Dankbarkeits-Kampagne – siebter Impuls: Willi Lambert SJ führt uns zum Jesuskind

Wien, Dezember 2020

Dankbar auf das Weihnachtsfest schauen, ist dieses Jahr für viele eine Herausforderung: Heute führt uns der deutsche Jesuitenpater Willi Lambert SJ  zu den Enkeln eines an Corona erkranken Paares – und zum Kind, zum Jesuskind. Es ist der siebte Impuls in unserer Kampagne «Trotzdem dankbar!». Der Ignatianische Tagesrückblick ist Kern der Kampagne. Er ermöglicht eine innere Freiheit trotz stressigem Alltag, trotz Tief, trotz Krise. Hier gelangen Sie zum erstenzweitendrittenviertenfünften und sechsten Impuls

Von Willi Lambert SJ

Wir freuen uns trotzdem
„Was hast Du damals vor Jahren genau gesagt und gefühlt als Du deinen  Enkel zum ersten Mal in Händen hieltest?“, so fragte ich beim Schreiben meines Beitrags eine gute Bekannte. Ihre Antwort: „Eine Handvoll Glück!!“ - „Und wie geht es Euch jetzt, nachdem Du und Dein Mann beide Corona habt?“ - „Wir schreiben jeden Tag im Dankbarkeitstagebuch weiter, wozu ihr Jesuiten eingeladen habt mit eurer Kampagne. Und wir sind dankbar.“ - „Dankbar wofür?“ - „Dankbar für die Erfahrung, dass wir wie in einer Wiege von Fürsorge liegen: Die Enkelkinder kommen und klopfen ans Fenster oder telefonieren. Fürs Einkaufen wird gesorgt. Ja, wir sind schwach, müssen uns oft hinlegen, aber wir können lesen und tauschen uns aus.“ – So sagt diejenige, welche sich in der Fürsorge von Behinderten angesteckt hat.
Und dann fragte ich noch: „Und gibt es etwas mit Blick auf Weihnachten und die Geburt Jesu, was euch in dieser Zeit besonders deutlich geworden ist?“ Von beiden kam mit ähnlichen Worten: „Dass Gott im Kind, in diesem Kind Jesus, uns Menschen so nahekommt und dass er lebt und zeigt durch sein Tun, seine Worte, sein Leiden aus Liebe, wie Gott ist.“ 

Die Botschaft des Kindes: Leben im Danken
Weihnachten, die Feier der Geburt Jesu, lenkt den Blick ganz auf ihn und auf Maria und Josef. Was ist die Botschaft des Jesuskindes – es ist die Botschaft aller Kinder, ohne dass sie noch ein Wort sprechen können: Leben will leben. Und Leben gibt es nur durch und mit und in Beziehung. Alles und alle sind Lebensmittel, die nähren, stützen und schützen – oder auch sich und andern Leben vorenthalten. Und dies gilt für alle Ebenen menschlichen Daseins; für die körperlichen, seelischen und geistigen Dimensionen des Lebens. Zum Ich werden wir nur durch das Du und darin geschieht das Wunder des Wir.

Jesus und der Reichtum der Armut
Und was ist die Botschaft des erwachsenen Jesus-Kindes? Die erste und letzte, dass er sich Gott verdankt weiss mit und in allem. Auf die Armut, auch des „erwachsenen Kindes“ legt er kaum überbietbaren Nachdruck, nicht weil Mangel, Hunger, Not in sich etwas Kostbares wären; wo er konnte, half er Menschen und lud ein, einander die Lasten zu tragen. Der Segen der Armut liegt in der Fähigkeit zu empfangen.
Die Kugel ist ein Bild für die Vollkommenheit, an ihr ist alles rund. Sie braucht nichts, an ihr hält nichts. Sie ist zum Kegeln gut oder als Reichsapfel, aber sie ist ungeeignet, jemandem etwas zum Trinken oder Essen zu bringen. Das kann nur die Schale und die ist leer. Armut ist die Leere des Menschen, der freie Raum, der fähig ist zu empfangen und anzubieten; Durst und Hunger nachzufühlen und zur Stillung beizu-tragen im wahrsten Sinn des Wortes. Dieses Arm-Sein preist Jesus. Und er jubelt darüber, dass Gottes frohe Botschaft von Armen verstanden und angenommen wird (Mt 11,25). Jesus spricht in all seiner Seelsorge-Not: “Und doch hat die Weisheit durch ihre Taten Recht bekommen.“ (Mt 11,19) Paulus treibt dieses „Und doch“, das biblische Trotzdem, auf die Spitze: „Wir haben nichts und besitzen doch alles.“ (2 Kor 6,10)

Trutz Nachtigall
Als Und-doch-Lied bietet sich ein Text an, der erfüllt ist von Lob und Dank. Es ist der Titel einer Sammlung von Gedichten des Jesuiten Friedrich Spee (1591­–1635); er lebte in der Zeit des 30-jährigen Krieges, begleitete durch Folter geständige Frauen zum Sterben und schrieb ein Buch, das den Hexenwahn anklagte: Cautio Criminalis, anonym erschienen. Er starb, als er sich in der Pflege von Pestkranken ansteckte.
Dass er bei diesem Lebenslauf Loblieder schrieb, die zu Kirchenliedern wurden bis heute, kann man ein Wunder der Dankbarkeit nennen. Er lebte das „Trotzdem“ in Liebe und Dank. Er ist die Nachtigall, die in der Finsternis allem zum Trotz singt.

Ach dass nur alles weit/ und breit

Mit seinem lob erfüllet/

Voll krafft/ und macht/ und herrligkeit

Von schall/ und hall erbrüllet:

Ach preiset jhn mit höchstem schall/

Mit starck/ und starckem singen/

Ob schon die welt von hellem knall

Auch solt in stück zerspringen.

 

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