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P. Rutishauser SJ in der «Rundschau» zum geplanten Rückzug von Bischof Huonder bei den Piusbrüdern

von Pia Seiler

Der Churer Bischof Vitus Huonder will sich in ein Internat der Piusbrüder zurückziehen. Er habe einen Auftrag, den Kontakt mit der Piusbruderschaft zu pflegen. Der Vatikan widerspricht, so die Nachrichtensendung Rundschau des Schweizer Fernsehens in ihrer Ausgabe vom 10. April 2019.

Die Nachricht, dass sich Bischof Huonder in das Knabeninternat «Sancta Maria» der Piusbrüder in Wangs (SG) zurückziehen will, hat von Anfang an für Kritik gesorgt. Laut Erklärung seines Sprechers Giuseppe Gracia im Januar 2019 stehe dieser Schritt im Zusammenhang mit einem Auftrag der Glaubenskongregation in Rom: Bischof Huonder solle den Kontakt mit der Piusbruderschaft aufrechterhalten.

Nun widerspricht der Vatikan. Auf Anfrage der Nachrichtensendung Rundschau des Schweizer Fernsehens teilt Rom mit: «Der Pressestelle ​​des Heiligen Stuhls ist kein offizieller Auftrag der Glaubenskongregation an Bischof Vitus Huonder bekannt, um den Kontakt mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu halten.» Das Bistum Chur und die Piusbrüder seien gegenüber SRF zu keiner Stellungnahme bereit gewesen, teilt die Rundschau-Redaktion mit.

«Jetzt steht Aussage gegen Aussage», sagt Christian Rutishauser SJ, der im Rundschau-Beitrag zu Wort kommt. «Die Quelle, der ich letztlich vertraue, ist der Vatikan.» Der Provinzial der Schweizer Jesuiten vermutet im TV-Beitrag, Bischof Huonder habe wohl versucht, mit Verweis auf Rom seinen Umzug zu den Piusbrüdern zu legitimieren. Für Rutishauser stehen die Piusbrüder für «Fundamentalismus» und «Revisionismus», die versuchten, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Christian Rutishauser: «Die Piusbruderschaft ist antijudaistisch. Sie sehen die Juden als Gottesmörder. Ihre Liturgie hat ein negatives Judenbild.»

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Borderlines: 70 n. Chr. entstehen zwei neue Religionen. 10 Thesen zum jüdisch-christlichen Dialog

von Pia Seiler

Der Prozesses der Ausdifferenzierung von rabbinischem Judentum und patristischem Christentum erstreckte sich über mehrere Jahrhunderte. Diese Grenzziehung wird heute oft mit dem Wort «Borderlines» bezeichnet.  P. Christian Rutishauser SJ präsentierte am 30. März in Frankfurt  10 Thesen für den aktuellen jüdisch-christlichen Dialog angesichts dieses langsamen Auseinandergehens der Wege. Eingeladen hatte das Haus am Dom, die katholische Akademie Rabanus Maurus.


«Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht»: Christian Rutishauser zur Bach-Kantate

von Pia Seiler

Musikalisch, auch theologisch hat es die Bach-Kantate BWV 105 in sich: harsche Selbstanschuldigung – dann die tröstende, ja wunderbare Wende hin zu vertrauendem Glauben als Gnadengabe. Im Folgenden Gedanken dazu von Christian Rutishauser SJ, ein grosser Liebhaber klassischer Musik und insbesondere aus der Provenienz Johann Sebastian Bachs. Rutishauser war geladener Redner der Bachstiftung, die am 22. März in Trogen AR das Werk zur Aufführung brachte. Hören und lesen Sie hinein in die durch Mark und Bein gehende Kantate.

Bach-Kantate «Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht»


Liess Papst Pius XII. Judenvernichtung zu? Christian Rutishauser SJ im «Tachles»-Interview

von Pia Seiler

Christian Rutishauser SJ ist Mitglied der vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Er spricht in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitschrift Tachles über die Öffnung des sogenannten Geheimarchivs rund um die Dokumente von Papst Pius XII.

Es soll sich um rund 200 000 Dokumente handeln, darunter Schriften zur berühmten Weihnachtsansprache des Papstes von 1942. Dazu Rutishauser, Provinzial der Schweizer Jesuiten:

«Diese Weihnachtsansprache steht exemplarisch für die Haltung von Pius XII. gegenüber der Judenvernichtung. Er prangert öffentlich an, dass Menschen wegen Rasse und Nationalität verfolgt und umgebracht werden, nennt die Juden aber nicht explizit.»

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«Säkularisierungs-These muss revidiert werden»: Christian Rutishauser SJ in «Stimmen der Zeit»

von Pia Seiler

Der Provinzial der Schweizer Jesuiten Christian Rutishauser SJ schreibt in der aktuellen Ausgabe der Monatszeitschrift Stimmen der Zeit:

«Die europäische Moderne lebt aus dem Mythos der Säkularisierung: Fortschritt gebe es nur, wenn Religion überwunden und die Welt entzaubert werde. Die Zukunft gehöre der Aufklärung und Wissenschaft; Religion habe keinen Platz.

Auch wenn diese weltweit zurückgedrängt wird und Wissenschaftsgläubigkeit dominiert, ist die klassische Säkularisierungsthese inzwischen falsifiziert. Säkularisierung bedeutet zwar Entchristlichung und Entkirchlichung, doch das Religiöse bleibt. Will man weiterhin von Säkularisierung sprechen, ist darunter ein Prozess der Pluralisierung, Individualisierung und Privatisierung des Religiösen zu verstehen. Viele Bereiche, die einst an die Kirche gebunden waren, wie das Diakonisch-Soziale, die Medizin, die Kunst, haben sich verselbstständigt. Sie werden nun von säkularen Institutionen getragen.»

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Der Missbrauch und seine Wurzeln: Dazu Klaus Mertes SJ, bis 2011 Rektor des Canisius-Kollegs

von Pia Seiler

Am Vatikan-Gipfel gegen den Missbrauch von Kindern legt Papst Franziskus einen Katalog mit 21 Punkten vor, unter anderem ein Handbuch: Es soll regeln, welche Schritte im Verdachtsfall unternommen werden. Die Kirche habe das Bewusstsein für Gründe und Folgen von sexuellem Missbrauch zu schärfen und sicherzustellen, dass Geistliche, die sich schuldig gemacht haben, den Dienst aufgeben. Der Papst hat zum Gipfel vom 21. bis 24. Februar 2019 rund 190 Teilnehmer eingeladen, unter ihnen die Vertreter der 114 katholischen Bischofskonferenzen weltweit. Die Schweiz ist mit Bischof Felix Gmür vertreten, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz.

Der Missbrauch und seine Wurzeln: Lesen Sie dazu das Interview mit Klaus Mertes SJ im Forum, Pfarrblatt von Zürich. Mertes war bis 2011 Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin und schrieb im Januar 2010 einen Brief an rund 600 Ehemalige des Gymnasiums. Einstige Schüler hatten sich im vertraulichen Gespräch mit ihm als Missbrauchsopfer offenbart. Mertes wollte das Schweigen endlich brechen und die Vertuschung beenden. Damit begann die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche in Deutschland.

Hier gelangen Sie zum Interview mit Klaus Mertes SJ


Papst bestätigt Ausrichtung des Ordens

von Regula Lutz

Arturo Sosa SJ, Generaloberer der Gesellschaft Jesu, veröffentlicht Apostolische Präferenzen 2019-2029

Papst Franziskus hat die inhaltliche Ausrichtung des Jesuitenordens offiziell bestätigt und bekräftigt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Ordens haben alle Mitglieder weltweit mitdiskutiert, was die Gesellschaft Jesu in den nächsten zehn Jahren für die Kirche und die Gesellschaft bewirken will:

  1. Ein Weg zu Gott: Durch ignatianische Unterscheidung und Exerzitien Gott finden helfen.
  2. An der Seite der Benachteiligten: Auf dem Weg mit den Armen, den Ausgestossenen der Welt, den in ihrer Würde Verletzten für Versöhnung und Gerechtigkeit eintreten.
  3. Mit jungen Menschen: Jugendliche und junge Erwachsene bei der Gestaltung einer hoffnungsvollen Zukunft begleiten.
  4. Für die Schöpfung: In der Sorge für das Gemeinsame Haus zusammenarbeiten.

Nachdem Papst Franziskus diesen Schwerpunkten seine Zustimmung gegeben hat, veröffentlichte sie der Generalobere Pater Arturo Sosa SJ am 19. Februar in einem Schreiben an den ganzen Orden und die Mitarbeiter. «Vielen Dank für diese Arbeit, die ich billige und als Mission bestätige», heisst es in dem Bestätigungsschreiben von Papst Franziskus. «Der Prozess, den die Gesellschaft Jesu unternommen hat, um zu universellen apostolischen Präferenzen für die kommenden Jahre zu gelangen, war ein Weg, das heisst, die Auswahl der verschiedenen apostolischen Möglichkeiten hat sie in Bewegung gesetzt. Das tröstet mich, es war eine dynamische Unterscheidung, keine Bibliothek oder Labor, was auch keine echte Unterscheidung gewesen wäre.» Die vier Präferenzen stünden im Einklang mit den gegenwärtigen apostolischen Prioritäten der Kirche, die durch das ordentliche Lehramt des Papstes, die Synoden und Bischofskonferenzen, insbesondere durch das apostolische Schreiben Evangelii Gaudium zum Ausdruck kommen, so der Papst.

Während früher die Päpste dem Orden – aufgrund der besonderen Verbindung zwischen den Jesuiten und dem Papst – besondere Aufträge erteilt haben, sind die vier neuen Schwerpunkte auf einem gemeinsamen Weg entschieden worden. Sie wurden in einem längeren Prozess im gesamten Orden weltweit diskutiert und daraufhin dem Papst vorgelegt. Sie setzen die Richtung des Ordens fort, den dieser seit den letzten Generalkongregationen gegangen ist. 

Arturo Sosa SJ, Generaloberer der Gesellschaft Jesu, unterstreicht in seinem Brief: «Wir haben dies als Sendung von der Kirche durch den Heiligen Vater, Papst Franziskus, erhalten, der die Präferenzen genehmigt und die durch den apostolischen Leib geschehene Unterscheidung in Gemeinschaft bestätigt hat. Uns als Leib, der dem Heiligen Geist gehorcht, kommt es nun zu, die Umsetzung in allen Dimensionen unserer Sendung bzw. unseres Lebens zu planen. »Alle Kräfte des Ordens würden nun in den nächsten zehn Jahren dafür 2019-2029 gebündelt.

Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten, erklärt dazu: «Das Ordens-Charisma der Jesuiten muss in jede Generation hinein konkretisiert werden. So freue ich mich, dass Pater General vier neue Präferenzen für die Arbeit der Jesuiten weltweit formuliert hat. Sie sind Frucht einer längeren Konsultation. Als Provinzial werde ich darauf achten, dass sie unser Wirken in der Schweiz prägen.»

Hier gelangen Sie zur Webseite mit den vier Schwerpunken  des Jesuitenordens auf Französisch, ItalienischEnglisch und Spanisch.

Die vier Präferenzen in einer kurzen Videobotschaft: 

Die Videobotschaft von Arturo Sosa SJ in seiner Muttersprache Spanisch:


Der stärkste Mann im Kampf gegen Antisemitismus: Jesus – Patrik Schwarz und Christian Rutishauser in der «Zeit»

von Pia Seiler

«Gegen den weltweit wachsenden Antisemitismus sollte die Kirche ihren stärksten Mann in den Kampf schicken: Jesus». So überschreibt Patrik Schwarz seinen Beitrag in der aktuellen «Zeit» und erinnert an das Fest der Beschneidung Jesu am 1. Januar.

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil war der 1. Januar ein hoher kirchlicher Feiertag. Gefeiert wurde die Beschneidung Jesu, ein Gebot seiner Vorväter. Sie sind an prominenter Stelle in der Weihnachtsgeschichte genannt: Jesus stammt vom Hause und Geschlecht Davids ab. «Noch ehe Jesus also Christus wurde, war er Jude», schreibt Patrik Schwarz in der aktuellen «Zeit»-Ausgabe und weiter:
«Den 1. Januar wieder zu ehren als kirchlichen Feiertag wäre ein starkes Signal, dass der Vatikan sich an die Seite seiner «älteren Geschwister im Glauben» stellt, wie Papst Johannes Paul II. es einst formulierte.(...) Wie dringend notwendig diese Eindeutigkeit im Bekenntnis wäre, zeigt nicht bloss die jüngste Debatte um die Haltung von Papst Benedikt zum Judentum. Den Deutschen als Judengegner zu diffamieren, auch wenn er dereinst in Marktl am Inn in der Hitlerjugend war, ist falsch und ungerecht – Joseph Ratzinger hat Johannes Pauls projüdischen Kurs als dessen engster Mitarbeiter vorgezeichnet und schon als Kardinal von München die sogenannte Integrierte Gemeinde unterstützt, der das Verhältnis zum Judentum ein besonderes Anliegen war. Der Wirbel um einige Aufsätze Benedikts zeigt aber, wie frisch die Wunden noch sind.»

Patrik Schwarz, Geschäftsführer der «Zeit»-Seiten Christ&Welt, zitiert in diesem Zusammenhang Christian Rutishauser. Im Folgenden die leicht gekürzte Passage:
«Ein massgeblicher Vordenker in der Frage ist der Provinzial der Schweizer Jesuiten, Christian Rutishauser. Nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch bei den beiden lebenden Päpsten bemüht er sich seit Jahren um eine Anerkennung des Festes der Beschneidung. «Ich habe Papst Benedikt wie Franziskus dazu Papiere vorgelegt, mit der Bitte, das Fest der Beschneidung Jesu am 1. Januar wiederherzustellen», sagt er gegenüber Christ&Welt. (…) Rutishauser plädiert dafür, die Beschneidung als «Mysterium» zu verstehen, «mit dem Jesus als Kind in den von Gott nie gekündigten Bund mit Abraham eintritt». Dieser Bund werde somit «in den Leib des Herrn eingeschrieben». Wem das zu martialisch klingt, den erinnert der Theologe an den Bezug zu Ostern und dem Abendmahl, bei dem ebenfalls das Blut Christi geistlich verstanden wird: «Das Blut, das Jesus bei der Beschneidung für den Alten Bund vergiesst, ist dasselbe, das er für den Neuen Bund in seiner österlichen Vollendung vergießen wird.»


Zum 100. Todestag von Abbé Joye, Filmpionier und Jugendseelsorger: Dokfilm am 15. März und Filmseminare

von Pia Seiler

Er vermochte im reformierten Basel eine Generation junger Katholikinnen und Katholiken zu begeistern: Abbé Joye (1852 – 1919), Jugendseelsorger, Fotograf, Cineast – und Gründer des ersten Basler Kinos. Zum 100. Todestag wird das Wirken des Jesuiten noch einmal lebendig: Das aki Zürich gedenkt ihm mit einem Filmseminar am 3. März und dem Dokfilm «A propos de Joye» am 15. März, das Lassalle-Haus mit Seminaren übers Jahr verteilt.

Joseph Alexis Joye kommt am 18. April1852 in Romont FR als erster von fünf Söhnen zur Welt. Der Vater stirbt, als er elf ist. Finanziell hat die Familie wohl wenig Sorgen. Joseph schaft den Übertritt ans Gymnasium St. Michel in Fribourg. Schon der 17-Jährige äussert den Wunsch, Jesuit zu werden. Er wird ins Noviziat aufgenommen. Es folgen ordensübliche Studien in Deutschland, Holland, Belgien und England, unterbrochen vom Sanitätsdienst, den er im Deutsch-Französischen Krieg 1870 zu leisten hat. 1882 wird er zum Priester geweiht. Gerne wäre er Missionar in Übersee geworden, doch seine Oberen schicken ihn nach Basel. Er wird Vikar in der St. Clara-Pfarrei, dann in der neuen Pfarrei St. Marien, wo er sich um die Französisch sprechenden Katholikinnen und Katholiken kümmert. Während den 25 Jahren seines Wirkens verschiebt sich sein Schwerpunkt auf die Jugendarbeit; von 1911 bis 1915 ist er zudem Provinzial im deutschsprachigen Raum.

Jugendseelsorger, Fotograf, Cineast
Abbé Joye erobert sich in kurzer Zeit die Herzen der katholischen Basler Schuljugend. Besonders in der Sonntagsschule kann er seine Fähigkeiten voll entfalten. Er weiss spannende Geschichten aus der Bibel zu erzählen, und in seiner narrativen Theologie kommt sein Hobby zum Zug: das Fotografieren. Augenzeugen erinnern sich an den Lattenverschlag auf dem Dachboden des Pfarrhauses – seine Dunkelkammer, wo er mit einem Diamanten aus Resten von Fensterglas Fotoplatten schneidet. Altes Geschirr dient bei der Filmentwicklung, eine Badewanne zum Wässern der entwickelten Platten. Seine Bilder sucht er in Büchern und Illustrierten zusammen. So entstehen in Kleinstarbeit 16 000 handkolorierte Dias, die er für Schule und Erwachsenenbildung einsetzt – seine Dienstagsvorträge sind legendär. Ein Mitarbeiter berichtet: «Herr Abbé fotografierte und entwickelte alle Bilder meist selber und opferte für seine Diapositive Ruhe und Schlaf. Besonderen Spass machte es ihm, die Bilder zu bemalen. Es war eine Freude, ihm zuzusehen, wie er die schwarzweissen Dias mit sicherem Pinselstrich verwandelte.»
Joye pflegt Kontakt mit dem Chemiker Auguste Lumière in Lyon, dem Erfinder des Kinematographen, und mit «Pathé Frères» in Paris und Berlin, der ersten Filmgesellschaft. 1901 kommt er zu seinem ersten kurzen Filmstreifen, ab 1905 zeigt er regelmässig Filme – erst zwei Jahre später gibt es in Basel das Kino «Fata Morgana». Ein Filmverleih existiert noch nicht, man muss die Filme kaufen. Abbé Joye verschafft sich von überall her neue. So entsteht eine Sammlung von über 2000 Filmen.
Der Abbé gründet das Waisenhaus Vinzentianum und das Jugendheim Borromäum. Gegen viele Widerstände kämpft er für den Bau eines Saales im Borromäum, wo sich eine vielfältige Tätigkeit entwickelt: Der Jünglingsverein inszeniert Theater- und Musikaufführungen, wobei der Pater stets treibende Kraft ist. Aus dem «wissenschaftlichen Schülerzirkel», 1907 von ihm ins Leben gerufen, entsteht später die akademische Vereinigung «Renaissance».
Am 1. März 1919 stirbt Joseph Joye 67-jährig. Begraben ist er ob Zug, auf dem Jesuiten-Friedhof beim Lassalle-Haus.

Die Joye-Collection
Von den Filmen, die Joye sammelte, sind heute rund 1200 erhalten. 1976 hat der Jesuit Stefan Bamberger die Sammlung dem «National Film Archive» in London zur fachgerechten Restauration übergeben. Die Joye-Collection gilt in Filmkreisen als Sensation. Für die Filmhistorikerin Mariann Lewinsky-Sträuli dokumentiert sie «in einzigartiger Weise» die Geschichte der Filmproduktion in der dynamischsten Entwicklungsphase und durch sie «die Welt und Kultur ihrer Epoche». Die Sammlung enthält Meilensteine der frühen Kinogeschichte, die man längst verloren glaubte.
Die Kopien sind alle in 35-mm-Format. «Es wäre grossartig, wenn ein Projekt zu Stande käme, damit die Joye-Filme auf restaurierten Filmkopien in geretteten Farben der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden könnten», so Beat Schneider, stellvertretender Direktor der Institution Stadtkino Basel.
Hansruedi Kleiber SJ, Franz-Xaver Hiestand SJ

 

ZUM 100. TODESTAG VON ABBÉ JOYE SJ

Filmarbeit der Jesuiten einst und heute

Mit Jesuit Christof Wolf SJ, Filmemacher und Produzent, Loyola-Productions München
Sonntag, 3. März 2019, 15 – 18 Uhr
Anmeldung Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn, Edlibach ZG

A propos de Joye
Film von Isolde Marxer
Freitag, 15. März 2019, 19.30 Uhr, Kollekte
Anmeldung aki Zürich, Hirschengraben 86, Zürich

Jesuiten als Filmpioniere und Hauptfiguren in Filmen
Seminar aus Anlass des 100. Todestages von Abbé Joye SJ
Samstag, 16. März 2019, 15 – 22 Uhr
Anmeldung aki Zürich, Hirschengraben 86, Zürich

Arbeit mit Filmen
Bewegte und bewegende Bilder: Christof Wolf SJ und Franz-Xaver Hiestand SJ loten in bester Abbé Joye-Tradition die inspirierende Kraft von Filmen unserer Tage in dieser besonderen Form von ignatianischen Exerzitien aus.

  • Zugänge zur spirituellen Dimension von Filmen
    01. – 03. März 2019, Fr 18.30 – So 13 Uhr
  • Exerzitien mit Filmen
    13. – 18. Oktober 2019, So 17 – Fr 13 Uhr
    Anmeldung Lassalle-Haus

Weihnachten: Fragen in unruhiger Zeit, Antworten mit Gott aus der Tiefe des Herzens

von Regula Lutz

Liebe Freundinnen und Freunde der Jesuiten

Weihnachten 2018! Das Fest von Jesu Geburt steht vor der Tür. Das Fest der Menschwerdung Gottes. Der Advent hat uns eingeladen, uns auf Menschwerdung hin vorzubereiten. Weihnachten ereignet sich, wenn Christus in uns Mensch wird und wir in ihm.

In einer Gesellschaft, in der das Humane immer stärker unter Druck kommt, ist Weihnachten neu von Bedeutung. Wo bleibt das Humane, das schreiende Kind und der sehnsüchtige Blick? Wo bleibt der kritische und kreative Geist, der Neues schafft, wenn der Mensch wie eine Maschine funktionieren muss. Roboter ersetzen ihn mehr und mehr. Er ist gesteuert von neuronalen Prozessen des Gehirns, löst sich in eine digitale Welt hinein auf.

In einer Welt, in der das Menschliche mit Füssen getreten wird, ist die Menschwerdung Gottes mehr als notwendig. Wo bleibt die Solidarität und das Teilen, die Herberge, die aufnimmt? Wo bleibt die Friedenszeit, die mit der Geburt Christi anbricht, wenn Menschenrechte an vielen Orten nicht garantiert sind. Weltweit haben wir noch nie so viele Menschen auf der Flucht gesehen. Entwurzelung, Vereinsamung, Armut sind für viele bittere Realität.

In einer Kultur, in der das Säkulare den Glauben an die Wand drängt, muss die Geburt des Erlösers gefeiert werden. Wo bleibt die Offenheit für Gottes Handeln an uns? Wo wird das Leben als Geschenk wahrgenommen, auf die biblische Botschaft gehört, wenn die Wissenschaften und der technische Fortschritt vorgeben, alles zum Besseren zu führen. Alles wird psychologisch und soziologisch erklärt. Gott ist nur ein Störfaktor.

Christi Geburt lässt uns auf das Leben als Geschenk blicken. Mit jedem Kind ist es neu gegeben. Gott vollendet mit uns und an uns das Menschliche. Die Freude darüber begleite Sie in diesen Festtagen.


Pascal Meyer SJ im weltweit grössten Flüchtlingscamp: Bildung für Junge

von Regula Lutz

Scholastiker Pascal Meyer SJ aus Langnau ZH ist seit Herbst 2018 im Team von Jesuit Worldwide Learning (JWL). Das Werk der Jesuiten ermöglicht Flüchtlingen und Benachteiligten in Krisenregionen hochwertige Online-Schulung in Zusammenarbeit mit Universitäten und lokalen Partnern.

Zurzeit ist Pascal Meyer (34) in Kakuma im Nordosten Kenias, im grössten Flüchtlingslager der Welt mit über 100 000 Menschen. Von dort erreicht uns seine Videobotschaft zum neu geschaffenen Kurs für Sportbegeisterte. Im Video berichten JWL-Studenten von ihren schweisstreibenden Stunden, die nicht nur ihnen guttun und sie aus dem Alltag des Flüchtlingscamps herausreissen. Vielmehr wollen sie das mit Online-Lehrern buchstäblich antrainierte Wissen über Bewegungsabläufe und Trainingsmethoden anderen jungen Menschen im Camp weitergeben.

Der Kurs lenkt die Aufmerksamkeit auch auf Frauenrechte im Camp. Dazu gibt es eine eindrückliche Einspielung von Kursteilnehmerin Keth, die bereits drei Volleyballteams gegründet hat. Die junge Frau sagt: «Viele glauben in ihrer Kultur, dass Frauen und Mädchen nicht spielen, keinen Ball kicken, keinen Mannschaftssport betreiben können. Sie behaupten, dies sei nur für Männer und ein Tabu für uns. Ich hoffe, dass ich nach Absolvierung dieses Kurses die Frauen mobilisieren kann. Ich werde ihnen die Bedeutung des Sports zeigen.» Eindrücklich sind auch die Wünsche, die die Kursteilnehmenden am Ende äussern junge Frauen und Männer, deren Leben ins Stocken geraten ist und die von einer besseren Zukunft träumen.

Zuvor war Pascal Meyer in der jordanischen Hauptstadt Amman und half bei der Hochschulbildung für Geflüchtete mit. Die meisten von ihnen stammen aus den Krisenregionen Ostafrikas – für sie ist Bildung die einzige Chance auf ein besseres Leben.



Weniger als ein Prozent aller Flüchtlinge haben Zugang zu Universitätsbildung. Dabei haben viele das Talent und den Willen zu studieren. Jesuit Worldwide Learning will hier ansetzen und mit entsprechenden Mitteln weitere Lernzentren eröffnen. Zurzeit bildet das Werk der Jesuiten über 3500 Studierende in 12 Ländern von Afghanistan bis Kenia aus. www.jwl.org
Was können die Studierenden mit ihren neu erworbenen «Diploma of Liberal Arts» anfangen? Welche Rolle spielt dabei die Regis University in Colorado? Und: Was hat ignatianische Pädagogik als Grundlage von JWL mit kritischem Denken und Verantwortungsbewusstsein zu tun? Antworten dazu von Pascal Meyer.


Radiopredigt zum Christkönig - Hochfest zum Ende des Kirchenjahres

von Regula Lutz

Röm.-kath. Radiopredigt auf srf 2, 25. November 2018 zum Christkönig – Hochfest zum Ende des Kirchenjahrs von P. Dr. Christian M. Rutishauser SJ.

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