Dankbarkeits-Kampagne – achter Impuls: Wendelin Köster SJ und seine neue Allergie

Die Corona-Zeit hat Wendelin Köster SJ eine Allergie beschert – eine durchaus nützliche: Der 81-Jährige ist allergisch geworden gegen Gewalttätigkeit als Unterhaltung und Anrempeleien etwelcher Art. Damit beschliesst der deutsche Jesuitenpater unsere Kampagne «Trotzdem dankbar!». Hier gelangen Sie zum erstenzweitendrittenviertenfünftensechsten und siebten Impuls. 

Von Wendelin Köster SJ

Die pandemische Bedrohung hat mich neu geöffnet für ein altes Gebet. Ich spreche  es jeden Donnerstagabend in der Komplet, dem Abendgebet der Kirche. Es lautet:

Mitten wir im Leben sind / mit dem Tod umfangen. / Wer ist, der uns Hilfe bringt, / dass wir Gnad erlangen? / Das bist du, Herr, alleine. / Uns reuet unsre Missetat, / die dich, Herr, erzürnet hat. / Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, / heiliger barmherziger Heiland, / du ewiger Gott, / lass uns nicht versinken / in des bittern Todes Not. / Kyrieleison.

Die Corona-Zeit hat mir zudem zu einer nützlichen Allergie verholfen: Ich verspüre vermehrt eine starke Abneigung gegen Wort- und Bildprogramme, in denen aus der Gewalttätigkeit von Menschen Unterhaltung gemacht wird. Ich eile nicht mehr von Tatort zu Tatort. Stattdessen lerne ich neu zu verweilen. Bei Wörtern und Sätzen, die Tragkraft haben; bei Melodien und Rhythmen, die mich an Leib und Seele tanzen machen; bei Menschen mit geduldigem Blick und mit erfrischendem Händedruck oder – coronabedingt – mit einer herzlichen Verneigung.

Zu dieser Allergie gehört, dass ich mich nicht gern anrempeln lasse, weder seelisch noch körperlich. Mir ist mehr und mehr bewusst geworden, dass ich eine „Knautschzone“ brauche, damit sich im Fall eines Aufpralls nicht mein ganzes „Fahrgestell“ verzieht; dann würde ich – versicherungstechnisch – als „Totalschaden“ eingestuft. Ich sollte aber auch nicht unbesehen und spontan zurückrempeln. Ohne meinen Glauben hätte ich keine wirksame Knautschzone.
Was haben Sie dank Corona gelernt für das neue Jahr?

Wofür sind Sie trotzdem dankbar? Schreiben Sie uns an redaktion@jesuiten.ch.

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