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Peter Faber, ein neuer Heiliger des Jesuitenordens

Die Kirche erhält einen neuen Heiligen: Peter Faber, einen Jesuiten der ersten Stunde, einen Gefährten des heiligen Ignatius und des heiligen Franz Xaver. Papst Franziskus bezeichnet ihn als Vorbild. Wir sprachen mit dem Jesuiten Toni Witwer, dem ordensinternen Beauftragten für Selig- und Heiligsprechungen der Jesuiten.

 Witwer: „Peter Faber war ein armer Bauernbube, ein Schafhirte, der 1506 im heutigen Savoyen geboren worden ist. Er kam durch seinen Onkel zum Theologiestudium, traf dann in Paris mit dem Heiligen Ignatius zusammen. Und diese Begegnung mit Ignatius war für ihn entscheidend für das weitere Leben. Faber ist der erste in diesem Freundeskreis zusammen mit Franz Xaver und den übrigen. Und so ist er immer mit Ignatius und Franz Xaver verehrt worden.
Er war am Anfang des Ordens immer unterwegs; auf der einen Seite auf Befehl des Papstes, dann aber auch auf Wunsch des Kaisers und der Könige, und auch auf Wunsch von Ignatius. Er ist zurückgekommen von Spanien, weil der Papst wollte, dass er zum Konzil von Trient geht. Auf diesem Weg ist es kurz nach seiner Ankunft in Rom am 1. August 1545 gestorben." 

Radio Vatikan: „Warum ist Peter Faber für viele Katholiken ein Unbekannter?“

Witwer: „Er ist nur im Schatten für die Leute außerhalb der Gesellschaft Jesu oder außerhalb der Diözese Annecy, der Gegend, aus welcher er stammt. In der Gesellschaft Jesu hingegen war Peter Faber immer von Bedeutung, vor allem weil sein Memoriale von Anfang an in der Gesellschaft verbreitet worden ist. Das hat ja auch dazu geführt, dass etwa Franz von Sales dieses Memoriale auch in die Hand bekommen hat. Das war der Anstoß, dass er gesagt hat, diesen Mann müssen wir heiligsprechen, der verdient es, dass er für uns als Vorbild dasteht."

Radio Vatikan: „Sie erwähnten, dass Peter Faber viel reiste. Unter anderem war er in Deutschland, zu Zeiten der Reformation und der Konfessionskriege. Welche Haltung zeichnete ihn in so schwierigen Situationen aus?“

Witwer: „Seine primäre Haltung war die, dass er überall den Frieden gesucht hat, die Versöhnung zwischen den verschiedenen Parteien. So war er auch sehr sensibel für das, was fehlte. Er hat wahrgenommen, dass diese Spaltung vor allem darauf zurückzuführen ist, dass das allgemeine Volk vom Glauben kaum eine Ahnung hat und deshalb manipulierbar war. Deshalb hat er versucht, einfach das Evangelium zu verkünden und vor allem die Priester auszubilden. Dies hat er vor allem dadurch getan, dass er sie in Exerzitien begleitet hat. Peter Faber hat sehr vielen Leuten die Exerzitien gegeben, die dann selber in die Gesellschaft eingetreten sind, etwa Petrus Canisius."

Radio Vatikan: „Selige und Heilige „bewegen“ immer. Das ist, warum sie selig bzw. heilig sind. Was ist das „Bewegende“ von Peter Faber, also das an ihm, was Glaubende dazu bringen kann, sich in Bewegung zu setzen?“

Witwer: „Das, was heute Menschen noch bewegt und bewegen kann und soll, ist sicher, dass er der Meister der Gewissenserforschung und auch der geistlichen Unterscheidung ist. Er hat in den Augen des Ignatius wie kein anderer es verstanden, die Exerzitien zu geben. Ignatius hat das einmal auch so ausformuliert, Peter Faber ist sogar fähig, das Wasser aus den Steinen herauszuziehen. Das, was verhärtet ist, wieder gleichsam lebendig zu machen, den abgestorbenen Glauben zu vertiefen und zu erneuern."

Radio Vatikan am 17. Dezember 2013

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Winterzeit - Gedanken von P. Hubert Holzer SJ

Wald in Dänemark
© I, Malene: Langå, Dänemark

Winterzeit - Gedanken von P. Hubert Holzer SJ

 Es waren einmal, so berichtet die Legende, zwei Mönche. Die lasen in einem alten Buch, es gebe am Ende der Welt einen Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren. Sie beschlossen, ihn zu suchen, durchwanderten die Welt, bestanden unzählige Gefahren und alle Versuchungen, die einen Menschen von seinem Ziel abbringen können. Ein Tor sei dort, so hatten sie gelesen, man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott. Schliesslich fanden sie, was sie suchten und klopften an. Bebenden Herzens sahen sie, wie sich die Tür öffnete, und als sie eintraten, standen sie zuhause in ihrer Klosterzelle. Da begriffen sie: Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, befindet sich auf dieser Erde, an der Stelle, die uns Gott zugewiesen hat.

 Der Sommer ist die Zeit der Bewegung und des Reisens. Wie die zwei Mönche, so brechen Legionen von Menschen auf und suchen das Glück in fernen Landen.

Der Winter ist anders. Er grenzt die Bewegungsfreiheit ein durch Nebel, Schnee und Eis. „Es ist als wollte er uns sagen: Halte es eine Weile bei dir selbst aus. Lass ruhen, was das Jahr über in Bewegung ist; hole heim, was zerstreut ist und beschränke dich auf das Wesentliche.“ (B. Dörig)

Wer sich der äusseren Begrenzung des Winters stellt, findet in ihm einen Lehrmeister, denn er tritt mit uns die Reise nach innen an. Er führt in die Stille. Denken wir an die Stille in einem verschneiten Wald! Still wird es auch mit der Dunkelheit am Abend, im Schein der Lampe oder beim Licht einer Kerze. Von der Stille führt der Weg in die Erinnerung. Was habe ich denn eigentlich gelebt? Welche Erinnerungen sind mir wertvoll?

Aus welchen kann ich leben? Die Erinnerung wird dann zur Verinnerlichung und führt an den Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren. Angelus Silesius beschreibt den Weg nach innen in seinem „Cherubinischen Wandersmann“: „Halt an, wo laufst du hin? Der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“

 Hubert Holzer SJ


Netzwerk der Jesuiten leistet Soforthilfe auf den Philippinen

Ihre Spende kommt an.

Zürich, 19.11.2013 - Die Jesuitenmission Schweiz unterstützt die Taifunopfer auf den Philippinen mit einer Soforthilfe von 60.000 Franken. Der Betrag ist durch erste grosse Spenden zusammengekommen  und bereits an eine Partnerorganisation vor Ort weitergeleitet worden.

„Wir fühlen uns den Menschen auf den Philippinen sehr verbunden. Seit Jahren pflegt die Jesuitenmission Schweiz vielfältige persönliche Kontakte“, betont Pater Toni Kurmann SJ, Missionsprokurator der Jesuitenmission in Zürich. Er hat selber drei Jahre in der Hauptstadt Manila studiert und kennt das Land aus eigener Erfahrung. Nach Kurmanns Einschätzung ist der philippinische Staat durch die Vielzahl von Naturkatastrophen stark herausgefordert. „Die Kapazitäten reichen bei weitem nicht aus, um im Katastrophenfall angemessen reagieren zu können. Umso wichtiger sind das Engagement und die Initiative von nichtstaatlichen Einrichtungen.“

Die Jesuitenmission Schweiz unterstützt die Hilfsmassnahmen der Jesuiten auf den Philippinen seit dem ersten Tag nach der Katastrophe. Über ein landesweites Netzwerk von Schulen und Gemeinden werden dringend benötigte Güter verteilt. „Wir bemühen uns, soweit der Transport möglich ist, die Menschen zu erreichen, die bisher keine Hilfe von Seiten der Regierung erhalten haben“, berichtet der Koordinator der von Jesuiten geleiteten philippinischen  Hilfsorganisation  Simbahang Lingkod ng Bayan (SLB).

Das SLB ist eine Nichtregierungsorganisation, die ihre Wurzeln in den 1980er Jahren hat und aus der  Demokratiebewegung entstanden ist. Sie setzt sich nach wie vor für politische Bildung und Demokratie ein,  besonders aber auch für Randgruppen in der Gesellschaft und für die Opfer von Krisen und Naturkatastrophen. Die Mitarbeiter der Organisation sind erfahren in der Hilfe bei Sturmfluten und Erdbeben: Sie sammeln und verwalten Spenden, kümmern sich um Erstversorgung und Wiederaufbau, organisieren zudem die psychosoziale Betreuung der betroffenen Menschen. Für die Koordinierung der Hilfe für die Opfer des Taifuns Haiyan wurde ein eigener Krisenstab gegründet: die Task Force Bangon Pilipinas. Diese ist auf der Insel Leyte angesiedelt und arbeitet vor Ort eng mit der philippinischen Stiftung Tanging Yaman Foundation zusammen.

Wie Jesuiten aus dem Katastrophengebiet berichten, warten auch mehrere Tage nach dem verheerenden Taifun Haiyan noch immer viele Bewohner der vom Tropensturm betroffenen Inseln auf Hilfe. Angesichts zerstörter Strassen und zusammengebrochener Stromnetze seien noch immer zahlreiche Dörfer von der Aussenwelt abgeschnitten. Bereits  im Oktober waren  die Philippinen von einem Erdbeben der Stärke 7.2 erschüttert worden. Es entstanden grosse Schäden. Viele der seinerzeit betroffenen Gebiete sind auch von der aktuellen Naturkatastrophe heimgesucht worden.

Nach jüngsten Angaben des SLB wird mittlerweile von 3.361 Toten und 12.487 Verletzten ausgegangen. Mindestens 1.179 Menschen würden noch vermisst. Den Schätzungen zufolge sind etwa 1,9 Millionen Familien vom Taifun Haiyan betroffen, das sind über neun Millionen Menschen. Bisher geht man von rund 274.000 zerstörten Häusern aus.  Besonders geschädigt wurden Familien in tiefer gelegenen Gebieten und in den Wohnvierteln der Armen.

 „Das Überleben zu sichern, ist unser oberstes Ziel“, betonen die Jesuiten vor Ort. Eine der Sofortmassnahmen ist deshalb die Versorgung mit Notpaketen. Über 600 freiwillige Helferinnen und Helfer sind derzeit auf dem Gelände der Ateneo Universität in Manila täglich im Einsatz. Sie packen Hilfsgüter zu Notpaketen und machen diese fertig für den Transport in die Katastrophengebiete.Die 15 Kilogramm schweren Pakete enthalten Reis, Konservendosen, Wasser, Kleidung und Hygieneartikel. Ein Notpaket versorgt eine Familie für drei Tage. Bisher konnten schon über 6.000 solcher Pakete an betroffenen Familien in den Regionen um Culion (Inselgruppe Palawan), Isabel  und Ormoc (beide Insel Leyte)  verteilt werden. Die Hilfe wird in den kommenden Tagen fortgesetzt.

In Culion, einer früheren Leprakolonie, sind die Jesuiten seit 1906 tätig. Es gibt dort eine Jesuitenkommunität und eine Schule, das Loyola College von Culion. Die Jesuiten unterstützen ausserdem indigene Bevölkerungsgruppen in der Region und auf entfernter gelegenen Inseln. Taifun Haiyan hat hier viele Häuser entlang der Küste zerstört. Es gab ausserdem einen vollständigen Stromausfall, so dass Culion von der Hilfe und von der Hauptinsel Coron abgeschnitten war. Gemeindepfarrer P. Jody Magtot SJ bat um schnelle Hilfe, da vor allem Nahrung und Wasser knapp geworden seien.

In den ersten Tagen und Wochen nach einer Katastrophe wie dem Taifun Haiyan ist die Nothilfe für die Menschen vor Ort das Wichtigste. Es gilt das Überleben der Menschen zu sichern und den Ausbruch von Krankheiten zu vermeiden. Was aber dann? „Für eine wirkliche Zukunftsperspektive ist die Hilfe beim Wiederaufbau der betroffenen Gegenden ebenso wichtig  wie aktuell die Nothilfe“, so Pater Kurmann. „Unsere Partner vor Ort haben deshalb einen ersten Fahrplan für die Langzeithilfe erstellt.“ Zum jetzigen Zeitpunkt ist geplant, dass sich die Jesuiten mit ihren Partnern besonders in vier Bereichen engagieren: Reparatur und Wiederaufbau von Häusern, Unterstützung beim Wiederaufbau von Arbeitsplätzen, psychosoziale Angebote für Taifunopfer und Bereitstellung von Solarenergie zur Stromversorgung.

Kontakt:

Jesuitenmission Schweiz 
Hirschengraben 74 
8001 Zürich 
Telefon (+41) 044 266 21 30

Unser Spendenkonto für die Taifun-Opfer lautet:

Missionsprokur der Schweizer Jesuiten

(Franz Xaver Stiftung)

PostFinance 80-22076-4

IBAN CH48 0900 0000 8002 2076 4

Vermerk: Taifun Philippinen

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Solidarität mit den Menschen auf den Philippinen - Spendenaufruf der Jesuiten

Taifun Haiyan - Menschen spenden sich Trost.
© by KNA

Spendenaufruf für die Menschen auf den Philippinen

Trotz Vorwarnung und Vorbereitung traf der Taifun Haiyan die Menschen auf den Philippinen mit voller Wucht und in erschreckendem Ausmass. Betroffen über die Not der Menschen in den Katastrophengebieten, haben wir eine Soforthilfe an unsere Partner vor Ort übermittelt. Das Wichtigste ist nun, dass die Menschen sauberes Trinkwasser, Essen und eine Notunterkunft erhalten.

Unser Mitbruder Mark Raper SJ ist der Präsident der Jesuitenkonferenz Asien-Pazifik. Er hat uns und Ihnen allen einen Brief gesendet, welchen wir Ihnen hier zugänglich machen möchten:

Lieber Toni,
danke für deine Nachfrage. Das Ausmass der Verzweiflung und der Zerstörung ist hier im Moment schier unglaublich. Der Wirbelsturm Haiyan war die schlimmste Naturkatastrophe, die die Philippinen je getroffen hat. Zuletzt hörte ich von mehr als 10.000 Toten und 2,9 Millionen betroffenen Familien, viele davon in Armenvierteln. Die Angaben über Todesopfer und Obdachlose schwanken noch jeden Tag. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nur, dass der Neuanfang sehr, sehr viel Zeit und Mühe kosten wird. Erst Anfang Oktober hatten wir ein Erdbeben auf den Inseln Bohol und Cebu. Auch die Menschen, die dort ihr Hab und Gut verloren, gilt es weiter zu versorgen.
Wir philippinischen Jesuiten stehen jetzt fest zusammen, um den Opfern zu helfen. Mit unserer Sozialorganisation SLB (Simbahang Lingkod ng Bayan) haben wir dafür eine gute Basis. SLB ist schon erfahren in der Katastrophenhilfe und erreicht direkt die Ortschaften und Partnergemeinden. Der Leiter ist mein Mitbruder P. Xavier Alpasa, der die Hilfsgelder koordinieren wird. Über unsere Universität Ateneo de Manila melden sich zum Glück viele freiwillige Helfer. Heute ist einer unserer Mitarbeiter mit einem Caritas-Team auf einem Schiff unterwegs, um erste Versorgungsgüter auf die verwüsteten Inseln Leyte und Samar zu bringen.
Unsere Helfer und ich danken euch in der Schweiz von Herzen für jede Form von Beistand in dieser schwierigen Zeit.
 
Dein Mark Raper SJ
Quezon City/Metro Manila, 12.November 2013

 

Liebe Freunde und Unterstützer,

im Namen der Opfer des Taifuns bitte wir Sie um Ihre Spende für die Notversorgung und den Wiederaufbau in den betroffenen Gebieten.

Leiter der Jesuitenmission: Toni Kurmann SJ

Unser Spendenkonto für die Taifun-Opfer lautet:

Missionsprokur der Schweizer Jesuiten

(Franz Xaver Stiftung)

PostFinance 80-22076-4

IBAN CH48 0900 0000 8002 2076 4

Vermerk: Taifun Philippinen

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Einladung zum Gebet um junge Jesuiten

Novizen der Jesuiten vor den Gelübden
© Leopold Stübner SJ: Gelübdefeier am 9. September 2012 in der Kirche St. Klara in Nürnberg

Vom 5. bis 13. November beten die Jesuiten in Europa darum, dass Menschen als Gefährten Jesu in den Jesuitenorden berufen werden. 9 Tage lang schreiben Jesuiten zu ihrem Lieblingsevangelium und verraten Ihnen, wer Jesus Christus für sie ist. Wir laden Sie ein, diese Novene mit uns zu beten. Unter http://novene.jesuiten.org können Sie sich anmelden, um in diesen Tagen eine Gebetseinladung in Ihr E-Mailpostfach zu erhalten.


„Unserer Sorge können wir keine Grenzen setzen“

von Administrator

Erklärung der Jesuiten-Provinziäle aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika-Madagaskar zu Migration und Asyl heute

Versammlung der Jesuiten-Provinziäle aus Europa und dem Nahen Osten Mitte Oktober 2013 in Rom
Versammlung der Jesuiten-Provinziäle aus Europa und dem Nahen Osten Mitte Oktober 2013 in Rom

Rom, 25. Oktober 2013
In den letzten Wochen haben wir gesehen, dass Flüchtlingen und ihren Familien schreckliches Leiden zugefügt wurde. Die jüngste Tragödie in Lampedusa bildet den Höhepunkt. Beim Versuch, Europa zu erreichen, sind in den letzten zwanzig Jahren viele Tausende gestorben. Papst Franziskus hat Lampedusa besucht und dabei sein Mitgefühl, seine Empörung und seine Trauer über das verzweifelte Leiden der Flüchtlinge ausgedrückt. Wir Jesuiten-Provinziäle vertreten als höhere Obere aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika-Madagaskar über 6.000 Jesuiten in unseren beiden Kontinenten. Wir schließen uns der Betroffenheit und Sorge des Papstes für die Flüchtlinge an, die enorme Risiken auf sich nehmen, um ein besseres Leben zu finden und vor lebensbedrohlichen Situationen in ihren Heimatländern zu fliehen. Wir veröffentlichen diese Erklärung, weil wir glauben, dass eine Dringlichkeit für unsere Gesellschaften besteht im Hinblick auf diese ernste moralische Frage.

Leben schützen – eine elementare moralische Notwendigkeit

Die Gründe von Flucht- und Migrationsbewegungen sind komplex. Unter den wichtigsten sind: Kriege, Verfolgung, wirtschaftliche Instabilität, Umweltkatastrophen und bankrotte Staaten, die ihre Bevölkerung nicht mehr versorgen können. Unabhängig von den Gründen zeigt uns die Tragödie von Lampedusa, dass wir alle berufen sind, unserer elementaren humanitären Verpflichtung nachzukommen, Leben zu schützen. Wir können dieser moralischen Notwendigkeit nicht entkommen.

Waffenlieferungen nach Afrika stoppen

Europa muss seine Mitverantwortung für die globalen Migrationsströme akzeptieren. Viele europäische Staaten oder deren Unternehmen liefern Waffen nach Afrika, oft heimlich. Diese Waffenlieferungen schüren Konflikte, die wiederum Migrationsströme auslösen. Unsere Welt ist so miteinander verbunden, dass unsere Sorge im Mittelmeer keine Grenze haben kann.

Die Dublin-Verordnung

Viele europäische Länder nehmen Asylbewerber gastfreundlich auf. Die „Dublin- Verordnung“, die besagt, dass Länder für Asylbewerber verantwortlich sind, wo diese ankommen, sieht jedoch keine gerechte Aufteilung der Asylströme vor. Alle Länder Europas sollten einander in diesem Bereich in Solidarität unterstützen und gemeinsam Verantwortung in Asyl-und Migrationsfragen übernehmen.

Inhaftierung von Asylbewerbern stoppen; Bedingungen der Abschiebungshaft verbessern

  • Wir lehnen die Inhaftierung von Asylbewerbern ab. Alternativen zur Abschiebungshaft sind möglich; einige Regierungen haben gute Erfahrungen damit gemacht. 
  • Kindern, sei es von Zuwanderern oder Asylbewerbern, muss mehr Schutz geboten werden. Des Weiteren muss ihr Recht auf eine gute Bildung garantiert werden.
  • Die Bedingungen von Abschiebungshaft sind oftmals menschenunwürdig. Wir erkennen, dass menschliche Bedingungen und auch die Sorge um die geistliche Not moralisch geboten sind, wenn nationalen Regierungen und deren soziale Sicherungssysteme überbeansprucht sind.

Keine Beteiligung an extremen politischen Diskursen

Wir sind besorgt über die Art und Weise, in der sich Politiker über alle Lager hinweg von Politikern der extremen Rechten beeinflussen lassen. Je intensiver der Kampf um Stimmen und Wahlerfolgen wird, desto mehr läuft der politische Diskurs Gefahr, zur Geisel extremer Formen von Populismus zu werden. Wir rufen die Politiker dazu auf, sicherzustellen, dass solche Extremisten den Ton der politischen Debatte nicht diktieren können. Das Europa des 20. Jahrhunderts hat gezeigt, welche Tragödie sich ereignet, wenn extremistische Gruppen die Tagesordnung bestimmen und die Kontrolle übernehmen können. Wir bitten alle in den Heimatländern der Flüchtlinge, für Frieden und Gerechtigkeit in ihren jeweiligen Ländern zu arbeiten, damit alle Bürger dort ein sicheres und geschütztes Zuhause für ihre Familien finden können.

Diejenigen, die sich für Verbesserung einsetzen, unterstützen

Wir möchten ausdrücklich die mutigen Anstrengungen so vieler Bischofskonferenzen, kirchlicher Gruppen und Nichtregierungsorganisationen in Europa würdigen, die sich im praktischen und anwaltschaftlichen Dienst von Flüchtlingen und Migranten einsetzen.
Als Jesuiten danken wir besonders dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Jesuit Refugee Service – JRS) und seiner spanischen Partnerorganisation „Servicio Jesuita a Migrantes“ (SJM) sowie anderen jesuitischen Einrichtungen für ihre Arbeit mit Engagement und Professionalität. Als Gesellschaft Jesu in Europa, im Nahen Osten, Afrika und Madagaskar erneuern wir unsere Hingabe im Dienst für Benachteiligte und für die Ärmsten der Armen in allen Ländern und empfehlen die Flüchtlinge dem Gebet aller Gläubigen und der Sorge und der Betreuung von allen Menschen guten Willens.

Die Jesuiten-Provinziäle aus Europa und dem Nahen Osten haben diese Erklärung während ihrer jährlichen Konferenz in Rom vom 17. bis 23. Oktober 2013 verabschiedet, und die Provinziäle haben ihr auf elektronischem Weg zugestimmt.

Arbeitsübersetzung: P. Martin Stark SJ


Nicht überall, wo Spiritualität draufsteht, ist Spiritualität drin

von Administrator

Kolumne von Niklaus Brantschen SJ, erschienen in der „Schweiz am Sonntag“ vom 6. Oktober 2013

P. Nikolaus Brantschen SJ beim Gebet.
© Frederic Meyer: P. Nikolaus Brantschen SJ

Spiritualität ist in. Das Wort hat schon fast inflationären Charakter. Alle reden davon, und viele schreiben darüber. Doch nicht überall, wo Spiritualität draufsteht, ist Spiritualität drin. Statt mich darüber zu ärgern, will ich lieber eine längst fällige Begriffsklärung vornehmen. Dabei lasse ich mich leiten von dem alten Sprichwort „Trau, schau, wem!“.

Trau keiner Spiritualität, die nicht geerdet ist

Bei Spiritualität denken wir vielfach an etwas Hohes, Erhabenes, Abgehobenes. Doch die Spiritualität, die ich meine, ist geerdet. Sie hat zu tun mit dem Boden, auf dem ich stehe, und mit der Art, wie ich auf ihm stehe: Halb schwebend oder standfest mit beiden Beinen. Spiritualität hat damit zu tun, wie ich atme: Kurz und oberflächlich oder natürlich und ruhig. „Mein Atem heisst jetzt“, pflegte die jüdische Lyrikerin Rose Ausländer zu sagen. Wobei sie das Wort „jetzt“ verstand als „Gegenwart im allgemeinen Sinn und als schöpferischen Augenblick im besonderen“. Wenn ich sage „Atem“, dann bin ich schon bei „Spiritualität“, denn „Spiritus“ ist das lateinische Wort für Atem. "Ruach" heisst es auf Hebräisch. Das meint Wind, Atem, Lebenshauch, Geist. Für Christen ist es der Geist Jesu. Ein Geist, der verbindet und niemals trennen darf, ein Geist, der selbst den ärgsten Feind nicht ausschliesst.

Trau keiner Spiritualität, die nicht interreligiös geprägt ist

Die Welt wächst zusammen, die Kulturen und Religionen begegnen sich. Was liegt da näher, als voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu bereichern. Im Dialog mit anderen Religionen und Kulturen erfahre ich immer wieder, wie sehr unsere eigene Tradition einmalig und einzigartig ist. Mir wird aber auch deutlich, dass sie begrenzt und ergänzungsbedürftig ist. Der Jesuitenorden, dem ich angehöre, hat denn auch bereits vor Jahren folgenden Satz in sein Programm aufgenommen: "Heute religiös sein heisst interreligiös sein“. Wer spirituell sein will, tut gut daran, eine interreligiös geprägte Spiritualität zu pflegen. Sie lässt sich so charakterisieren: Nicht Auflösung der inhaltlichen und institutionellen Unterschiede und Polaritäten. Nicht Gleichmacherei und Nivellierung, sondern klares Benennen der Unterschiede. Nicht Angst und Abwehr, sondern Mut, den eigenen Standpunkt zu vertreten und das Wagnis existentieller Begegnung einzugehen.

Trau keiner Spiritualität, die nicht selbstkritisch ist

Jede ernstzunehmende spirituelle Tradition kennt das Verbot der Nachahmung eines Meisters. So wird uns in den Erzählungen der Chassidim das Wort des sterbenden Rabbi Sussja überliefert: In der kommenden Welt wird man nicht fragen: „Warum bist du nicht Mose gewesen?“ Man wir fragen: „Warum bist du nicht Sussja gewesen?“ Ziel einer spirituellen Unterweisung ist nicht Nachahmung. Es geht ganz einfach darum, die eigene Berufung zu entdecken und diese im konkreten Alltag auf einmalige, unverwechselbare Weise zu verwirklichen.

Trau keiner Spiritualität, die nicht weltoffen ist und sich einmischt

Spiritualität, die diesen Namen verdient, lebt nicht nur von der sogenannten Innerlichkeit. Wer meint, an der Welt vorbei zu sich selbst zu kommen, wird nie zu sich finden, denn Selbstfindung und Weltfindung gehen zusammen wie Einatmen und Ausatmen. Wer nur einatmet, erstickt, wer nur ausatmet, verliert sich. Echte Spiritualität erschöpft sich auch nicht im Privaten. Sie mischt sich ein und überwindet das heillose Entweder-Oder-Schema. Also nicht draussen oder drinnen, sondern draussen und drinnen, nicht Ich oder die Welt, sondern Ich und die Welt, nicht Aktion oder Kontemplation, sondern Aktion und Kontemplation.

Trau keiner Spiritualität, die sich nicht Zeit nimmt

Ein Besucher fragte mich vor einiger Zeit unvermittelt, was für mich Spiritualität sei. Ganz spontan antwortete ich: „Zeit haben“. Wer chronisch keine Zeit hat, ist kein spiritueller Mensch. Umgekehrt gilt, wer ein spirituelles Leben pflegt, ist gleichsam in einem Raum der Zeitfreiheit beheimatet und hat alle Zeit der Welt. Doch Spiritualität lehrt uns nicht nur, Zeit zu haben, sie braucht auch Zeit. Wer auf dem spirituellen Weg im Eiltempo vorankommen will, wird immer enttäuscht sein. Wir können nicht erwarten, in ein paar Stunden oder gar an einem Abend das zu lernen, was wir vielleicht jahrelang vernachlässigt haben, nämlich innezuhalten, ruhig zu werden, zu uns zu kommen, zu beten. Im Instantverfahren ist Spiritualität nicht zu haben. Sie braucht Zeit und Geduld. Geduld aber erreicht alles.

P. Nikolaus Brantschen SJ


Herbert-Haag-Preis 2014 für P. Klaus Mertes SJ

von Administrator

Jesuitenpater Klaus Mertes (Bild: KNA)

Luzern, 23.10.13 (Kipa) Der deutsche Jesuitenpater Klaus Mertes und der französische Erzbischof Albert Rouet erhalten den Herbert-Haag-Preis 2014. Mit der Auszeichnung dieser beiden Persönlichkeiten stehen zwei "brennende Fragen der Seelsorge" im Zentrum, teilte die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche am Mittwoch mit. Die Preisverleihung findet am 16. März 2014 in Luzern statt.

Wie sieht eine Pastoral der Zukunft aus, die nicht nach der Anzahl der Priester ausgerichtet ist, sondern die Geistbegabung aller Getauften ernst nimmt, deren Charisma weckt und Raum zur Entfaltung gibt? Und wie kann die Kirche von innen mit ihrem eigenen Verständnis von Katholisch-Sein aus ihrer Krise des Machtmissbrauchs, der Kommunikationsunfähigkeit und des Vertrauensverlustes herausgeführt werden? Dies seien "zwei brennende Fragen der Seelsorge", die im Zentrum der Preisverleihung im kommenden Jahr stehen, heisst es in der Mitteilung. "Freimachende Antworten" auf diese Fragen gäben die beiden Preisträger, der deutsche Jesuitenpater Klaus Mertes und der französische Erzbischof Albert Rouet.

"Zukunftsarbeit" für die Kirche

Mertes, geboren 1954, war von 2001 bis 2011 Rektor des katholischen Gymnasiums Canisius-Kolleg in Berlin. Er machte im Januar 2010 Fälle von Missbrauch und Misshandlung in den 1970er und 1980er Jahren am Canisius-Kolleg öffentlich bekannt. Dies führte zur Aufdeckung weiterer Taten auch an Schulen nichtkirchlicher Träger und löste eine deutschlandweite Missbrauchsdebatte aus. Derzeit ist Mertes Direktor des Kollegs St. Blasien im Schwarzwald. Im Missbrauchsskandal sehe der Jesuit den "Auftrag", zu zeigen, wie Vertrauen und Glaubwürdigkeit neu werden können, schreibt die Stiftung. Seine Aufgabe sehe er nicht in der "rückwärtsgerichteten Anklage", sondern in einer "Zukunftsarbeit für seine Kirche, die schlimme Erfahrungen radikal ernst nimmt".

Bischof Albert Rouet (Bild: z.VG.)

Förderer kleiner christlicher Gemeinschaften

Rouet, geboren 1936, war von 1994 bis 2011 Erzbischof von Poitiers. Der nunmehr emeritierte Erzbischof habe es bewusst vermieden, die Seelsorgestrukturen so anzupassen, dass die verbliebenen Priester ausreichten, heisst es in der Mitteilung weiter. Den Begriff "Pfarrei" habe er praktisch abgeschafft, um nicht in alte Muster zurückzufallen. Von Grosspfarreien hält er nach Angaben der Stiftung nichts. Stattdessen habe Rouet übersichtliche christliche Gemeinschaften gedeihen lassen, die in der unmittelbaren Nachbarschaft verankert sind und dort ihr Wirken entfalten.

Die Preisverleihung der Herbert-Haag-Stiftung findet am Sonntag, 16. März, in Luzern statt.

Der Preis für Freiheit in der Kirche wurde gestiftet von Herbert Haag (1915-2001), Professor für Altes Testament an der Universität Tübingen. Mit dem Preis werden Personen und Institutionen ausgezeichnet, die sich für Freiheit in der Kirche einsetzen.

2013 wurden US-amerikanische Ordensfrauen mit dem Preis ausgezeichnet, 2012 die österreichische "Pfarrer-Initiative", 2011 die Verborgene Kirche Tschechiens und der Slowakei sowie der Luzerner Bibelwissenschafter Walter Kirchschläger. (kipa/com/arch/bal/ami)


Interview mit Papst Franziskus

von Administrator

Papst Franziskus

Deutsche Übersetzung der italienischen Leitfassung, welche am 19. September auf www.laciviltacattolica.it/it erscheint.

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Beim jährlichen Treffen der Chefredakteure der europäischen Jesuitenzeitschriften, in diesem Jahr vom 5. bis 9. Juni in Lissabon, wurde die Idee ventiliert, den neuen Papst um ein Interview zu bitten. Über Federico Lombardi SJ wurde ein Kontakt hergestellt. Papst Franziskus willigte nach anfänglichem Zögern ein. Fragen der einzelnen Chefredakteure wurden an Antonio Spadaro SJ, Direttore der Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ übermittelt, der sich am 19., 23. und 29. August 2013 jeweils für mehrere Stunden mit dem Papst traf und dabei die Fragen der Chefredakteure mit ihm durchging, eher gesprächsweise als in Form eines Interviews, wie er am Ende offenlegt.

Es ist das erste längere Interview des neuen Papstes überhaupt, das er, nach einer am 14. Juni 2013 für die Redaktionsmitglieder der „Civiltà Cattolica“ gegebenen Audienz, gegeben hat.

Zeitgleich erscheint das Interview in verschiedenen anderen europäischen Sprachen auf der Website der anderen Zeitschriften, außerdem in „Mensaje“ (Chile) und „America Magazine“ (New York), dort natürlich in derselben Übersetzung wie beim britischen Online-Journal „Thinking faith“ der britischen Jesuiten.

Sigrid Spath (Rom) übernahm das erste Drittel der deutschen Übersetzung, Eberhard von Gemmingen SJ, unterstützt von Eugen Hillengass SJ (beide München), besorgten den Rest. Für die redaktionelle Einrichtung zeichnen Johannes Baar SJ und Andreas R. Batlogg SJ verantwortlich.

Versammelt waren die Chefredakteure der Zeitschriften „Anoixtoi Orinzontes“ (Athen), „Broteria“ (Lissabon), „Choisir“ (Genf), „Études“ (Paris), „La Civiltà Cattolica“ (Rom), „Obnovljeni Zivot“ (Zagreb), „Razon y Fe“ (Madrid), „Signum“ (Uppsala), „Stimmen der Zeit“ (München), „Streven“ (Antwerpen), „A Sziv“ (Budapest), „Thinking Faith“ (London) und „Viera a Zivot“ (Batislava). Ausserdem waren zwei Gäste aus Chile und Venezuela anwesend.


„Über Sexualität redet man immer nur in der dritten Person.“ Interview mit Klaus Mertes SJ

von Administrator

Klaus Mertes SJ

Erschienen im Tages Anzeiger vom 17. September 2013, S. 27.

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Interview mit dem Generaloberen P. Adolfo Nicolás zum Konflikt in Syrien

von Administrator

Soldat in Syrien

P. General Adolfo Nicolás SJ hat sich in einem Interview dem Aufruf von Papst Franziskus angeschlossen, am kommenden Samstag einen Fast- und Gebetstag für den Frieden in Syrien abzuhalten, und sich zur aktuellen politischen Situation geäussert. Wir dokumentieren das Interview in einer inoffiziellen Übersetzung verbunden mit der Anregung, das Anliegen des Papstes in den Kommunitäten und Werken aufzugreifen:

Der Heilige Vater hat sich klar für den Frieden in Syrien ausgesprochen, der durch einen möglichen Angriff durch die Vereinigten Staaten und Frankreich bedroht ist. Wie denken Sie darüber?

Für gewöhnlich nehme ich keine Stellung zu Dingen, die internationale oder politische Situationen betreffen. Aber in diesem Fall haben wir es zu tun mit einer humanitären Situation, die über die Grenzen hinausgeht, die mich normalerweise schweigen lassen. Ich muss gestehen, dass ich nicht verstehen kann, wer den Vereinigten Staaten oder Frankreich das Recht gibt, gegen einen anderen Staat in einer Weise zu agieren, die sicherlich dazu führen wird, dass das Leiden der Bevölkerung dieses Staates zunimmt, die übrigens schon mehr als genug gelitten hat. Gewalt und Gewaltakte, wie sie geplant sind, müssen immer das letzte Mittel sein und so gehandhabt werden, dass nur der Schuldige davon betroffen ist. Im Falle eines Staates ist dies offensichtlich unmöglich unter Kontrolle zu halten, und daher erscheint es mir völlig ungerechtfertigt. Wir Jesuiten unterstützen 100-prozentig den Heiligen Vater und wünschen von ganzem Herzen, dass der angedrohte Angriff auf Syrien nicht ausgeführt wird.

Aber hat nicht die Welt eine Verantwortung, etwas gegen diejenigen zu tun, die ihre Macht gegen ihr eigenes Volk missbrauchen, wie eine Regierung, die Chemiewaffen in einem Konflikt einsetzt?

Wir haben es hier mit drei verschiedenen Problemen zu tun, und es ist wichtig, dies klar zu benennen. Das erste ist, dass jeder Machtmissbrauch zu verurteilen und zurückzuweisen ist. Und bei allem Respekt vor dem amerikanischen Volk denke ich, dass eine militärische Intervention wie die geplante selbst ein Machtmissbrauch ist. Die USA müssen aufhören, wie der grosse Nachbarsjunge in der Welt zu agieren und reagieren. Dies führt unweigerlich zum Missbrauch, zur Schikanierung und zum Mobbing der schwächeren Mitglieder einer Gemeinschaft.
Der zweite Punkt ist, dass, auch wenn Chemiewaffen eingesetzt wurden, dies noch so nachgewiesen werden muss, dass für die ganze Welt klar ist, dass eine Seite in dem Konflikt sie benutzt hat und nicht die andere Seite. Es ist nicht ausreichend, dass einige Mitglieder der strafenden Regierungen ihre Überzeugung darlegen. Sie haben die Welt zu überzeugen, so dass die Welt ihnen vertrauen kann. Dieses Vertrauen liegt heute nicht vor, und viele haben bereits zu spekulieren begonnen über die Hintergedanken, die die USA möglicherweise bei der bevorstehenden Intervention haben.
Und das dritte Problem ist, dass die angedachten Mittel, die zur Bestrafung des Missbrauchs als angemessen angesehen werden, nicht die vielen Opfer des ursprünglichen Missbrauchs schädigen dürfen, wenn er denn einmal nachgewiesen ist. Erfahrungen in der Vergangenheit lehren uns, dass dies praktisch unmöglich ist (selbst wenn wir die Opfer als „Kollateralschäden“ bezeichnen) und dass die Ergebnisse das Leiden der normalen unschuldigen und armen Menschen vergrössern. Wir alle wissen genau, dass die grossen Weisen und die Regionsstifter aller Traditionen und Kulturen sich darum gesorgt haben, menschliches Leiden zu vermindern. Es ist sehr beunruhigend, dass wir im Namen der Gerechtigkeit einen Angriff planen, der das Leiden der Opfer vergrössern wird.

Urteilen Sie nicht zu hart gegenüber den Vereinigten Staaten?

Ich glaube nicht. Ich habe kein Vorurteil diesem Staat gegenüber, und einige amerikanische Jesuiten arbeiten mit mir zusammen, deren Meinung und Dienst ich sehr schätze. Ich habe niemals negative Gefühle entwickelt gegen die Vereinigte Staaten, ein Land, das ich in vielen Punkten bewundere, das Engagement, die Spiritualität und das Gedankengut eingeschlossen. Aber was mich jetzt am meisten beunruhigt, ist dass genau dieses Land, das ich so sehr schätze, in diesem Moment solch einen schrecklichen Fehler macht. Und ähnliches betrifft Frankreich. Ein Land, das in Geist und Intelligenz wirklich führend war und das für die Zivilisation und die Kultur solch einen grossen Beitrag geleistet hat, ist jetzt dazu verleitet, uns in die Barbarei zurückzuführen, in offenem Widerspruch zu dem, wofür Frankreich für viele frühere Generationen ein Symbol war: Dass zwei solche Staaten sich zusammentun zu einem solch ungeheuerlichen Schritt ist Bestandteil der weltweiten Empörung. Wir fürchten nicht den Angriff; wir fürchten die Barbarei, in die wir gebracht werden.

Aber warum sprechen Sie jetzt so offen?

Weil jetzt Gefahr droht. Weil der Heilige Vater eine ausserordentlichen Massnahme ergriffen hat, um auf die Dringlichkeit der Stunde hinzuweisen. Es ist eine ausserordentliche Massnahme, den 7. September als einen Tag des Fastens für den Frieden festzulegen, und wir wollen uns ihm darin anschliessen. Wir erinnern uns, dass an einer Stelle im Evangelium, als Jesu Jünger einen jungen Mann nicht von einem Dämon befreien konnten, Jesus zu ihnen sagte: „Diese Art von Dämon wird nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben.“
Ich finde es extrem erschütternd, dass ein Staat, der sich selbst wenigstens dem Namen nach als christlich bezeichnet, es nicht schafft, eine andere Handlungsweise zu finden, die nicht „militärisch“ ist, sondern dazu beiträgt, die Menschheit zum Gesetz des Dschungels zurückzuführen.

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Von Füchsen, Igeln und der Kunst des Lesens

von Administrator

P Niklaus Brantschen SJ

Kolumne von Niklaus Brantschen SJ, erschienen in der „Schweiz am Sonntag“ vom 25. August 2013

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