provinzvikars einen Umweg nach Alba de Tormes zur Herzogin machen.
Sie wird Avila nicht mehr erreichen. Todkrank findet sie am 20. September Aufnahme im Kloster von Alba, doch willkommen ist sie nicht –  die Priorin bleibt dem Sterbebett fern. Im Kreis ihrer Getreuen stellt die „Madre Fundadora“ die erschütternde Frage: „Werden sie hier nicht wenigstens ein paar Schaufeln Erde für mich übrig haben?“ Ana, seit Jahren an ihrer Seite, pflegt sie bis zum Schluss und berichtet von der tiefen Verzückung, in die sie am Ende fällt. Teresa von Avila stirbt am Abend des 4. Oktober, ein Kreuz eng umklammert, das man ihr danach „nur mit grosser Gewalt aus den Händen nehmen“ kann.

Bruno Brantschen SJ

 

Weitere Informationen 

 

 


Zum Evangelium der Emmausjünger (Lk 24,13-35) von P. Provinzial Christian M. Rutishauser SJ

von Regula Lutz


anlässlich der Feier der Letzten Gelübde der Patres Paul Oberholzer SJ, Philipp Görtz SJ, Fredrik Heiding SJ und Christoph Hermann SJ am 8. April 2015 während des gemeinsamen Provinzsymposiums der Deutschen und der Schweizer Jesuiten in Schwäbisch-Gmünd.

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Vor 60 Jahren verstarb an Ostern der Jesuit, Mystiker und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin

von Regula Lutz

Teilhard de Chardin SJ – Prophet unserer Zeit


Artikel von Dr. Raimund Badelt, Wien
 
Der Text erscheint auch in der Mai-Ausgabe 2015 der Vorarlberger Zeitschrift „Dein Wort – mein Weg“

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Eine Schule für die Zukunft

von Regula Lutz

Hunderttausende Menschen haben im Nordirak Schutz vor Terror und Gewalt gefunden. Bei Erbil baut der Jesuiten-Flüchtlingsdienst, finanziert durch zahlreiche Spenden aus der Schweiz, eine Schule für Flüchtlingskinder.

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Patenschaften für Lehrer

von Regula Lutz

Die Jesuitenprovinz Darjeeling betreibt mehrere Schulen, an denen Kinder aus Teeplantagen unterrichtet werden. Um den engagierten Lehrerinnen und Lehrern ein angemessenes Gehalt zahlen zu können, hat „Jesuiten weltweit“, das Hilfswerk der Schweizer Jesuiten, mit den Partnern vor Ort das Spendenprojekt „Lehrerpatenschaften“ ins Leben gerufen.

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Forscher aus den Reihen der Kirche

von Regula Lutz

Weitergeleiteter Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 18.03.2015, Seite 52:


Einige bedeutende Wissenschafter waren geistliche Würdenträger und erhielten in ihrer Forschungstätigkeit viel Unterstützung
Die katholische Kirche gilt gemeinhin eher als wissenschaftsfeindlich. Doch waren die Jesuiten eigentlich der Wissenschaft zugeneigt. Aufpassen mussten sie allerdings, wenn ihre Erkenntnisse die Grundlehren der Kirche infrage stellten.
Ronald D. Gerste

Im Jahr 1633 stand einer der berühmtesten Wissenschafter der europäischen Geschichte vor den Schranken der Inquisition. Galileo Galilei hatte sich in seinem bedeutenden Werk zugunsten der heliozentrischen Auffassung vom Universum ausgesprochen, nach der die Sonne im Zentrum steht und von den Planeten umkreist wird. Die Kirche beharrte indes auf dem mehr als 1500 Jahre alten ptolemäischen Weltbild, mit der Erde im Zentrum, die von Sonne, Mond und Planeten umkreist wird. Dies ist 382 Jahre her, doch das Bild einer wissenschaftsfeindlichen katholischen Kirche hat sich bis heute gehalten.

Galilei musste abschwören, damit ihm der Tod auf dem Scheiterhaufen erspart blieb. Er wurde zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt, die in Hausarrest abgemildert wurde. Erst im Jahr 1992 wurde Galilei von der Kirche rehabilitiert. Mit dieser unrühmlichen Unterwerfung des Wissenschafters und dem jahrhundertelangen starren Festhalten an dem astronomischen Verdikt beschnitt sich die katholische Kirche in ihrer eigenen naturwissenschaftlichen Forschungskompetenz und geriet in den bis heute fortdauernden Geruch der Wissenschaftsfeindlichkeit, so urteilt Alexander Brüggemann von der Katholischen Nachrichten-Agentur in Bonn.

Forschungsfreudige Jesuiten

Der unerschrockene Galilei, der den religiösen Fundamentalisten die Stirn bietet, ist dagegen zur Ikone von Aufklärung und Säkularisierung geworden. Dass aber das Bild einer Kirche, die jedwede neue wissenschaftliche Erkenntnis ablehnt, nicht den historischen Tatsachen entspricht, zeigt unter anderem das Beispiel des Paters Gregor Mendel. In seinem Kloster in Brünn führte er von der Kirche gefördert experimentelle Versuche durch, die es ihm vor 150 Jahren ermöglichten, die moderne Vererbungslehre zu begründen.


In jener Epoche der frühen Neuzeit war der 1534 gegründete Jesuitenorden geradezu die Speerspitze katholischer Wissenschaft. Die Jesuiten sahen neben der Theologie auch Mathematik, Physik, Astronomie und andere Fächer als Grundlage eines gottgefälligen Lebens und für eine erfolgreiche Missionierungsarbeit - in Europa, um Ketzer wie etwa Protestanten wieder zurück in die Arme der Mutter Kirche zu führen, und in Übersee oder in Asien, um die eingeborenen Heiden der Neuen Welt zu Jesus Christus zu bekehren. Wissenschaft betreiben bedeutete für die Jesuiten, Gott in allen Dingen zu finden. Sie wollten Wissen erwerben und verbreiten. Zu den von ihnen gegründeten Universitäten gehört auch eine der renommiertesten Hochschulen der USA, die Georgetown University in Washington D. C. Dabei war vielen Forschern ein breiter Freiraum gegeben - solange sie nicht zu Erkenntnissen beitrugen, die am Selbstverständnis und an den Grundlehren der Kirche kratzten.


Zu den Stars jesuitischer Wissenschaft gehörte Christoph Scheiner. Hätte es im 17. Jahrhundert bereits einen Nobelpreis gegeben, wäre er ein valabler Kandidat dafür gewesen - in Medizin und Physik. Seine Erkenntnisse zur Physiologie des Sehens erfolgten fast zeitgleich mit jenen Johannes Keplers, der sich primär mit der Astronomie beschäftigte. Scheiners Werk «Oculus» aus dem Jahr 1620 ergänzte und baute auf Keplers «Dioptrice» von 1611 auf.
Scheiner beobachtete die lichtbrechenden Eigenschaften der Linse und des Glaskörpers (der an ein Gelee erinnernden Füllung des Auges) und räumte wie Kepler mit der antiken Vorstellung auf, dass es die Linse sei, in der das Sehen geschieht. Diese Rolle schrieb er der Netzhaut zu und erkannte, dass der aus dem Augapfel austretende Sehnerv eine Verbindung der Netzhaut zum Gehirn darstellen muss. Mehr noch: Scheiner beobachtete, dass bei der Akkommodation, dem Fokussieren auf Gegenstände in der Nähe, nicht nur die Linse ihre Krümmung ändert, sondern sich auch die Pupille verengt. Scheiner gilt als einer der Pioniere der Augenmedizin. Seine Leistungen werden bis heute mit mehreren nach ihm benannten Fachtermini gewürdigt.

Über die Grenze der Toleranz

Ab 1610 lehrte der Jesuitenpater Scheiner an der Universität Ingolstadt Mathematik, was auch die Himmelskunde mit einschloss. Ab 1617 am Hofe des Erzherzogs Maximilian III. in Innsbruck wirkte er in der Astronomie. Das von Kepler beschriebene Linsenfernrohr baute er nach und ergänzte es zur Freude des Erzherzogs, den das auf dem Kopf stehende Bild bei Erdbeobachtungen ärgerte, um eine weitere Linse, die das Bild aufrichtete.


Scheiners Beobachtungen der Planetenbewegungen wiesen ihn auf die Richtigkeit des kopernikanischen, heliozentrischen Weltbildes hin, bei dem die Sonne und nicht die Erde im Zentrum steht. Auch jener Nikolaus Kopernikus war übrigens ein Kleriker gewesen: Domherr in Frauenburg, der es beinahe gar zum Bischof gebracht hätte.

Eine Entdeckung Scheiners zeigte ihm allerdings, dass die Toleranz seiner Mutter Kirche Grenzen hatte. Bei seinen Sonnenbeobachtungen bemerkte er die Sonnenflecken, kurz nachdem - und wahrscheinlich in Unkenntnis davon - Galilei diese bereits entdeckt hatte. Die beiden gerieten darüber in einen Plagiatsstreit. Scheiner hielt die Sonnenflecken für die Abbildungen von Monden, Galilei eher von Wolken auf der Sonne. Allerdings gab die Kirche Scheiner unmittelbar zu verstehen, dass er solche Beobachtungen besser für sich behalte; die Sonne sei gemäss biblischer Lehre rein und könne keine Flecken haben.

«Der Mann, der alles wusste»

In die gleiche Epoche fällt auch das Wirken des Athanasius Kircher, eines Universalgelehrten, den seine moderne amerikanische Biografin nur leicht übertreibend «den letzten Mann, der alles wusste», nannte. Um 1601 in Fulda geboren, widmete er sich am Jesuitenkolleg in Rom, wo er eigentlich Missionare für das ferne China ausbilden sollte, einem wahren Studium generale und verfasste 1667 ein (gemessen am Standard der Zeit) grundlegendes Werk über das Reich der Mitte und seine Sprache. Er leistete auch eine Pionierarbeit zur Entzifferung ägyptischer Hieroglyphen.


Ausserdem wurde Kircher für die moderne Vulkanologie zu einem Gründervater, der es nicht beim Literaturstudium beliess, sondern mutige Forschungsexpeditionen anberaumte: Er liess sich 1638 in den damals erneut aktiven Vesuv abseilen, um das Phänomen des Vulkanismus aus nächster Nähe zu erforschen. Damit eiferte er dem frühesten Vertreter dieser Geowissenschaft nach: Plinius dem Älteren, der seine Freude am Observieren des epochalen Ausbruchs vom August 79 n. Chr. allerdings mit dem Leben bezahlt hatte.


Bei reinen Beobachtungen wollte es Kircher nicht bewenden lassen, ihn interessierte vor allem auch die praktische Anwendung der Forschung. Deshalb erforschte er die Grundlagen von Akustik und Optik und versuchte für Hörbehinderte eine Gebärdensprache zu etablieren. Der hochgelehrte Kircher starb 1680 und fand in einer Jesuitenkirche am Rande Roms seine letzte Ruhestätte.


Mit Misstrauen betrachtete die Kirche dagegen das Wirken eines ihrer profiliertesten Forschers im 20. Jahrhundert. Pierre Teilhard de Chardin entstammte einer französischen Adelsfamilie und trat als junger Mann in den Jesuitenorden ein. Einen Namen machte er sich vor allem als Anthropologe. Fast zwanzig Jahre lang war er in China an Ausgrabungen und Forschungen beteiligt. Die Entdeckung des sogenannten Peking-Menschen, der vor zirka 700 000 Jahren gelebt haben dürfte, war ein Höhepunkt seines Wirkens. Der Kirche missfiel vor allem, dass sich Teilhard de Chardin in mehreren Büchern für die naturwissenschaftlichen Thesen über die Entstehung des Universums und die Evolution des Menschen einsetzte. Die Kirche drohte damit, seine Bücher auf den Index zu setzen. Diese durften dann erst nach seinem Tod im Jahr 1955 veröffentlicht werden. Einige wurden zu Bestsellern.
Ungeachtet dieser unrühmlichen Haltung der Kirche, wird im Namen des Vatikans auch moderne Wissenschaft betrieben. In deren Zentrum steht der Wirkungsort des Herrn, der Himmel. Im amerikanischen Gliedstaat Arizona, auf einem den Ureinwohnern heiligen Berg, steht ein hochmodernes Infrarot-Teleskop zur Erforschung ferner Welten. Auf einer Plakette steht in Latein, Englisch und der Sprache der Apachen zu lesen: «Wer auch immer hier am Tag und in der Nacht die äussersten Grenzen des Weltraums erforscht, möge er es freudig nutzen mit der Hilfe von Gott.»


Das Observatorium im Südwesten der USA ist Teil der Vatikanischen Sternwarte, die mit einer Tradition von rund 400 Jahren eine der ältesten astronomischen Forschungsstätten ist, an der vor allem der Erdtrabant, auf dem nicht weniger als 35 Krater nach Jesuiten benannt sind, und die Planeten beobachtet wurden.

Forschungsstätte Vatikan

Mit der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften hält sich der Vatikan ausserdem eines der angesehensten Expertengremien der Welt. Die vor mehr als 400 Jahren gegründete Pontificia Academia Scientiarum soll den Papst über Fortschritte auf dem Gebiet der Naturwissenschaften unterrichten. Der Akademie gehören 80 Mitglieder aus unterschiedlichen Disziplinen an. Bei der Berufung spielt die Konfession offenbar keine Rolle. Zu den prominentesten derzeitigen Mitgliedern gehört der atheistische englische Physiker Stephen Hawking.
Auch Frauen sind in der Akademie vertreten, zum Beispiel die amerikanische Astrophysikerin Vera Rubin, die sich mit Untersuchungen zur dunklen Materie in Galaxien einen Namen gemacht hat. Präsident der Akademie ist seit fünf Jahren ein Schweizer, der emeritierte Basler Professor für Molekulare Mikrobiologie, Werner Arber. Für seine Entdeckung der Restriktionsenzyme wurde er 1978 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Als praktizierender Protestant ist Arber der erste Nichtkatholik im Präsidentenamt.

Link zum Artikel der NZZ


Erneuerung aus dem Geist der Mystik

von Regula Lutz

P. Christian Rutishauser SJ schreibt im Bruder Klaus Rundbrief, März 2015.

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Informationstag 21. März 2015

von Regula Lutz

 

Der Informationstag richtet sich an junge Männer, die sich informieren wollen, wie Jesuiten heute leben und arbeiten.

Nähere Angaben: zum Flyer