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Schrei der Armen: Valerio Ciriello SJ zum 50. Jahrestag des Sekretariats für Gerechtigkeit & Ökologie

von Pia Seiler

Die Gesellschaft Jesu feiert dieser Tage den 50. Jahrestag ihres Sekretariats für soziale Gerechtigkeit und Ökologie (SJES). «Der Schrei der Armen und der Erde – es ist Zeit zu antworten»: Unter dieser Überschrift trafen sich vom 4.-8. November in Rom 210 Jesuiten, Experten und Aktivisten aus allen Kontinenten. Sie eint der Einsatz für das, was Papst Franziskus die «Peripherien der Welt» nennt. Scholastiker Valerio Ciriello SJ, Teilnehmer aus der Schweiz (1. Pultreihe 4.v.l), schildert seine Eindrücke. 

Pedro Arrupe SJ, der damalige Generalobere der Jesuiten, hat das Social Justice and Ecology Secretariat (SJES) 1969 ins Leben gerufen – im Jahrzehnt und im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Heute sind die Herausforderungen noch komplexer als im Gründungsjahr. Umweltzerstörung, Vertreibung, Ausbeutung schreiten voran – die Menschheit befindet sich in einer Wendezeit. So verfolgte das SJES-Treffen drei Ziele: die Treue Gottes auf diesem Weg zu feiern; den Fahrplan für die Umsetzung der Allgemeinen Apostolischen Präferenzen, Leitlinien der Jesuiten für die nächste Dekade; Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Akteuren zu schaffen. 

Das Spektrum reichte vom Kampf gegen die Umweltzerstörung in Honduras hin zur Rehabilitierung junger Gang-Mitglieder in den Vereinigten Staaten. Vom Einsatz für Dalits und vertriebene Angehörige indigener Stämme hin zu Bildungsangeboten für Jugendliche in Afrika. Von der Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen in Europa hin zum Engagement gegen den Klimawandel. Inputs dazu kamen von Ismael Moreno SJ, der mit Menschen in Honduras gegen die Ausbeutung durch multinationale Unternehmen kämpft; Gregory Boyle SJ, Direktor von Homeboy Industries, Organisation für ehemalige Gang-Mitglieder in Los Angeles; Sunita Narain, indische Ökologin und Aktivistin; Kardinal Michael Czerny SJ, vatikanischer Untersekretär für Flüchtlinge und Migranten; Jeffrey SachsUS-Ökonom und Direktor des Earth Institute; Noluthando Honono, junge südafrikanische Aktivistin.

Zum Auftakt forderte Arturo Sosa SJ alle Teilnehmer auf, «diesen ganz besonderen Moment zu nutzen, in dem Gott uns einlädt, uns zu erinnern, zu danken, zu unterscheiden und mutige und gewagte Entscheidungen zu treffen, um Jesus und sein Volk zusammen mit den Ausgeschlossenen, Armen und Schwächsten zu begleiten».

Hier finden Sie die Rede von Pater General Arturo Sosa SJ zum 50. Jahrestag des Sekretariats für soziale Gerechtigkeit und Ökologie

 

Persönliche Eindrücke von Scholastiker Valerio Ciriello SJ, Kongress-Teilnehmer aus der Schweiz: 

Innere Umkehr, Zusammenarbeit, Radikalität: drei Stichworte, die mich begleiten 

Um was ging es am Jubiläum des Sekretariats für soziale Gerechtigkeit und Ökologie in Rom? Vordergründig weniger um den Status quo des Sozialapostolates des weltweit tätigen Jesuitenordens. Wurden konkrete Entscheide gefallen? Eben nicht, und es ist gut so. Für Xavier Jeyaraj SJ, Vorsitzender des Sekretariats, sollte der Kongress weniger konkrete Handlung anvisieren, sondern viel mehr einen spirituellen Weg aufzeigen, damit wir vom Geist zur Erneuerung geführt werden können. Damit eine positive Spannung zwischen Sein und Tun entstehen kann, um schlussendlich mehr im Sein zu weilen als im Tun.

Im Zentrum standen Armutsbekämpfung, Entwicklung, Gerechtigkeit, Stimme der Jugendlichen in der Kirche, Umweltkrise – alles Themen, die mit dem Sozialapostolat in Berührung kommen. Es waren fünf sehr intensive Tage, die nicht einfach in ein paar Zeilen zusammengefasst werden können. Der geistliche Ansatz des Kongresses hilft jedoch, Richtwerte aus dem Gesagten herauszufiltern, welche für die konkrete Gestaltung unserer Arbeit als Jesuiten Inspirationsquelle sind. Ich möchte mich auf drei dieser Richtwerte fokussieren:  innere Umkehr, Zusammenarbeit und Radikalität.

Innere Umkehr
Der Akzent auf die innere Umkehr war hilfreich – eine unentbehrliche Voraussetzung, um institutionelle oder strukturelle Konversion herbei zu führen. Dabei wurde klar, dass auch wir als Jesuiten einer persönlichen Umkehr bedürfen! Sind wir bereit, den Wunsch nach Status, Prestige loszulassen um die Zusammenarbeit mit anderen zu ermöglichen? Ist uns bewusst, dass wir nicht immer in der Pole-Position sein können, nicht immer in Führungspositionen sitzen werden? Um etwas zu erreichen, müssen wir in der Lage sein, auch Nebenrollen zu spielen. «Ihr seid das Salz der Erde» (Matthäus 5,13) sagt uns unter anderem, eine bescheidene Haltung einzunehmen. Das Salz macht im Hinblick auf das Endresultat der entscheidende Unterschied in der Summe der Zutaten.  

Die institutionellen oder strukturellen Konversionen sind eine Konsequenz der inneren Umkehr und nicht dessen Voraussetzung. Mit anderen Worten geht es immer zuerst darum, dem Menschen zu begegnen, bevor strukturelle oder institutionelle Änderungen in der Welt angegangen werden. Aber was heisst das nun? Grundsätzlich heisst es, jede und jeden auf Augen- und Ohrenhöhe zu begegnen, auch wenn die Meinungen divergieren. Haltungen wie «wir wissen es besser» werden uns in unserer Arbeit nicht weiterführen. Nur so können wir hoffen, dass Veränderungen in uns und in anderen stattfinden. Diese innere Haltung ist auch die Grundvoraussetzung für den nächsten Richtwert: die Zusammenarbeit.

Zusammenarbeit
Während des Kongresses wurde immer wieder betont, wie wichtig die Zusammenarbeit ist. Was ist darunter zu verstehen? Ordensintern, dass wir unsere Mitarbeitenden als Menschen wahrnehmen, die fürs gleiche Ziel hinarbeiten. Wir brauchen die Zusammenarbeit mit anderen; wir begehen sonst «Selbstmord», wenn wir Menschen auslassen, unverbunden bleiben, nur auf einem Fuss stehen. In diesem Zusammenhang kam auch die Frage auf, ob wir als Orden auch für unsere nicht-jesuitischen Kolleginnen und Kollegen einen Aus- und Weiterbildungsfonds einrichten sollten. Persönlich würde ich dies sehr begrüssen.

Es geht nicht nur um interne Zusammenarbeit, sondern um Zusammenarbeit in umfassendem Sinn und gipfelte im Aufruf, sich vor allem ausserhalb des Ordens zu vernetzten. Wir sind als Orden und als Ordensmänner eingeladen, ein Gefühl von Gemeinschaft um uns aufzubauen, vor allem mit denjenigen, die mit uns die gleichen Kämpfe teilen. Der Aufbau eines Gemeinschaftsgefühls bedingt, dass wir uns vermehrt gegenüber der Aussenwelt öffnen. Zweifelsohne ein guter Beginn ist das Kultivieren und Pflegen der Beziehungen mit unseren Arbeitskolleginnen und Kollegen – unseren Mitstreiterinnen und Mitstreitern.

Unser Ordensgründer Ignatius von Loyola war ein grosser Beziehungsmensch und Netzwerker. Da sehe ich eine riesige Chance für uns und für die Welt! Networking verbindet Stärken, am besten mit einer Haltung der Demut wie bereits erwähnt. Die Mission, die Arbeit ist gross, der einzelne Jesuit ist klein. Wie können wir Frauen und Männer für andere werden, wenn nicht mit und hinter anderen? Zusammenarbeit ist die harte Währung der Vernetzung. Für uns Jesuiten ist die Vernetzung ein wichtiger Prozess und der Zweck apostolisch in den Diensten unserer bedürftigsten Mitbrüder und –Schwestern zu sein. Der Kongress zeigte auf, wie eine breitere und vernetzte Mission anhand der «synodalen Methode», gar einer «synodalen Bekehrung» gelingen kann. Das setzt eine tiefere Gemeinschaft und integrative Teilnahme voraus mit allen. Wir brauchen mehr Führungspersönlichkeiten, die für einen authentischen Synodalstil eintreten, welche in der Einheit (nicht der Uniformität) die Stimme des Geistes widerspiegelt.

Radikalität
In Fragen und Vorträgen im Plenum und danach in Arbeitsgruppen kamen wir immer wieder auf Radikalität zu sprechen. Dies erhärtet mein Eindruck, dass uns radikale Änderungen bevorstehen.

So wurden etwa die Rezepte des Wirtschaftsprofessors Jeffrey Sachs, wie man die Ungerechtigkeiten in der Welt bekämpfen könne, substantiell und radikal in Frage gestellt. Auf den Punkt gebracht ist Sachs der Meinung, dass mit einer Spende von 1 Prozent des Bruttoinlandproduktes der reichen Länder das Problem der Armut in Ländern des globalen Südens gelöst werden könne. Vielen Teilnehmern und Referenten des Kongresses war klar, dass die Lösung nicht in der «Entwicklungshilfe» liegt. Prioritär ist die Ausarbeitung eines eigenen Wirtschaftsmodells der armen Länder, welches nicht auf das neoliberale und auf Konsum basierte Modell abstützt. Doch wie bereits eingangs erwähnt, institutionelle oder strukturelle Änderungen können nur folgen, wenn jeder Einzelnen von uns den langen Weg zur eigenen Umkehr auf sich nimmt.

Zusammenfassend bin ich überzeugt, dass wir uns vom heutigen homo consumericus (Konsummensch) immer mehr zum homo integralis (ganzheitlicher Mensch) entwickeln müssen. Es ist kein Zufall, dass Papst Franziskus das vatikanische «Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen» eingerichtet hat und u.a. den alten «Rat für Gerechtigkeit und Frieden» in die neue Struktur einfliessen liess. Die Probleme dieser Welt werden wir nicht langfristig anpacken können, wenn wir lediglich eine «Symptombekämpfung» betreiben. Wir müssen beim Menschen als solchen ansetzten, und das heisst: bei uns selber.  

Selbstredend, dass wir alleine die vielen Probleme dieser Welt nicht lösen können, aber wie sagt Papst Franziskus sinngemäss: Lass uns Prozesse starten; alles ist miteinander verbunden! Wir tun gut daran, uns zu erinnern: Wir alle, die unser Leben auf dieser Erde teilen, sind Brüder und Schwestern. Wir alle teilen auf dieser kleinen und zerbrechlichen Erde den gleichen kurzen Moment des Lebens. Wir alle suchen nichts anderes als die Chance, unser Leben in Würde zu gestalten und hoffen auf Glück. Uns eint das Band des gemeinsamen Glaubens an die Menschheit und des gemeinsamen Ziels einer besseren Zukunft für alle. Ganz sicher können wir vermehrt noch lernen, die Menschen um uns herum als ebenwürdige Mitmenschen zu betrachten, ganz sicher können wir auch intensiver zusammenarbeiten, die gegenseitigen Wunden verbinden und in unseren Herzen Brüder und Schwestern der Menschheitsfamilie werden.

Bereits Ambrosius, im vierten Jahrhundert Kirchenlehrer und Bischof von Mailand sagte: «Es ist nicht dein Gut, mit dem du dich gegen den Armen grosszügig weist. Du gibst ihm nur zurück, was ihm gehört. Denn du hast dir herausgenommen, was zu gemeinsamer Nutzung gegeben ist. Die Erde ist für alle da, nicht nur für die Reichen.»

Valerio Ciriello SJ

 


Einminuten-Sonntags-Botschaft der jungen Jesuiten gewinnt den Bonifatius-Preis

von Pia Seiler

Mit den One Minute Homilies kurz OMH übersetzen junge Jesuiten an Sonn- und kirchlichen Feiertagen die biblische Botschaft mit kurzen Videos in die alltägliche Lebenswelt der Menschen. Das gab für die prominent besetzte Jury rund um den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf den Ausschlag, warum sich das Videoformat unter den 220 Einsendungen durchsetzen konnte. Mit den Impulsen finde die Botschaft Jesu wieder einen Platz in der Sprache der Menschen, «auch der Menschen, die sich ausserhalb der kirchlichen Räume bewegen, aber dennoch auf der Suche nach spirituellen Anregungen sind», so Bischof Kohlgraf. «Die Initiatoren verlassen mutig die gewohnte kirchliche Umgebung und zeigen, wie das Evangelium in einer pluralistischen und ausdifferenzierten Gesellschaft zeitgemäss verkündet werden kann.»

Der Bonifatius-Preis ist mit 3 000 Euro dotiert und würdigt den Einsatz von Menschen, die in ihren katholischen Pfarrgemeinden, in Institutionen und Verbänden oder als Einzelpersonen den Glauben in engagierter, aussergewöhnlicher Weise weitergeben. Zur Jury gehörten unter anderem Bundesministerin Julia Klöckner, Journalistin und Moderatorin Gundula Gause, die Mauritzer Franziskanerin Sr. Maria Magdalena Jardin und der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

Scholastiker Dag Heinrichowski SJ hat das Projekt von Amerika in die deutschsprachigen Provinzen Deutschland, Österreich und Schweiz geholt. Zusammen mit Jonas Linz SJ (unten im Video-Bild) und Pia Dyckmans, Verantwortliche Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Jesuiten-Provinz, hat er den Preis entgegengenommen.  «Es war eine ganz schöne Überraschung, als ich einen Anruf aus Paderborn erhielt, sagte Dag Heinrichowski SJ an der Verleihung. «Der Preis ist eine grossartige Wertschätzung und Anerkennung für unser Projekt. Gleichzeitig spornt er uns an, dass wir noch mehr versuchen müssen, die katholische Filterblase zu verlassen.»

Hier finden Sie die Einminuten-Botschaften der jungen Jesuiten

aktuelles OMH vom 8.11.2019: Ist Jesus nur ein toller Typ?


Choisir – die Wahl, über den Tag hinaus zu denken: Die Westschweizer Zeitschrift feiert ihr 60-Jahr-Jubiläum

von Pia Seiler

Im November 1959 erschien die Westschweizer Zeitschrift Choisir zum ersten Mal – und hat all die Presseverwerfungen der letzten Jahrzehnte überlebt: Die profilierte Revue culturelle jésuite d’information et de réflexion feiert ihren 60. Geburtstag.

Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, vertieft religiöse, kulturelle, gesellschaftliche Themen und richtet sich an wache Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die über den Tag hinaus denken wollen. Prägten während vieler Jahre die drei Jesuiten und Gründer Raymond Bréchet, Jean Nicod und Robert Stalder die Zeitschrift, besteht das Redaktionsteam heute aus Pierre Emonet SJ, Lucienne Bittar und Céline Fossati. Herzliche Gratulation nach Genf in der Hoffnung auf viele weitere Jahre der klugen Berichterstattung und Meinungsäusserung.  

Hier gelangen Sie zu einem Hintergrundbericht über die Zeitschrift Choisir

   


«Sodom – Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan»: Reaktion von Franz-Xaver Hiestand SJ

von Pia Seiler

Frédéric Martel setzt sich in Frankreich seit Jahren für die Rechte Homosexueller ein und hat die Regierung beraten bei der Einführung der eingetragenen Partnerschaften. Nun legt der 52-jährige französische Soziologe mit «Sodom – Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan» ein Buch vor, dass zu reden gibt. Es ist über 600 Seiten lang und basiert auf angeblich über tausend Informanten, darunter Kardinäle und Bischöfe, ohne sie beim Namen zu nennen. Es gehe ihm nicht um den Skandal, sagt Martel in einem Interview im französischen Fernsehen.  «Es ist nicht meine Absicht, diese Männer zu kritisieren oder sie zu Lebzeiten zu outen. Doch ist es notwendig, ein System zu entlarven.»

Der Zürcher Jesuit und Hochschulseelsorger Franz-Xaver Hiestand befürwortet die Publikation. Der Autor versuche, eine kirchliche Realität analytisch zu fassen, die latentes Dauerthema sei und Quelle unzähliger Intrigen. «Insofern ist es ein notwendiges Buch. Doch ich sehe auch Schwächen», so Hiestand im Beitrag von Georges Scherrer auf kath.ch. Dem Werk mangle es stellenweise an der nötigen Sorgfalt. Oft sei unklar, was Zitat sei und was Martels eigene Meinung und wie er zu seinen reisserischen Thesen komme. Schade findet Hiestand zudem, dass der Autor nicht tiefer sondiert hat in der Frage, warum es in der katholischen Kirche überdurchschnittlich viele homosexuell veranlagte oder homophil empfindende Männer gibt. Der Psychologe Carl Gustav Jung habe schon vor Jahrzehnten Erhellendes zu dieser Frage beigetragen.

Hier gelangen Sie zur Reaktion von Franz-Xaver Hiestand SJ zum Buch «Sodom» 


Stephan Rothlin SJ über die aktuelle Lage in Hongkong: «Der Riss geht oft durch Familien.»

von Pia Seiler

«In Hongkong prallen gerade zwei verschiedene Systeme aufeinander», sagt der Schweizer Jesuit Stephan Rothlin im Interview mit Raphael Rauch auf kath.ch. «Kaum eine Seite ist bereit, Zugeständnisse zu machen. Der Riss geht oft durch Familien.»

Stephan Rothlin SJ lehrt seit 1998 in China Wirtschaftsethik, ist oft auch in Hongkong für Kurse zu Kontemplation und Leadership und berichtet von einer Predigt, die er dort Anfang Oktober in einem Sonntags-Gottesdienst gehalten hat. «Ich habe die Unruhen thematisiert. Die Frage war: Wo setzen wir Werte? Sind wir vom CCCC-Singapur-Traum gesteuert – also Cash, Car, Credit Card, Condominium (Wohneigentum) – oder von den Werten des Glaubens? Ich habe die Hoffnung ausgedrückt, dass der Glaube helfen kann zu versöhnen.»

Hier gelangen Sie zum Interview mit Stephan Rothlin SJ über Hongkong


Schweiz-Besuch von Arturo Sosa SJ, dem Generaloberen der Jesuiten: Kurzfilm und Medienberichte

von Regula Lutz

Vier Tage, fünf Destinationen – und unzählige Begegnungen in den Werken der Schweizer Jesuiten: Pater General Arturo Sosa SJ hat auf seinem ersten Schweiz-Besuch vom 19. bis 22. September 2019 Herz und Geist vieler erreicht. Filmisch hat Benedikt Arndgen die Tage in einem Kurzvideo festgehalten, siehe oben. Mitte November 2019 folgt ein längerer Rückblick des jungen Filmemachers. Unten finden Sie zudem die Links zu Radio- und Presseberichten.

Die Schweiz-Visite von Pater General können Sie auch hier nochmals nachverfolgen. Sie begann am 19. September 2019 in Carouge bei Genf, wo sich Arturo Sosa SJ mit Vertretern von humanitären Organisationen traf – darunter Frauen und Männer des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Studierende und Lehrkräfte vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS und von Jesuit Worldwide Learning JWL berichteten in berührenden Videobotschaften aus Afghanistan bis Malawi über ihre Herausforderungen, Hoffnungen und Träume.
In Zürich trat der Jesuitengeneral an die Öffentlichkeit. Gut 300 Leute strömten am Freitagabend an die Universität zum Podiumsgespräch. Arturo Sosa diskutierte während zwei intensiven, spannenden Stunden mit fünf Persönlichkeiten der Schweizer Kirchen und Medien zum Thema «Christsein heute – Kirche wohin?»
Der Samstagmorgen war für Jesuiten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reserviert. Eine kleine Jesuiten-Delegation begleitete Arturo Sosa anschliessend in den Flüeli Ranft. Der aus Venezuela stammende Generalobere weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung. Er nützte die Wallfahrt zu Bruder Klaus in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen. Den Samstagabend verbrachte Arturo Sosa im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn ob Zug, ein Haus der Stille – und gleichzeitig das grösste katholische Bildungszentrum des Landes.
Schlusspunkt am Sonntag war der festliche Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern

Medienberichte über den Schweizbesuch von Pater General Arturo Sosa:

«Maduro ist ein falscher Sozialist»: Interview von Michael Meier im Tages-Anzeiger
2019-09-25_Interview Arturo Sosa_Tagesanzeiger.pdf (483,0 KiB)
«Wir müssen endlich den Klerikalismus überwindent»: Bericht von Christa Amstutz in der Wochenzeitung Reformiert
190927_ArturoSosa_reformiertZH.pdf (249,3 KiB)

Arturo Sosa SJ, General der Jesuiten, im Interview im Tages-Anzeiger

von Pia Seiler

Der Jesuitengeneral und Politologe Arturo Sosa SJ äussert sich im Interview mit dem Tages-Anzeiger vom 24.9.2019 über die schwierige Lage in seiner Heimat Venezuela, die Amazonas-Synode, das Engagement der Jesuiten hier und jetzt. Wie Papst Franziskus versteht er sich als Anwalt der Armen, als Anwalt auch der Erde. So sagt er über die Amazonas-Synode, die am 6. Oktober 2019 in Rom beginnt: «Das Hauptthema der Synode ist die Ökologie, der Schutz des Regenwalds. Franziskus hatte 2015 seine Umwelt-Enzyklika Laudato si vorgelegt. Seither ist nichts passiert, es ist im Gegenteil schlimmer geworden.»

Hier gelangen Sie zum Interview von Michael Meier:

 

Arturo Sosa SJ besuchte vom 19. bis 22. September 2019 erstmals die Schweiz. Über die Stationen seiner Reise berichten wir hier. 


Sternstunden mit Pater General in der Schweiz

von Pia Seiler

Vier Tage, vier Destinationen, ein stiller Abstecher in den Flüeli Ranft – und unzählige Begegnungen in den Werken der Schweizer Jesuiten: Pater General Arturo Sosa SJ hat auf seiner ersten Schweiz-Visite vom Donnerstag 19. bis Sonntag 22. September 2019 Herz und Geist vieler erreicht.

In Carouge bei Genf traf sich Arturo Sosa SJ am Donnerstag im Haus der Jesuitenkommunität mit Vertretern von humanitären Organisationen – darunter Frauen und Männer etwa des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Berührend die Video-Grüsse am Ende des Abends: Studierende und Lehrkräfte vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS und von Jesuit Worldwide Learning JWL berichteten aus Afghanistan bis Malawi über ihre Herausforderungen, Hoffnungen und Träume. Ihre Geschichten wie auch die Worte von Arturo Sosa hallten lange nach: «Oftmals gehen Jesuiten davon aus, man müsse junge Menschen zu allem anleiten und ihnen den Weg zu Gott zeigen. Kennen wir diesen Weg denn selber genug? Vielleicht geht es nicht darum, den Jugendlichen zu helfen, sondern vielmehr, dass uns junge Menschen helfen können.»

Am Freitag in Zürich trat der Jesuitengeneral an die Öffentlichkeit. Gut 300 Leute strömten an die Universität zum Podiumsgespräch. Arturo Sosa diskutierte während zwei intensiven, spannenden Stunden mit fünf Persönlichkeiten der Schweizer Kirchen und Medien zum Thema «Christsein heute – Kirche wohin?». 
Der Samstagmorgen war für die Gemeinschaft der Jesuiten und Mitarbeitenden reserviert. 30 der 48 Jesuiten des Landes kamen in Zürich zusammen, darunter auch die fünf Schweizer Scholastiker; vier studieren zurzeit in Paris, einer absolviert bis September 2020 sein Magisterium bei JWL. Danach stiessen 30 Mitarbeitende der Deutschschweizer Werke dazu – eine Sternstunde, Pater General so nahbar und aufbauend zu erleben.  

Eine kleine Jesuiten-Delegation begleitete Arturo Sosa anschliessend in den Flüeli Ranft. Der aus Venezuela stammende Generalobere weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung. Er nützte diese kleine Wallfahrt zu Bruder Klaus in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen.
Den Samstagabend verbrachte Arturo Sosa im Lassalle-Haus ob Zug, ein Haus der Stille – und nicht nur grösstes Werk der Jesuiten der Schweiz, sondern auch grösstes christliches Bildungszentrum des Landes.

Als Schlusspunkt am Sonntag dann der festliche Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern. Die grosse Gottesdienst-Gemeinschaft traf sich danach zum Aperitif. Mittendrin Pater General, Chef von weltweit gut 15 000 Jesuiten – unkompliziert, herzlich, echt. Auf Wiedersehen, Pater General!


So 22.9.2019 Luzern: Festgottesdienst in der Jesuitenkirche

von Administrator

Festlicher und herzlicher Schlusspunkt von Arturo Sosas Schweizvisite

Arturo Sosa SJ beendete seinen viertägigen Schweizbesuch am Sonntagmorgen mit einem festlichen Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern. Zeit für Stille und Einkehr, Zeit auch für einen vielstimmigen Lobpreis: Das Collegium Musicum führte die Missa Palatina  von Martin Schmid SJ (1694-1772) auf – der gebürtige Baarer hatte in den einstigen Jesuitenmissionen Südamerikas gelebt, gewirkt und komponiert. Danach gab es für die grosse Gottesdienst-Gemeinschaft in der Kornschütte einen Aperitif – mittendrin «Pater General», Chef von weltweit gut 15 000 Jesuiten, menschennah, herzlich, echt.

«Lobet den Herrn», erschallte es laut in der voll besetzten Jesuitenkirche zu Luzern: Als Höhepunkt der Generalsvisite hatten die Schweizer Jesuiten zum Festgottesdienst ins Juwel der Schweizer Provinz am Reuss-Ufer eingeladen. Zur feierlichen Untermalung wurden unter der Leitung des Dirigenten Pascal Mayer die Solisten, das Vokalensemble und die Instrumentalisten des Collegium Musicum Luzern aufgeboten. Zu den erhebenden Klängen von Johann Sebastian Bach zogen die Zelebranten ein: Pater General Arturo Sosa SJ und sein Assistent Tomasz Kot SJ, Provinzial Christian Rutishauser SJ und sein Socius Josef Bruhin SJ, der Rektor der Jesuitenkirche Pater Hansruedi Kleiber SJ sowie als Diakon der Scholastiker Martin Föhn SJ. 

Der Gottesdienst wurde mehrsprachig gefeiert: Die Lesung, der Psalm und das Evangelium auf Deutsch, die meisten Gebete und die Predigt auf Englisch. Ein Festgottesdienst – auch musikalisch: Das Collegium Musicum führte die Missa Palatina des Schweizer Komponisten und Jesuiten Martin Schmid SJ (1694-1772) auf, dessen Geburtstag sich in wenigen Tagen, am 26. September, zum 325. Mal jährt. 

Schmid hatte viele Jahre in den ehemaligen Jesuitenmissionen Südamerikas (sogenannte «Reduktionen», Schutzzonen für Indios vor den Übergriffen spanischer und portugiesischer Sklavenjäger) gelebt und gewirkt und komponierte in den Wäldern des Amazonas Barockmusik: nicht bloss aus Liebe zur Schönheit, vielmehr als Instrument der Glaubensverkündigung an die Eingeborenen. Einige nennen diesen einzigartigen Musikstil, den Schmid zusammen mit seinem italienischen Mitbruder Domenico Zipoli SJ (1688-1726) entwickelt hat, «Dschungelbarock». Die rund 500 Gottesdienst-Feiernden – die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt – erlebten sinnlich und liturgisch mit der Missa Palatinaund der Motette Si bona suscepimus bedeutende Elemente der Jesuitengeschichte.

Die Lesung aus dem Buch Amos liess aufhorchen: Die prophetischen Warnungen gegen die Mächtigen und Reichen in der Welt gingen zu Herzen. Der anschliessende Psalm war Kontrapunkt, er handelte von der Gerechtigkeit Gottes. Das Sonntagsevangelium «Vom ungerechten Verwalter» folgte diesen hochaktuellen Themen. Pater General setzte dieses Gleichnis mit dem Evangelium des letzten Sonntags in Beziehung, wo das Gleichnis vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater im Zentrum gestanden war. Dabei betonte Arturo Sosa den Dreiklang von Gottesbeziehung, Gerechtigkeit und gelebtem Glauben (Predigt am Ende des Beitrags). 

Im Anschluss an den Festgottesdienst waren alle Besucherinnen und Besucher zum Aperitif in der Kornschütte am gegenüberliegenden Reuss-Ufer eingeladen. In der Halle des stattlichen mittelalterlichen Rathauses, wo bis heute das Luzerner Stadtparlament tagt, gab es Gelegenheit zu Gesprächen und zum Knüpfen von neuen Beziehungen. Wie ein Echo war immer wieder zu hören: «Ich freue mich – jetzt lerne ich Sie endlich persönlich kennen.» Mittendrin: Pater General mit seiner freundlichen, ja freundschaftlichen Menschennähe. Jesuiten, Gottesdienstbesucherinnen und –besucher, Gäste: Hier gab es keinerlei Berührungsängste. In familiär anmutender Atmosphäre wurde angestossen, gescherzt und den Moment in einem «Selfie» festgehalten. Eine lebendige Ordensgemeinschaft mitten unter und mit den Menschen – ad maiorem Dei gloriam!
Pascal Meyer SJ


Sa, 21.9.2019: Pater General im Flüeli Ranft

von Administrator

Bruder Klaus strahlt bis heute Frieden aus

Für viele Gläubige aus der Schweiz, ja aus dem ganzen deutschprachigen Raum ist der Flüeli Ranft ein Ort des Gebets und des Friedens, besonders im Bemühen um gute Entscheidungen. Die Jesuiten stehen da und dort in wichtigen Unterscheidungs- und Entscheidungsprozessen. Auch sie suchen Klarheit dazu im Hören auf Gott. 

So pilgerten gestern Nachmittag ein Dutzend Schweizer Jesuiten mit ihrem hohen Besuch aus Rom zu Bruder Klaus. Der heilige Niklaus von der Flüe steht für Stille, Gottsuche, Gebet, für Gerechtigkeit und Frieden, gerade auch in Zeiten, wo der Friede oft als unmöglich erscheint. 

Der aus Venezuela stammende Generalobere der Jesuiten Arturo Sosa weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung und Frieden. Er selbst nützte diese kleine Wallfahrt in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen.
Christoph Albrecht SJ

 

 


Sa, 21.9.2019: bei Mitbrüdern und Mitarbeitenden in Zürich

von Administrator

Arturo Sosa versteht sich als erster Mitarbeiter unter vielen

Ce n'est vraiment pas en «chef» des jésuites, mais en coopérateur parmi d'autres à la mission du Christ, que le Supérieur général Arturo Sosa a rencontré, sans façons et sans col romain, la plupart des 50 compagnons de Suisse, puis des nombreuses autres personnes engagées dans les institutions de la province, ce samedi matin à Zurich. 

Cette attitude humble et «relax» du jésuite vénézuélien venait appuyer en actes un message central dans ce tournant nouveau que la Compagnie internationale prend avec lui : une présence au cœur de la société plus discrète mais plus à l'écoute des hommes et des femmes de notre temps... et de Dieu ! Une priorité si déterminante, à l'heure où se fait tant sentir le besoin de sortir l'Eglise du cléricalisme, mais aussi de l'individualisme qui marque tant la société, en témoignant d'un Dieu qui aime et respecte les humains dans leur liberté, au point de les accompagner dans leur propre responsabilité envers le sort du monde.

Le P. Sosa n'a ainsi pas hésité à apostropher vigoureusement les jésuites suisses : avant de convertir la société, c'est à eux-mêmes de se laisser convertir par Dieu ; avant d'enseigner ou de planifier leur travail par des voies rationnelles, c'est une véritable attitude spirituelle qui doit leur permettre d'inviter d'autres personnes à prier, mais aussi les guider dans l'orientation de leurs futures missions. Pardon ! ce terme même de mission jésuite est encore l'occasion d'un rappel théologique décisif : c'est à la mission du Christ, à la mission de Dieu déjà à l'œuvre dans tant de cœurs et de processus sociaux, que les jésuites sont invités - par ce même Dieu ! - à participer, au lieu de risquer de se croire orgueilleusement dépositaires de leur propre "mission". Or le P. Sosa a rappelé le processus de partage spirituel et de prière qui a conduit les communautés et institutions du monde entier à réentendre de Dieu les quatre «préférences apostoliques» qui peuvent être les leurs en cette deuxième décennie du XXIème siècle. Un discernement en commun qui demande patience et humilité dans l'écoute et que le P. Sosa invite tous les jésuites à adopter comme moyen de décision habituel, non seulement en vue d'un résultat plus juste en vue du bien commun, mais aussi comme lieu de conversion et de témoignage évangélique supplémentaire. Ces quatre préférences ne sont pas des priorités, des domaines de travail, a fortement insisté le Supérieur général. Ce sont bien plutôt des points d'attention, des attitudes et des critères, selon lesquels toute œuvre jésuite doit à son tour discerner son action et son mode de vie propres, en fonction du contexte où elle s'inscrit.
Le P. Sosa a ainsi proposé comme modèle la figure d'Abraham, appelé par Dieu à quitter le confort de sa patrie, en lui disant non où aller, mais qu'Il le guiderait sur ce chemin. Selon les termes très précis de ces préférences apostoliques, les retraites ignaciennes ne sont donc pas une fin en soi, mais un moyen de trouver avec celles et ceux qui les vivent la "voie vers Dieu" de chacun-e. Il ne s'agit pas primordialement d'assister dans leurs besoins les "pauvres et les exclus", mais de "faire route" avec eux, comme les jeunes qui peuvent nous aider à comprendre le monde d'aujourd'hui. Enfin la transition écologique, mission la plus pressante de notre humanité, est surtout une œuvre commune à entreprendre avec toutes les bonnes volontés dans le monde... et avec les forces présentes dans la création elle-même !

Last but not least, le P. Sosa paraîtrait presque s'être laissé lui-même inspirer par la présentation enflammée de la Province qu'a offert le jeune jésuite en régence à JWL, Pascal Meyer ; après les œuvres des 6 villes suisses qu'il a présentées avec enthousiasme, c'est en effet à des jésuites en maison de retraite, si actifs dans le silence de leur prière que le scolastique a rendu un hommage touchant, mais aussi aux nombreu-se-s collaboratrices et collaborateurs des œuvres de la province, des cuisinièr-e-s aux administrat-rices et direct-rices d'institutions. De la même manière, le P. Sosa a insisté sur le fait que nous étions tou-te-s collaboratrices et collaborateurs, plutôt que des jésuites assistés par des employé-e-s laïques. Une occasion de relever que le travail des non-jésuites dans ces institutions ne doit rien avoir à envier, en qualité et en importance, à celui des jésuites ; mais aussi que le nombre décroissant de jésuite ne doit inquiéter personne, la qualité et la profondeur de ces derniers étant bien plus décisives !

Cette puissante et chaleureuse invitation à l'humilité et à une coopération active a sûrement fait du bien à tou-te-s les collaboratrices et collaborateurs présent-e-s, qu'ils et elles soient jésuites ou non...C'est ainsi dans un climat d'amitié et de simplicité que s'est déroulée la matinée, les temps d'échange autour d'un croissant, puis de prière au son d'un chant en espagnol proposé par le scolastique Mathias Werfeli, contribuant tout autant à sa réussite. Quel meilleur chemin envisager pour que la compagnie continue de témoigner, selon des voies toujours nouvelles, par une "vie-mission" où le style de vie est une activité apostolique en soi, de ce Jésus-Christ qui sauve l'humanité non comme un héros, mais en vivant avec elle et en l'accompagnant à travers toutes les joies et les vicissitudes de la vie.
Julien Lambert s.j.

 


Fr, 21.9.2019: Podium «Christsein heute – Kirche wohin»

von Administrator

«Grosse Schwester, lass dich nicht länger lähmen, wach auf, lebe den Glauben in Freiheit!»

Gut 300 Leute strömten zum Podiumsgespräch mit Jesuitengeneral Arturo Sosa an der Universität Zürich. Er traf am zweiten Tag seines Schweiz-Besuchs mit fünf Persönlickeiten der Schweizer Kirchen und Medien zusammen. Was sind die Antworten auf die Herausforderungen der Kirche in der heutigen Zeit? Was bedeutet es heute, Christ zu sein und welche Zukunft bietet sich den jungen Gläubigen?

Freitagabend, 20.9.2019: Eröffnet wurde das Podium «Christsein heute – Kirche wohin» durch Pater Provinzial Christian Rutishauser, der in seiner Einleitung die universale und globale Sendung der Jesuiten unterstrich, die sich im Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit heute mehr denn je in einem interkulturellen und interreligiösen Umfeld bewegen. Damit wurden auch gleich Eckpfeiler des Abends eingeschlagen, nämlich die Situation der universalen Kirche einerseits und der Lage der lokalen Kirche andererseits.

Judith Wipfler vom Schweizer Radio SRF 2 führte als Moderatorin die sechs Podiumsteilnehmenden gekonnt und mit viel Wissen durch den Abend und lud sie zu Beginn zu einem Eröffnungsstatement ein.

Barbara Hallensleben von der Universität Fribourg stellte ganz ignatianisch drei Thesen auf, die für sie die heutige Situation ausmachen: Kirche sei erstens nicht neu zu erfinden, sondern neu zu entdecken. Zweitens erfordere das universale Evangelium eine je eigene lokale Inkulturation und drittens werde Kirche heute vor allem ökumenisch gelebt, was sich in der vielfachen Zusammenarbeit und im Zusammenleben zeige.

Bischof Felix Gmür von Basel unterstrich, dass die Kirche in der Schweiz sehr vielfältig sei. Der Einfluss auf die Gesellschaft und die Individuen sei angesichts von Missbrauchsskandalen und einer immer grösseren Unabhängigkeit der Gläubigen zwar weiter am Schwinden, aber die Solidarität der Schweizer Gläubigen, gerade mit den Ärmsten, sei ungebrochen. Ein wichtiges Feld für Reformen sieht Bischof Gmür bei der Frage nach Gerechtigkeit innerhalb der Kirche.

Für Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), ist das einst stabile und konstruktive Verhältnis von Staat und Kirche nicht nur durch die äussere Säkularisation der Gesellschaft unter Druck geraten, sondern stehe durch die Missbrauchsskandale auch innerkirchlich immer mehr in der Kritik. Während in der Deutschschweiz dank aktuell guter Finanzen immer noch Strukturen erhalten würden, gelte in der welschen Schweiz dagegen schon jetzt die Devise «faire mieux avec moins – besser arbeiten mit weniger». In Anlehnung an Bischof Gmür sieht auch er die Gerechtigkeit innerhalb der Kirche als grosses Thema. Ohne Gleichberechtigung, Demokratie und die Respektierung der Menschenrechte könne die Kirche so nicht weitermachen.

Pfarrer Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), prägte die einfache und prägnante Formel von der mangelnden Auftragstreue. Erster Auftrag der Kirche sei die Verkündigung des Evangeliums nach Matthäus Kapitel 28. Leider würden wir vieles tun, was zwar schön sei, aber eigentlich nicht zu unserem Kernauftrag der Evangelisierung in Wort und Tat gehört. Gleichzeitig gebe es viele junge und alte Menschen, die sich dafür einsetzten und denen wir eine Stimme und die Gelegenheit zur Verkündigung geben müssten.

Daniel Foppa schliesslich, Leiter Inlandredaktion Tamedia, outete sich als begeisterter Katholik, der sich daher umso betrübter angesichts der offensichtlichen Reformunfähigkeit der Katholischen Kirche zeigte. Dies sei mit ein Grund, warum so viele Leute sich von der Kirche abwendeten und weswegen auch viel Basiswissen um Religion und Kirche verloren gingen. Er forderte eine Öffnung der Kirche und appelierte an die Jesuiten, bei dieser Öffnung mitzuarbeiten.

Mit einem grösseren Beitrag meldete sich Jesuitengeneral Arturo Sosa zu Wort (sein Beitrag am Ende des Textes). Anhand einer Präsentation zeigte er auf, wohin die Herausforderungen der Kirche uns führen könnten. Zunächst betonte er die Wichtigkeit und Notwendigkeit der aufgeworfenen Fragen. Und gleichzeitig betonte er, dass vieles nicht durch reine Diskussionen gelöst werden könne. Was es brauche, sei Weisheit – nicht im intellektuellen, sondern im biblischen Sinn: ein Abwägen, das die Vergangenheit und die Arbeit unserer Vorgänger reflektiert, das sich aber auch auf die Zukunft einlässt, anpasst, erneuert und dem Heiligen Geist den nötigen Raum gibt. Als gutes Beispiel nannte er das Zweite Vatikanische Konzil, das nicht nur eine inspirierende Etappe der Kirchengeschichte sei, sondern in vielem erst noch entdeckt und umgesetzt werden müsse, gerade in der Synodalität.

Die heutigen Herausforderungen seien vielfältig und tatsächlich bedrohend: Zerstörung der Umwelt, Ungleichheit der Ressourcen, Missachtung von Menschenrechten und Demokratie und der fehlende Wille für das Allgemeinwohl von populistischen und nationalistischen Regierungen. Einerseits leisteten die Jesuiten im Einsatz für Glauben, Gerechtigkeit, Bildung und in der Hilfe für Migrantinnen und Migranten und sozial Benachteiligten einen direkten Beitrag für die Linderung des Elends. Andererseits lieferten sie mit der intellektuellen Analyse der Ursachen auch neue Lösungsmodelle. Zur Säkularisierung und dem schwindenden Einfluss der Kirche meinte Pater Sosa, man könne dieser Entwicklung entweder mit Angst begegnen oder sie als Chance begreifen, den Menschen von neuem und mit neuen Mitteln das Evangelium nahe zu bringen. Eine freie Gesellschaft profitiere stark von der erneuerten Verkündigung des Glaubens, der sich fragt, was Gottes Wille heute ist. 

Die anschliessende Fragerunde aus erfreulich zahlreichen Publikum zeigte das grosse Interesse an den Fragen und Herausforderungen der Zeit. Die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche, antwortete Pater Sosa, müsse Gelegenheit sein, Hierarchie grundsätzlich neu zu denken, ansonsten der Klerikalismus einfach um eine Dimension erweitert würde. In der Armutsbekämpfung müsste die Kirche besser mit anderen zusammenarbeiten und Kräfte bündeln. Bischof Gmür erinnerte daran, dass es neben Matthäus 28 auch das 25. Kapitel gebe, das die barmherzigen Werke betone. Dies sei die Verkündigung in Wort und Tat. Nach den Schlussvoten der Podiumsteilnehmer richtete Gottfried Locher nochmals einen Appell an die «grosse liebe Schwester», sich nicht mehr länger von ihren eigenen Schwierigkeiten lähmen zu lassen, sondern aufzuwachen und den Glauben in Freiheit zu leben. 
Mathias Werfeli SJ