Osterappell an den Bundesrat: Aufnahme von 5000 Geflüchteten aus griechischen Lagern

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Auch Asylsuchende hier bei uns brauchen dringend besseren Pandemie-Schutz: Christoph Albrecht SJ im kath.ch-Interview

Zehntausende Geflüchtete leben zurzeit auf Griechenlands Inseln und Festland in geschlossenen, überfüllten Lagern. Die Festung Europa liefert sie seit Monaten Hunger, Krankheiten, Gewalt und Sterben aus – die Pandemie bildet nun eine zusätzliche, verheerende Gefahr.

Jesuit Christoph Albrecht betont immer wieder, dass auch unser Land hier einen Beitrag zur Linderung leisten müsse. Seine Forderungen erhalten in der Corona-Krise besondere Dringlichkeit. Er äussert sich dazu im Interview von Barbara Ludwig auf kath.ch und in der SRF2-Radiosendung Kultur Kompakt vom 20.4.2020

Unser Land tue viel zu wenig, um Asylsuchende vor dem Corona-Virus zu schützen. Er kritisiert des Weiteren den Entscheid der Justizministerin, unsere Grenze für Asylsuchende zu schliessen. Die Schweiz betreibe zurzeit so genannte «Push-Backs», die direkte Abschiebung von Flüchtlingen an der Grenze, «ein Verstoss gegen die Genfer UNO-Flüchtlingskonvention». Aus christlich-ethischer Perspektive halte er sich da an die Juristinnen und Juristen, die das genau so sehen.

Christoph Albrecht ist verantwortlich für den Jesuiten-Flüchtlingsdienst Schweiz und Mitgründer von migrationscharta.ch, ein Netzwerk aus Zivilgesellschaft und Kirchen. Die Migrations-Charta ruft den Bundesrat auf, in diesen Tagen ein klares Zeichen zu setzen: In ihrem Osterappell fordert migrationscharta.ch die Landesregierung auf, 5000 Menschen aus den griechischen Lagern als Asylsuchende in der Schweiz aufzunehmen. «Es sind Frauen, Männer, Kinder, die alles verloren haben – darunter zahlreiche Kinder ohne Familienmitglieder, die schutzlos dem rauen Lager-Alltag ausgesetzt sind», so Albrecht.

Die Migrations-Charta hält fest: «Aufnahmekapazitäten sind da und werden auch mit einer grossen Zahl von direkt aus Griechenland Aufgenommenen nicht ausgelastet sein. Überall in der Schweiz können Städte, Gemeinden und Kirchgemeinden, kirchliche und nichtkirchliche Hilfsorganisationen diese Menschen empfangen und betreuen. Wir sind bereit und warten auf ein hoffnungsträchtiges Ja des Bundesrats zu einer grosszügigen, grenzüberwindenden Solidarität mit den Schwächsten. Das Leben und nicht der Tod soll das letzte Wort haben!»

Das Netzwerk, gegründet 2015, besteht aus einer Gruppierung evangelisch-reformierter und römisch-katholischer Theolog*innen, die eine neue Migrationspolitik aus biblisch-theologischer Perspektive fordern. Christoph Albrecht SJ, Li Hangartner, Wolf Südbeck-Baur, Nicola Neider, Paul Leuzinger, Verena Mühlethaler, Pierre Bühler – die Liste der Erstunterzeichner der Charta ist lang. Mehr als 900 Menschen haben sie mittlerweile mitunterzeichnet.

Hier gelangen Sie auf die Seite vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst Schweiz und können den Osterapell unterschreiben

Auch die Leitungen der drei Landeskirchen fordern einen Akt der Humanität, hier mehr darüber.

Bild: Dhaya Eddine Bentaleb

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