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«Bahnbrechendes Werk»: Peter Achten über China-Buch von Laszlo Ladanyi SJ

von Pia Seiler

Die aufstrebende Grossmacht China ist Thema vieler Bücher. «Nur wenige tragen zur Erhellung der Sachlage bei», schreibt Peter Achten, langjähriger China-Korrespondent mit Wohnsitz Peking und der Schweiz. Es gibt für Achten Ausnahmen, darunter eine «bahnbrechende»: Das Buch von Laszlo Ladanyi SJ «The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait». Anlässlich der Neuauflage 2018 würdigt Peter Achten das Werk des ungarischen Jesuiten. Ein Auszug seiner Rezension. 

«Bereits 1988 ist ein Buch erschienen, das für westlich geprägte Leserinnen und Leser sowie für Marxismus-unkundige Sinologen und Journalisten Licht ins Dunkle bringt. Autor ist der Ungare Laszlo Ladanyi.
Er stammt aus einer jüdischen Familie, die zum Katholizismus konvertiert ist. Ladanyi studiert am Budapester Konservatorium Violine und an der Universität die Rechte. Nach seiner Promotion tritt er 1936 dem Jesuiten-Orden bei. Ladanyi lebt und studiert von 1940 bis 1949 in China – während des Krieges gegen Japan, des 2. Weltkrieges und des nationalistisch-kommunistischen Bürgerkrieges. 1949 lässt er sich in Hong Kong nieder und veröffentlicht dort von 1953 bis 1982, ausschliesslich auf chinesischen Quellen basierend, eine wöchentliche China News Analysis. Danach arbeitet er an seinem bahnbrechenden Buch «The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait». Laszlo Ladanyi zeigt die Geschichte der KP Chinas von innen, gestützt ausschliesslich auf chinesische Quellen. 

Viel Neues zu Mao und dem «Grossen Sprung nach Vorn»
Ladanyi zeigt in seinem Buch viel Neues. So ist Mao nicht, wie die offizielle chinesischen Geschichtsschreibung behauptet, bereits während des Langen Marsches 1935 zum unbestrittenen Führer aufgestiegen, sondern erst zehn Jahre später nach Säuberungen, die in den folgenden Jahrzehnten unter gänzlich unterschiedlichen Methoden zu einem Merkmal der KP Chinas geworden sind. Bis heute.
Neues Licht wirft Ladanyi auch auf den «Grossen Sprung nach Vorn» (1958–61) mit der katastrophalen Hungersnot mit über 35 Millionen Toten, auf die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» (1966–76), auf Aufstieg und Fall von Feldmarschall Lin Biao und den Kampf Deng Xiaopings für die Wirtschaftsreform gegen harten Widerstand. Wie jede Nation, so Ladanyi, wird auch China und die allmächtige Kommunistische Partei früher oder später nicht darum herumkommen, sich der eigenen Geschichte zu stellen. Bis heute bleibt ausserhalb der parteilich verordneten Interpretation die neueste Geschichte Chinas ab 1949 tabu.
Wenn man das moderne China und vor allem die KP unter der Führung von Staats-, Partei- und Militärchef Xi Jinping verstehen will, kommt man um das in einer Neuauflage wieder erhältliche Buch von Ladanyi nicht herum.»
Peter Achtens Gesamtbeitrag auf www.journal21.ch. Die Internet-Plattform wurde von Heiner Hug mitbegründet und publiziert Beiträge namhafter Journalistinnen und Journalisten.

 

«The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait», Laszlo Ladanyi SJ, Neuauflage Mai 2018, Hurst Publishers London. Taschenbuch auf Englisch. Neuverfasst sind: Vorwort von Friedrich Young, biografische Anmerkungen von Edmund Ryden SJ, Epilog von Peter Hoffenreich.


Óscar Romero und die Jesuiten

Óscar Arnulfo Romero y Galdámez (1917 – 1980), so der volle Name des Erzbischofs von San Salvador, wurde am 14. Oktober 2018 in Rom zusammen mit Paul VI., der deutschen Nonne Katharina Kasper und 4 weiteren Menschen heiliggesprochen.

Eine rechtsgerichtete Todesschwadron ermordete Romero 1980, als er die Messe in einer Krankenhauskapelle in San Salvador las. Romero war einer der prominentesten Verfechter der Befreiungstheologie. Er trat für soziale Gerechtigkeit und politische Reformen ein und brachte die reichen Eliten und das Militär in seiner Heimat El Salvador gegen sich auf. Das Attentat war Auslöser des salvadorianischen Bürgerkriegs, der bis 1992 rund 75 000 Menschen das Leben kostete. Das aki (katholische Hochschulgemeinde Zürich) hat den Ermordeten am Tag seiner Heiligsprechung im Rahmen des wöchentlichen Hochschulgottesdienstes gewürdigt.
Hochschulgottesdienst jeweils Sonntagabend, 20 Uhr, Liebfrauenkirche Zürich, Tramhaltestelle Haldenegg.

Lesen Sie im Folgenden den Beitrag von Nikolaus Klein SJ, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Jesuitenbibliothek. Klein berichtet insbesondere von der tiefen Freundschaft Óscar Romeros mit Rutilio Grande SJ. Der Jesuitenpater wurde drei Jahre vor Romero ermordet. Rutilio Grandes Tod am 12. März 1977 markiert einen traurigen Wendepunkt in El Salvador, dem mittelamerikanischen Land halb so gross wie die Schweiz und mit heute 7,3 Millionen Einwohnern: Erstmals in der salvadorianischen Geschichte der 1970er Jahre war ein Priester Opfer eines politisch motivierten Mordes geworden. 

Zum Beitrag Óscar Romero und Rutlilio Grande


Vortrag über Raymund Schwagers Werk: 25. Oktober, aki Zürich

von Pia Seiler

Hochaktuell bleibt das Schaffen des 2004 verstorbenen Schweizer Jesuiten Raymund Schwager. Nun erscheint der achte und letzte Band seines Gesamtwerks. Anlass für die Jesuitenbibliothek, am Donnerstag, 25. Oktober zu einem Vortrag von Prof. Josef Nieviadomski aus Innsbruck* einzuladen, profunder Kenner von Schwagers Werk (20 Uhr, aki, Hirschengraben 86 Zürich; Eintritt frei, Kollekte).

Raymund Schwager SJ (1935-2004) wusste: Das Leben ist nicht nur ein Zuckerschlecken. Vielmehr arbeitete er in intensiver Lektüre der Bibel ein dramatisches Welt- und Geschichtsverständnis heraus. Nicht die Tragödie – im Alten Griechenland dargestellt und geprägt vom Schicksal und Kampf mit den Göttern – bestimme letztlich das menschliche Leben. Vielmehr zeige die Bibel das Leben von Menschen und Völkern als dramatisches Geschehen. Es ist gezeichnet von Rivalität und vom Ringen mit Gott, der den Menschen gerade in diesem Drama über sich hinausführe. Dabei wächst der Mensch, überwindet Entfremdung, wird freier und erlöster. Dieses Heilsdrama offenbare sich grundsätzlich und paradigmatisch im Leben Jesu.

Verbindung mit Religionsphilosoph René Girard

Es ist ein Glücksfall, dass Schwager als Theologe schon in den 1970er-Jahren auf René Girard (1923–2015) stiess, den französischen Kulturwissenschafter, Ethnologen und Religionsphilosophen. Girard analysiert das Begehren als eine Kraft, die Menschen in andauernder Nachahmung, Rivalität und Gewaltbereitschaft sein lässt. Damit hat er nicht nur die Gewaltdramatik, die dem Leben zu Grunde liegt, psychoanalytisch erfasst. Er entlarvt auch die Mythen und Opferriten der Religionen als rituelle Verarbeitung von Rivalität und Gewalt. Er entdeckte, dass das Heilige und die Gewalt zusammen gehören, erlag aber nicht der naiven Beschuldigung, Religionen würden zu Gewalt neigen. Girard zeigte jedoch, dass der Mensch in der Religion seine Gewalttätigkeit verschleiert.

Es ist die geniale Arbeit von Schwager, dass er Girards Sichtweise mit seiner dramatischen Theologie verbunden hat: Jesus wurde zum Sündenbock und Opfer von menschlichem Begehren nach Selbstbehauptung und Macht. Doch er unterläuft und verwandelt durch seine Hingabe am Kreuz den alles bestimmenden Selbstbehauptungs- und Gewaltmechanismus der Menschen. So kann in seiner Nachfolge eine Gemeinschaft von Christen entstehen, die diese Hingabe in Taufe und Eucharistie stets neu vergegenwärtigt. Dabei wird die dramatische Geschichte der Menschen Millimeter um Millimeter in eine Heilsgeschichte gewandelt, wenn sich die Menschen denn vom Geist Jesu führen lassen.
Christian Rutishauser SJ

 

* Jozef Niewiadomski: Der aus Balterswil TG stammende Jesuit Raymund Schwager wurde 1977 Professor für Dogmatische und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Einer seiner ersten Doktoranden war Josef Niewiadomski. Der katholische Theologe aus Polen ist heute selber Professor für Dogmatik an der Universität Innsbruck.


Radiopedigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis

von Regula Lutz

Die Radiopredigt auf SRF 2 am 26. Sonntag im Jahreskreis, 30. September 2018 von P. Provinzial Christian Rutishauser SJ.

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Zukunftswerkstatt Frankfurt SJ: Interview mit Isabelle Allmendinger

von Regula Lutz

Isabelle Allmendinger ist Mitarbeiterin in der Zukunftswerkstatt Frankfurt SJ. In der Schweizer Kirchenzeitung 17/2018
erscheint ein Interview mit ihr von Maria Hässig.

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«100 Jahre aki Zürich»

von Regula Lutz

Am Wochenende vom 15./16. September 2018 feiert das aki, die katholische Hochschulgemeinde Zürich, unter dem Motto «studieren glauben fragen» das 100 Jahre-Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür am Samstag und einem Festakt am Sonntag.

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Geleitworte zum Jubiläum von Franz-Xaver Hiestand SJ, dem Leiter des aki ...

Editorial von Thomas Binotto, Chefredaktor «forum» zum Jubiläum ...


Sommerzeit der Scholastiker: Julien Lambert SJ

von Regula Lutz

Für einen Scholastiker – einen Jesuiten in Ausbildung – ist der Sommer nicht nur die Zeit der Ruhe, der Ferien: Es ist auch die Zeit für Exerzitien und Engagements, die während des Jahres aufgrund akademischer Verpflichtungen nicht möglich sind.
Zurzeit sind fünf junge Schweizer Jesuiten auf dem Weg zu den letzten Gelübden und berichten von ihrem Sommer. Den Auftakt machte Pascal Meyer SJ aus Langnau ZH, den Schluss bestreitet nun Julien Lambert SJ aus Genf: Der 34-Jährige berichtet von seinem Aufenthalt im Südtirol, seinen Wanderexerziten in der Ostschweiz, seinem Engagement bei Flüchtlingen in Calais.

 

Von den Alpen zum Elend von Calais

Oft muss ich im Sommer länger suchen und laufen, um in meiner Heimatstadt Genf eine Werktagsmesse zu finden. Doch kaum bin ich am 21. Juni aus Paris angekommen, spricht ganz Genf vom Papstbesuch und kämpft um wertvolle Tickets für die Messe mit ihm! Es berührt mich, wie viele Menschen, egal ob kirchennah oder -fern, Sympathie empfinden für diesen Papst und für sein  Engagement, das der neue Film von W. Wenders so gut zeigt. Schade, dass dieser Gottesdienst, vom Bistum organisiert, ganz klassisch katholisch wurde, ohne Einklang mit dem brüderlichen Besuch des Papstes beim oekumenischen Weltrat der Kirchen. 

Wie immer ist es schwierig, mich zu erholen bei meinen drei Familien: Angehörige, treue Freundinnen und Freunde sowie Jesuitenmitbrüder. Glücklicherweise treffen sich die drei Gruppen gern. Nicht nur in meinem Herz, auch für Spiele der Fussballweltmeisterschaft oder einem Jazzkonzert meines Gitarristenbruders Nicolas in der Altstadt. Kontemplative, sonnige Vormittage auf dem fast leeren öffentlichen Badestrand am See oder Nachmittage unter den gigantischen Sekoyas der Genfer Parkanlagen lassen sich auch gut verknüpfen mit dem Lesen von feministischer Theologie für meine künftige Diplomarbeit.

Meistens ist das trübe Fenster von Skype unser Begegnungsort. Diesen Sommer aber kann ich mich mit zwei deutschen Mitnovizen im realeren Grenzgebiet Südtirol treffen, mit seinen Kirchen wie Schlagsahnetorten sowie mit seinem italienischem Dolce Vita. Am Abend im halbleeren, barocken  Priesterseminar teilen wir die kleinen Schätze unseres Jahres, ein Gedichtprojekt oder die Suche nach der individuellen Teilnahme der gemeinsamen Mission. Auf einer Wanderung lehrt mich Matthias Blumen und Gräser erkennen, die auch gut zu essen sind. Plötzlich setze ich meine rote Nase auf und führe ihn in die Kunst des Clowns ein: Wir improvisieren knietief in einem Bach stehend, während Wanderer uns unbeteiligt passieren. Zahlreich sind die Weisen, das brüderliche Zusammensein zu vertiefen und die Freude an der Existenz auszudrücken.

Die Pracht der Schöpfung wird auch in der Ostschweiz zu unserem Kloster. Mein Mitbruder Christoph, stets barfuss unterwegs, und ich begleiten dort ziemlich experimentelle Wanderexerzitien zum Thema integrale Ökologie (Foto).

Wenn auch die Weltsituation beängstigend wirkt und tatkräftige Reaktionen fordert, erinnern wir uns in der Meditation auf unsere Schwester Erde – ehe wir uns für ihre Retter halten können, vergegenwärtigen wir uns, dass wir alle von ihr stammen und Energie erhalten. Wir lassen uns von Laudato Si, der Enzyklika Papst Franziskus’ inspirieren, auch von Jesus und seiner Sprache voller Bilder aus der Natur. Und natürlich vom grossen Buch der Berge und Täler. Durch diese vernachlässigten Geschwister kommt uns Gott erneut nahe. Er verwandelt unser Gewissen, unser Herz, lässt uns Langsamkeit, fröhliche Genügsamkeit, Mitempfinden mit allem Lebendigen erfahren – erste Schritte zu einem respektvolleren Lebensstil im Alltag. Wir üben kreative Gebetsweisen durch alle Sinne, durch Identifikation mit den Personen der Passion und ihren zeitgenössischen Abbildern. Alles wird Erfahrung des Beschenkt- und Befreitseins vom Bedürfnis, immer mehr haben zu wollen. Wir essen zu Mittag Brot und Gemüse, schlafen des Nachts im Stroh auf Bauernhöfen. Menschen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen sozialen und religiösen Prägungen teilen mit uns am Abend die Erfahrungen des Tages, auch Müdigkeit und eigene Grenzen. Das Wort und Tun des Anderen wird dann manchmal zum Wort Gottes, wenn es mitten in der Stille und im ruhig gewordenen Herz laut nachhallt.  

Bei der Rückreise durch die Schweiz habe ich grosse Freude, wie meine koreanische Freundin Agnes aus Paris den älteren Mitbrüdern in Zürich so mutig die inneren Landschaften unserer Exerzitien beschreibt. Wie mein junger australisch-britischer Mitbruder Jack die Schweiz, ihre Mentalität, Offenheit und kulturelle Vielfalt lobt, als wir eine Freundin im Karmelkloster besuchen oder die Wasserpfeife bei Gitarrenimprovisation am nächtlichen See teilen.  Mit meinen Eltern und meinem Bruder im Walliser Chalet bleibt unser Familienhumor und unsere gute Stimmung feste Konstante, während neue gemeinsame Begeisterung gewachsen ist für das geheime Leben der Bäume oder das gesundere Essen...

Zu meiner persönlichen Exerzitienwoche in der Nähe von Lyon bringe ich meine Orientierungsfragen und meine Ohnmacht vor den Leiden der Welt mit.  Und werde glücklicherweise wie immer von Gott völlig umgedreht: Die Erkenntnis der Widersprüche in meinem Leben führt nicht zu Unsicherheit, sondern zu mehr Ehrlichkeit und Freiheit. Besser als eine Neuorientierung fühle ich mich einfach bestätigt in den eingeschlagenen Wegen des Theaters, der Ökologie, der geistlichen Begleitung: All diese Samen sind als solche schon wertvoll.  

Dann folgen zwei Augustwochen in Calais (Foto). Mit Freiwilligen aus ganz Europa erlebe ich die Gewalt der heutigen Migrationssituation mit. Nach Calais mit seinem grossen Hafen kommen meist junge, ausdauernde Männer, die in anderen Ländern keine Chance auf Asyl hatten und versuchen, unter grossen Risiken in Lastwagen nach England zu gelangen. Jede Nacht werden sie von der Polizei geweckt und vertrieben, um ihnen jede Art von festem Wohnsitz zu verunmöglichen. Die vielen Freiwilligen des Vereins Utopia 56 opfern Ferien oder Studienzeit, um Essen, Kleider, auch Freundschaft zu verteilen. Dabei merken viele nicht, dass sie selber Bedürftige sind bei ihrer Sinnsuche in diesem schweren Einsatz.

Wir sind froh, mit einem indischen Mitbruder auf dem Campingplatz der Freiwilligen logieren zu dürfen, wo es jeden Abend Bier und Musik und lange existentielle Gespräche gibt. Unser Jesuitenbungalow ist wie jeder andere, wacklig und vom Meereswind durchgelüftet. Und doch ist er feste Anlaufstelle für Durchfrorene, die ihre Eindrücke, ihre Sinnsuche in unsere Abendmeditation mitbringen wollen. Spiritualität und solidarischer Einsatz gehen einher, das spüren die jungen Menschen, die unsere Gesellschaft in eine neue Richtung führen möchten.

Julien Lambert SJ


Sommerzeit der Scholastiker: Mathias Werfeli SJ

Aufgewachsen ist er in Lausen BL und in verschiedenen Kulturen daheim: Mathias Werfeli SJ (41) über seine Sommerwochen in Jerusalem und L’viv – Lemberg in der Ukraine. 
 

Begegnungen zwischen Ost und West

Jerusalem und L‘viv: zwei Orte der Begegnung von Ost und West, zwei Städte, wo Kulturen, Sprachen und Geschichte aufeinandertreffen – oft friedlich, zeitweise aber auch voller Konflikte und trauriger Ereignisse. In diesen zwei Städten verbrachte ich dieses Jahr meinen Sommer und kehrte mit spannenden und bereichernden Erfahrungen zurück. Ein Charisma der Jesuiten ist es, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden. Dies war mein Leitmotiv: bei den Menschen, den Kulturen (auch kulinarisch), den Sprachen und in der Natur. Und oft hatte ich das Gefühl, Gott selbst hat mich gesucht und gefunden!

Jedes Jahr ermöglich das Päpstliche Bibelinstitut einer Gruppe von Jesuiten in Ausbildung einen vierwöchigen Aufenthalt in Jerusalem mit Studienprogramm, Besuchen und Reisen im Heiligen Land. Ein Besuch der Heiligen Stätten gehört genauso dazu wie spannende Vorträge über Land, Religionen, Politik und Alltag. Dazu kommen Ausflüge und Reisen in die Wüste Negev, an den Jordan und nach Galiläa (im Bild unsere Gruppe vor dem Felsendom). 
Wir waren 20 Jesuiten aus aller Welt – von allen fünf Kontinenten und aus vierzehn Ländern. Ein wunderbares Abbild unserer internationalen Gesellschaft Jesu, eine intensive Zeit mit bereichernden Begegnungen für jeden von uns. Neben den täglichen Exkursionen und Vorträgen stand denn auch genügend Zeit für den persönlichen Austausch zur Verfügung.
Neben dem Kennenlernen der Mitbrüder waren die achttägigen Exerzitien in Jerusalem ein persönlicher Höhepunkt für mich. Die Impulse an den biblischen Orten, die Möglichkeit, meinen Glauben zu vertiefen und zu erweitern und die Stätten zu erfahren, wo Jesus Christus gewirkt und wo er zu den Menschen damals gesprochen hat – und es heute noch tut: Das alles gehört zu den schönsten spirituellen Erfahrungen meines Lebens.

Den August verbrachte ich an einen mir vertrauten Ort: in Lemberg, auf Ukrainisch Львів (L’viv). Ich habe vor sechs Jahren dort zum ersten Mal Freunde besucht. Nun hatte ich die Möglichkeit, in einem Intensivkurs an der Katholischen Universität meine Sprachkenntnisse zu erweitern und gleichzeitig die Arbeit der Mitbrüder in diesem interessanten und für viele so unbekannten Land kennenzulernen (im Bild während eines gemeinsamen Nachtessens). 
Zusammen mit zwei polnischen Mitbrüdern vertiefte ich mich in diese slawische Sprache, die vieles von den verschiedenen geographischen Einflüssen aus Ost und West – vom Russischen, Polnischen und Deutschen etwa – in sich vereint. Ukrainisch ist ein wunderbares Beispiel gelebter Symbiose, wenn auch oft verbunden mit grossen Spannungen. Auch die Architektur der Kirchen vereint Stilmittel und Symbolik der zwei Himmelsrichtungen: eine typische Pfarrkirche (Borshchovychi, 20 km von L’viv) mit östlichen Kuppeln und Holzbauweise der Karpaten. Das Innere der Kirche zeigt das Holz als natürliches Baumittel und verbindet sie mit der byzantinischen Maltradition (im Bild).

Es ist eine unglaubliche Gnade und eine tolle Aufgabe, als Jesuit in Ausbildung seinen Sommer in einem solchen Rahmen gestalten zu dürfen und spornt mich an, das neue Studienjahr in Paris mit frischem Schwung und Elan anzugehen.
Mathias Werfeli SJ

 

 


Sommerzeit der Scholastiker: Valerio Ciriello SJ

von Regula Lutz

Heute berichtet Valerio Ciriello SJ (42), der in Bad Zurzach AG und in Süditalien aufwuchs.

 

Bereichernde Begegnungen – und oft unerwartete!

Unmittelbar nach den Abschluss-Prüfungen meines kombinierten Studiums der Philosophie und Theologie in Paris, begann ich mit der Vorbereitung einer Sitzung mit Vertretern der Provinzen Deutschland, Schweiz, Österreich, Litauen und Ungarn – es sind die fünf Provinzen, die 2021 zur Zentraleuropäischen Provinz zusammengeschlossen werden. Ziel war es, das Sozial-Apostolat der künftigen Provinz näher zu definieren. Die Arbeit stützte sich auf eine umfangreiche Umfrage, welche jeder von uns bei Sozialpartnern, Experten und Mitbrüdern durchgeführt hatte. Während unseres Workshops Anfangs Juli in Zürich kamen wir gut voran. Der Austausch war sehr interessant und fruchttragend – es zeigten sich klare Prioritäten wie Umwelt („integrale Ökologie“), sozialer Zusammenhalt, Mitarbeit mit Laien.

Danach nutzte ich die Gelegenheit, Freunde und Mitbrüder in der halben Schweiz zu treffen. Auch war ich einige Tage bei meiner Familie in Luzern, wo ich als stolzer Onkel viel Zeit mit meinem bald zweijährigen Neffen und meiner achtjährigen Nichte verbrachte. Eine grosse Freude, sie beide mal etwas länger zu erleben! Danach fuhr ich für eine Woche ins Lassalle-Haus Bad Schönbrunn ob Zug, wo mich ein Mitbruder während den jährlichen Exerzitien begleitete – stets eine bereichernde, essentielle Zeit für den weiteren geistlichen Weg.

Nach einem Zwischenhalt in Paris erwartete man mich am 29. Juli in Lourdes. Ich hatte schon lange den Wunsch, einen Einsatz am berühmten Wallfahrtsort im Südwesten Frankreichs  zu leisten. Meine Oberen in Paris empfahlen mir ein Engagement für die internationale katholische Friedensorganisation Pax Christi (www.paxchristi.net). Ich wusste lediglich, dass die Organisation 1945 mit dem Ziel gegründet worden war, die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem zweiten Weltkrieg zu fördern. Mittlerweile ist Pax Christi in mehr als sechzig Ländern vertreten und insbesondere in Denuklearisierungs-, Versöhnungs- und Antikriegskampagnen aktiv.

Die Arbeit vor Ort bestand vor allem darin, die vielen Pilger von überall auf der Welt anzusprechen und sie für die Friedensthemen und Aktivitäten von Pax Christi zu sensibilisieren. Ich erlebte zwei intensive Wochen; insbesondere die Zusammenarbeit mit den anderen Freiwilligen war eine überaus bereichernde Erfahrung – sie sind auf den Bildern zu sehen. Wir konnten den Grund legen für echte Freundschaften, gingen nach unseren Einsätzen gemeinsam essen, beteten zusammen, führten tiefe Gespräche bis spät in die Nacht.
Die Gelegenheit, nach mehr als dreissig Jahren an diesen Wallfahrtsort zurückzukehren, war eine tiefe Erfahrung. Mit seinem riesigen Heiligtum, mit den Massen von Pilgern aus aller Welt, mit Männern und Frauen jeden Alters gehört Lourdes zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der katholischen Kirche – das wusste ich. Aber so viele junge Menschen unter den Pilgern zu entdecken – das überraschte mich. Unter ihnen unzählige Freiwillige, die sich in verschiedenster Weise einsetzen, behinderte und kranke Menschen zur Grotte begleiteten, bei der Mahlzeitenverteilung, beim Ordnungsdienst mitanpacken – ja überall dort, wo eine helfende Hand gebraucht ist. Unter den Freiwilligen traf ich auch einige Agnostiker, sogar Atheisten, wie ich im Gespräch mit ihnen erfuhr. Das beeindruckte mich sehr und öffnete mir die Augen: Neben all jenen, die in christlicher Art und Weise glauben, gibt es auch viele andere, die sich nicht mit einem bestimmten Glauben identifizieren können, aber trotzdem auf der Suche nach Spiritualität und tieferem Lebenssinn sind.

Mitte August war ich wieder zurück in Paris, wo ich mich unter anderem mit grosser Freude um das leibliche Wohl meiner Mitbrüder kümmerte: Ich kochte jeweils abends für sie, da die angestellten Köche bis Ende August in den Ferien sind. Des Weiteren genoss ich die Spaziergänge in der halbleeren Stadt, die stillen Momente in den prachtvollen Gärten, wo ich ein Buch las, mir Notizen machte und Inspiration suchte für meine kommende Bachelorarbeit in Theologie.

Den Sommer habe ich mit einer Reise nach Sizilien beendet, der Heimatinsel meiner Mutter, wo Freunde und Verwandte auf mich warteten. Und wo ich seit über vier Jahren vermisst wurde...! Auch hier eine Zeit von interessanten und bereichernde Begegnungen: Ich traf Freunde, Verwandte und Mitbrüder in Palermo und Ragusa, die ich zuvor nicht kannte. Ein wahrlich interessanter Aspekt des Daseins als Jesuit. Wo auch immer man hingeht, man fühlt sich  schnell zu Hause und angenommen.
Die grösste Freude bereitete mir die Begegnung mit einem betagten Priester, ein Cousin meiner Grossmutter, dem ich zuvor nie begegnet bin. Ich war verblüfft – und tief dankbar: Es war, als würden wir uns schon ein Leben lang kennen.

Valerio Ciriello SJ

 


Sommerzeit der Scholastiker: Martin Föhn SJ

von Regula Lutz

Den Auftakt machte Pascal Meyer aus Langnau ZH. Im Folgenden nun berichtet Martin Föhn SJ (35) aus Muotathal SZ von seinen Sommerwochen.

 


Vom grossen Geschenk, Gottes Wirken zu erfahren

Nach Abschluss des Grundstudiums in Theologie in Paris ging es erstmals in die Ferien mit einem Mitbruder und einem guten Freund. Diese Ferien zu dritt sind bereits Tradition. Da zurzeit alle in anderen Ländern leben – der eine in Deutschland, der andere in Italien und ich in Frankreich –  mussten wir entscheiden, wohin es denn dieses Jahr gehen sollte. Wir wählten Italien, Strand und Sonne und genossen erholsame Tage in der Nähe von Neapel.

Nach dem Urlaub ging es zurück nach Paris. Von dort brach ich mit 15 Mitbrüdern aus sechs Nationen nach Südfrankreich auf. Im Departement Lozère, auf einem wunderbaren Hochplateau, verbrachten wir den so genannten Arrupe-Monat, die Zeit der Vorbereitung auf die Priesterweihe. Der charismatische Generalobere Pedro Arrupe, der die Jesuiten in den aufbruchbewegten Jahren nach dem Konzil führte, ist Namensgeber dieser wichtigen Zeit. Es war ihm ein Anliegen, einen zusätzlichen Raum zu schaffen für die affektive Ausbildung der Priester.
Der Austausch war intensiv. Es ging dabei um Themen wie: Mit welchen Gefühlen und Emotionen werden wir als Priester konfrontiert? Wie nimmt unsere Umwelt die Priester wahr? Was werden die Menschen oder die Kirche von uns erwarten? Wir schlossen den Monat mit unseren Jahres-Exerzitien ab, vertieften die aufgeworfenen Themen und unsere Beziehung zu Gott.

Mitte August fuhr ich ins Muotathal zu meiner Familie  und ging z’Berg, mit meinem Göttibueb und am Wochenende mit der katholischen Landjugend, deren geistlicher Begleiter ich bin. An der Sitzung am Samstag gaben wir zunächst dem Kursprogramm für den Dezember den letzten Schliff. Am späteren Nachmittag machten wir uns auf Richtung Pragelpass, wo wir in einer abgeschiedenen Berghütte im Rätschtal übernachteten, um dann am Sonntag bei schönstem Wetter auf dem Pragel auf 1550 Metern den Berggottesdienst zu feiern.

Von der Schweiz reiste ich weiter zu Exerzitien nach Deutschland, wo ich in Frankfurt in der Zukunftswerkstatt, eine Jesuiten-Institution für Junge auf Orientierungssuche, während acht Tagen begleiten durfte. Eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Junge Menschen zwischen 20 und 35 machten sich auf den Weg, ihre eigene Berufung im Leben klarer zu erkennen und besser zu fassen. Es ist für mich immer wieder erstaunlich zu sehen, wie jemand, der mit Gott in eine direkte Beziehung tritt, aufblüht oder die Kraft findet, an schwierige Lebensfragen heranzugehen. Ich empfand es als grosses Geschenk zu erfahren, wie sich bei einigen ein tragfähiges Fundament für das Leben heranbildet, wie sie um gute Entscheidungen rangen, wie Versöhnungs- und Heilungsprozesse eintraten. Ich habe noch keinen anderen Ort gefunden, der mir besser gezeigt hätte, wie Gott in der Welt wirkt.
Am  2. September gehen die Exerzitien in Frankfurt zu Ende, und am 3. September am Abend werde ich bereits in Paris im Haus Manresa erwartet.

Das aki, die katholische Hochschulgemeinde Zürich, feiert sein 100-Jahr-Jubiläumdann am 17. September. Und bevor die Vorlesungen erneut beginnen, werde ich noch ein Wochenende in Zürich verbringen. Zu diesem Anlass werde ich innerhalb des Festprogramms eine spirituelle Führung zu den Figuren im aki-Park anbieten. Ich freue mich sehr darauf. Am Hirschengraben ist meine Basis-Kommunität – hier bin ich während meinen Schweiz-Aufenthalten zuhause.
Martin Föhn SJ

 


Sommerzeit der Scholastiker: Pascal Meyer SJ

Für einen Scholastiker – einen Jesuiten in Ausbildung – ist der Sommer nicht nur die Zeit der Ruhe, der Ferien: Es ist auch die Zeit für Exerzitien und Engagements, die während des Jahres aufgrund akademischer Verpflichtungen nicht möglich sind. Zurzeit sind fünf junge Schweizer Jesuiten auf dem Weg zu den letzten Gelübden und berichten von ihrem Sommer. Den Auftakt macht Pascal Meyer aus Langnau ZH: Der 34-Jährige hat nach bestandenem Philosophie-Abschluss in München zunächst Ferien in Malta gemacht, danach in Rom an einer dreiwöchigen Scholastiker-Weiterbildung in Social Media teilgenommen und mit Exerzitien in Assisi seine Sommerwochen abgeschlossen. Im Folgenden sein Bericht.

 

Pascal Meyer SJ:
Wird alles klappen? Packe ich das?

Ganz ehrlich: Nach bestandener Abschlussprüfung an der Jesuiten-Hochschule für Philosophie in München freute ich mich zuallererst auf erholsame Ferien mit einem meiner Jesuiten-Gefährten auf Malta. Eine Woche lang tolle Gespräche, alte Städte, herrliche Strände, prachtvolle Kirchen und natürlich die Freuden des maltesischen Linksverkehrs: Vor jeder Kreuzung und Kreiseleinfahrt mussten wir genau überlegen, wie man einzubiegen hat – wir waren ein Dreamteam.

Entscheidender war allerdings das Treffen europäischer Jesuiten in Ausbildung, kurz EJIF, welches dieses Jahr in Rom stattfand. Das Thema unserer Zusammenkunft lautete: «Jugend und Kommunikation». Unsere Gruppe, bestehend aus 24 Jesuiten aus 17 Nationen, beschäftigte sich während gut drei Wochen mit unterschiedlichen Aspekten der Online-Kommunikation und den Potentialen von Social Media für die Verkündigung des christlichen Glaubens. Das mag einige Leserinnen und Leser womöglich erstaunen, aber ein beachtlicher Teil der weltweiten Kommunikation findet heute auf den verschiedenen Plattformen von Social Media statt. Man kann bereits sagen, dass sich der Bereich um Facebook, WhatsApp oder Instagram zu einem «virtuellen Erdteil» unserer Welt entwickelt hat, auf dem sich heute ein Großteil der Menschen zwischen 12 und 50 Jahren aufhält. Ein Grund mehr für die Jesuiten als traditionell missionarisch tätige Ordensgemeinschaft, sich Social Media intensiv zuzuwenden: Expertinnen und Experten von ausser- und innerhalb des Ordens boten uns Fachvorträge und liessen uns die breite Palette der Möglichkeiten ausgiebig erfahren. Besonders hilfreich war dabei der gegenseitige Austausch von Erfahrungen unter uns Jesuiten. Ein Höhepunkt der Zusammenkunft war zweifellos die Privataudienz mit dem Heiligen Vater, Papst Franziskus, der uns eindringlich ermutigte, unsere Kreativität für unser tägliches Wirken zu nutzen: «Es braucht menschlichen Erfindungsgeist, man muss sich die Hände schmutzig machen.»

Die achttägigen Exerzitien waren integraler Bestandteil unseres Treffens: Während einer Woche konnten wir in der malerischen Landschaft um Assisi die gemachten Erfahrungen, Gefühle und Fragen im Gebet und der Stille vor Gott bringen. Das war für mich eine intensive Zeit, da ich zusätzlich mit mehreren Fragen und einigen Zweifeln hinsichtlich meiner nächsten Arbeitsstelle belastet war. Wird alles klappen? Packe ich das? Sind meine Fähigkeiten ausreichend? Müsste ich besser vorbereitet sein?

Es war unglaublich bereichernd, mich diesen Fragen intensiv stellen zu können. Und es hat sich gelohnt: Diese acht Tage des Gebets und der Stille gaben mir neue Kraft und Zuversicht. Ich freue mich nun auf die neuen Herausforderungen an meinem nächsten Arbeitsplatz in Genf, wo ich bei Jesuit Worldwide Learning ]mitarbeiten werde. Dabei handelt es sich um ein neues, internationales Projekt der Jesuiten. Alle Mitarbeitende leisten hier Pionierarbeit. Das ist sowohl spannend als auch herausfordernd. Was kann schon schiefgehen, wenn man auf Gott vertraut?


Psychologe Hans Zollner SJ zu den Vorfällen in Pennsylvania

von Regula Lutz

Ein Untersuchungsbericht aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania zeigt, wie Priester jahrzehntelang übergriffig gegenüber Kindern waren. Sie wurden gedeckt und geduldet. Hans Zollner SJ, Psychologe und Psychotherapeut, leitet das «Center for Childprotection» an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und nimmt Stellung zur Frage: Was tut die Kirche in der Priesterausbildung, um dem Missbrauch an Kindern vorzubeugen?

Jesuitenpater Hans Zollner äussert sich in verschiedenen Beiträgen zur aktuellen Diskussion des Kindsmissbrauchs von katholischen Kirchenvertretern. Aufschlussreich ist das Radio-Interview auf SRF 2 mit Hans Zollner, Leiter des Kinderschutzzentrums an der Gregoriana in Rom, wo Priester ausgebildet werden. Auf die Frage von Susanne Schmugge, was die katholische Kirche unternehme, «damit wir in zehn Jahren nicht immer noch über weitere Enthüllungen reden müssen», antwortet Zollner: «Konkret haben wir zwei Programme hier im Zentrum in Rom und ein E-Learning Programm. Wir behandeln Fragen wie: Wie erkenne ich, dass ein Kind missbraucht worden ist? Was tue ich, um diesem Kind zu helfen? Wie muss ich den möglichen Täter behandeln? Welche Rechtsfolgen hat es? Wie kann ich Räume schaffen, in denen Kinder sicher sind?»

Zentral sei, dass es gar nie soweit komme. «Wir wollen keine Leute ausbilden, die selber pädosexuelle Neigungen haben. Deshalb führen wir Persönlichkeits-Assessments durch, bevor wir die Leute annehmen», so Zollner. Geprüft werde, ob es «gravierende Persönlichkeitsstörungen» gebe, auch würden «in der Priesterausbildung in unseren Breiten» Persönlichkeitsgutachten erstellt. Hans Zoller: «Man versucht herauszufinden, ob jemand in der Beziehungsfähigkeit Schwierigkeiten hat oder in seinem Umgang mit Emotionen und seiner Sexualität. Wenn das der Fall ist, dann werden diese Leute nicht zugelassen.» 

Zum Radio-Interview von SRF 2 und zur Abschrift ...

 

Zu lange habe es in der Kirche «eine Kultur der Vertuschung, der Negierung und des Schweigens» gegeben, sagt Zollner zudem in zwei Interviews mit der italienischen Zeitung «La Stampa» und dem Portal «Vatican News».

 

Zum Beitrag von kath.ch ...