Die ersten Stolpersteine in Zürich: Christian Rutishauser SJ zu Josef Traxl (1900-1941)

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Seit Freitag, 27. November 2020 gibt es Stolpersteine auch in Zürich. Die Idee stammt vom Berliner Künstler Gunter Demnig: Seit Mitte der 1990er Jahre verlegt er Pflastersteine auf Strassen, Wegen, Plätzen vor einstigen Wohnungen von Opfern des Nationalsozialismus. Die Stolpersteine sind auf der Oberseite mit kleinen Messingplatten belegt, auf denen die Namen, Lebensdaten und wenn bekannt Todesorte der Opfer eingraviert sind. Heute gibt es gegen 80 000 Stolpersteine in bald 1300 deutschen Städten und Dörfern und weiteren 24 Staaten Europas – es ist das grösste dezentrale Mahnmal der Welt. 

Auch Hunderte Menschen aus der Schweiz wurden, oft über Umwegen, in Konzentrationslagern deportiert und ermordet. Daran erinnern nun Stolpersteine an der Clausiusstrasse 39, Stampfenbachstrasse 75, Schöntalstrasse 22 und Gamperstrasse 7. Sie stehen für sieben Menschen, deren letzter bürgerlicher Wohnort Zürich war:

  • Lea (* 1915) und Alain Berr (* 1942, beide ermordet in Auschwitz 1. Februar 1945)
  • Sara «Selma» Rothschild (* 1895), Jula (* 1922) und Armand Frédéric Rothschild (* 1924, alle drei ermordet 1942 in Auschwitz)
  • Josef Traxl (* 1900, ermordet im KZ Buchenwald 24. August 1941) 
  • Albert Mülli (* 1916, 1938 in Wien von der Gestapo verhaftet, ab 1942 im KZ Dachau, am 29. April 1945 befreit, gestorben 1997 in Zürich)

Der Coronazeit geschuldet, fand am Freitag eine schlichte Erinnerungszeremonie statt. Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten, würdigte an der Schöntalstrasse 22 Josef Traxl: Mit österreichischen Wurzeln in Zürich geboren, begann er eine KV-Lehre und arbeitete später als Maurerhandlanger. Er wohnte bei den Eltern und geriet als Homosexueller ins Visier der Polizei. 1925 wurde er formell des Landes verwiesen, in die Strafanstalt Regensdorf gebracht und am Ende an die Schweiz-Österreichische Grenze gestellt, da die Österreicher ihn nicht übernehmen wollten. Was mit ihm danach passierte, ist nicht bekannt. Er starb im August 1941 im KZ Buchenwald.  

Christian Rutishausers Würdigung von Josef Traxl. 

Adi Kälin berichtet in der NZZ vom 28. November ausführlich über die Leben der sieben einst in Zürich wohnhaften Menschen. 

Porträt von Josef Traxl vom Verein Stolperstein.

 

27.11.2020 Zürich, Stolperstein für Josef Traxl

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