«Priester, wer bist Du? – Nichts und alles»: feierliche Weihe von Martin Föhn SJ und Moritz Kuhlmann SJ zu Priestern

Die zwei jungen Jesuiten Martin Föhn SJ und Moritz Kuhlmann SJ sind gestern Samstag vom St. Galler Bischof Markus Büchel in Zürich zu Priestern geweiht worden. In der Liebfrauenkirche waren aufgrund der Corona-Beschränkungen nur rund 100 Menschen präsent, dank Livestream und Radioübertragung jedoch konnten alle teilnehmen, die den beiden Jesuiten verbunden sind (hier nachzusehen oder im Radio zu hören).

«Wenn ein Virus uns den Atem nehmen will, so müssen wir umso mehr den grossen Atem feiern, den Geist Gottes – er hat das letzte Wort», sagte P. Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten in seiner Begrüssung. «Heute soll er in besonderer Weise unseren beiden Weihekandidaten erfüllen.» 

Zuvor hatten Alphornklänge den Gottesdienst eröffnet – eine Reminiszenz an Martin Föhns bergige Heimat im Muotathal. Albert und Erika Wey erinnerten mit ihren raumfüllenden Klängen auch an Martin Föhns Jahre in der Pfarrei von Birmensdorf bei Zürich, wo das Ehepaar daheim ist. «Ich hab mich sehr gefreut über diese Eröffnung», sagte Moritz Kuhlmann nach der Weihe. «Die Alphörner sind für mich die Posaunen der Schweizer Berglandschaft, und es ist wie im Psalm: Mit Posaunen und Harfen dürfen wir in die Wohnung Gottes eintreten.» Ein starkes Symbol für ihn: Alphörner sind die Instrumente der Hirten, «da denke ich unweigerlich an den guten Hirten. Und nun wird mir und Martin anvertraut, Hirten sein zu dürfen». 

Als Ausbildungsverantwortlicher stellte P. Christoph Soyer SJ in der Folge die beiden Weihekandidaten vor: P. Moritz Kuhlmann SJ wurde als jüngstes von drei Geschwistern 1990 in Los Angeles geboren. Die letzten Schuljahre verbrachte er am Canisiuskolleg der Jesuiten in Berlin, wo er in der Ignatianischen Schülergemeinschaft (ISG) engagiert war. Nach dem Abitur studierte er in Sankt Georgen in Frankfurt am Main Philosophie und Theologie. Nach seinem Noviziat, in das er 2013 eintrat, erwarb er in München den Bachelor in Philosophie. Es folgten ein zweijähriger Aufenthalt im Kosovo an einem Gymnasium, wo er das Sozialzentrum Tranzit aufbaute. Dort ermöglichte er Ashkali-Kindern Zugang zu Bildung. Seine theologischen Studien schloss er in Innsbruck ab und bereitet sich seit einem Jahr für weitere Studien im chinesischen Raum vor. 

P. Martin Föhn SJ wurde 1982 als zweitältestes von vier Geschwistern geboren, wuchs im Muotathal im Kanton Schwyz auf und war in der Landjugend aktiv. Von 1997 bis 2001 absolvierte er die Ausbildung zum Landwirt und arbeitete danach einige Monate in Peru. Von 2003 bis 2007 studierte er Religionspädagogik und arbeitete in der Jugendarbeit und als Religionslehrer. Nach seinem Noviziat, er trat 2010 ein, folgten drei Jahre Philosophiestudium mit Bachelor-Abschluss in München. Von 2015 bis 2017 war er Hochschulseelsorger am aki in Zürich. Während den letzten drei Jahren studierte er in Paris Theologie, ebenfalls mit Bachelor-Abschluss und absolvierte eine Zusatzausbildung zum Mediator. Aktuell arbeitet er in Basel im Bereich Bildung, Spiritualität und Hochschulpastoral.

Der eindrücklichen liturgischen Feier in besonderer Zeit stand Bischof Markus Büchel vor. «Priester fallen nicht vom Himmel, aber sie sind ein Geschenk des Himmels», eröffnete der Bischof seine Predigt. «Es ist für mich eine grosse Freude, heute zwei Jesuiten zu Priestern weihen zu können. Ich gratuliere den Jesuiten», fügte der Bischof an mit Blick auf die zwei Dutzend anwesenden Jesuiten.
Im Folgenden die Predigt von Bischof Markus Büchel.

Lesung Eph 1, 15-23 Evangelium Joh 1, 35-42

Priester, wer bist du?

Du bist nicht aus dir, sondern aus Gott,

du bist nicht für dich, sondern für die Menschen,

du bist nicht dein Herr, sondern der Knecht aller.

Wer bist du also? Nichts und alles!

Liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonendienst
Liebe Schwestern und Brüder in den verschiedenen Seelsorgediensten
Liebe Mitglieder des Jesuitenordens
Und ganz besonders liebe Angehörige der Weihekandidaten, liebe Festgemeinde

Liebe Diakone Martin Föhn und Moritz Kuhlmann 

In der Lesehore des Breviers am letzten Dienstag bin ich auf den Text von Vinzenz Pallotti mit den eindrücklichen Worten über den Priesterdienst gestossen, den ich eingangs zitiert habe. Priester, wer bist du? Wer bist du also? … und darauf die lapidare Antwort: Nichts und alles! Dieses «Nichts und alles» möchte ich mit einigen Predigtgedanken vertiefen.

Doch, liebe Weihekandidaten, zunächst eine ganz persönliche Antwort:
Eure Priesterweihe ist eine grosse Freude für mich als Bischof, für die Kirche, für eure Ordensgemeinschaft und gewiss auch für alle, die mit Euch verbunden sind.

Eure Patres Provinziale haben Euch mir vorgestellt und zur Weihe empfohlen. Im Rückblick auf Euren Weg wird uns allen heute neu bewusst:

«Priester fallen nicht fertig vom Himmel» – aber… sie sind ein «Geschenk des Himmels», ein Geschenk, das entdeckt werden will. In euren Weggeschichten, so verschieden sie sind, gibt es Ereignisse, Begegnungen und Stationen, die als Entscheidungspunkte auf den heutigen Tag hin festgemacht werden können – im Letzten bleibt aber eure Berufungsgeschichte doch ein persönliches und tiefes Geheimnis.

Eine Priesterberufung ist ein langsames Wachsen und sich Entfalten, oft auch ein jahrelanges Suchen und Ringen, kurz – ein Geschenk, das entdeckt werden will:

Dieses Gottesgeschenk «eures Lebens» und eurer Berufung wurde

  • geweckt von Menschen in der Kindheit, von euren Familien, die euch Geborgenheit und Liebe schenkten
  • es wurde geformt durch das vielfältige Suchen, Entdecken und Entfalten eurer Fähigkeiten in Schule und Beruf
  • geformt durch vielfältige Begegnungen und Erfahrungen mit Menschen, die euch faszinierten und durch Begegnungen mit Kulturen in der weiten Welt 
  • ganz besonders aber auch angetrieben durch ein immer neues Loslassen und Aufbrechen aufgrund einer Sehnsucht und Unruhe, die immer tiefer zum erfüllenden Lebenssinn drängten
  • Es sind Euch Menschen begegnet, die Euch glaubwürdig zu Vorbildern wurden, die Euch herausforderten und die innere Unruhe wachhielten – und die durch das Zeugnis des persönlichen Glaubens Euch zum «Propheten Johannes» im heutigen Evangelium wurden, der Euch auf Jesus – auf den lebendigen Christus hingewiesen haben.

Allen diesen Menschen sei in dieser Stunde ein grosser Dank ausgesprochen.

Ohne sie wäre Euer heutiges «Ich bin bereit» nicht gereift.

Der Weg der Spiritualität des Heiligen Ignatius von Loyola und seiner Gemeinschaft liess Euch erfahren, was es heisst, bei «Jesus zu wohnen», das heisst sich ganz auf den Weg seiner Nachfolge einzulassen, das heisst: Seinen Weg heute zu gehen. In der Berufungsgeschichte bleibt die Frage Jesu die entscheidende Frage: «Was sucht ihr? » - 

Ja, was suchen heute Menschen, die sich auf die besondere Lebensnachfolge Jesu einlassen? 

Ansehen und Karriere können es nicht sein – der Priesterberuf ist heute in der Gesellschaft zu belastet mit Anklagen und Versagen.

Kreative Zukunftsvisionen für Kirche, Gesellschaft und Schöpfung haben nicht Hochkonjunktur – davon kann Euer Ordensbruder Papst Franziskus «ein Lied singen»

Und selbst ein zeitgemässes Priesterbild hat es schwer, aufgrund der Zeichen der Zeit sich zu entwickeln und gegen blockierte Strukturen und gegen interne Widerstände sich zu behaupten.

Ja – «was sucht ihr? »

Eure Antwort – Martin und Moritz -habt ihr uns in der Einladungskarte gegeben mit der Gegenfrage aus dem Evangelium: «Wo wohnst Du?»

Mit dem heutigen Adsum zu seiner Einladung «Kommt und seht» willigt ihr ein, Euch auf Jesu Weg mutig einzulassen und Eure Herausforderungen und Erfahrungen immer neu mit seinem Lebensweg und mit seiner lebendigen Gegenwart zu verbinden. Dabei offenbart der Evangelist Johannes in dieser programmatischen ersten Jüngerbegegnung mit dem Hinweis auf Jesus als «Lamm Gottes» etwas Wesentliches: Es geht in allem darum, Jesus als den Christus, den Auferstandenen zu erkennen, wie er in allem den Willen des Vaters zu tun und auch durch Widerstand und Leiden hindurch die Hoffnung zu bewahren.

Mit Eurem «Ich bin bereit», liebe Weihekandidaten, stellt ihr diese Christusverbundenheit über alles andere. Ich wünsche Euch, in immer tieferen Erfahrungen auf dem Weg mit Jesus jene Grundmelodie zu finden, die Euch rüstet für die Aufgaben, die auf Euch warten. Durch Euer Zeugnis und Eure Begleitung sollen viele Menschen erfahren, dass Gott auch in den Herausforderungen unserer Zeit die Treue hält und den guten Weg weist. Persönlich ruft Euch Christus, in unsere ganz konkreten Lebenssituationen hinein Worte des Erbarmens und der Versöhnung zu sprechen. Er sendet Euch, als Priester in Zusammenarbeit mit vielen Menschen, die ihre Gaben und Charismen einbringen, Kirche aufzubauen und das Wachsen des Reiches Gottes zu fördern. Christus braucht Euch heute ganz konkret, um für seine Gegenwart und sein Erbarmen den Menschen Geist und Herz zu öffnen. Er braucht Euch, um durch Eure Worte und Euer Zeugnis Menschen anzurühren und ihnen in den Heilzeichen der Sakramente zu begegnen. Seid Euch aber bewusst: Ihr werdet in die Welt geschickt mit einer Botschaft, der widersprochen wird… Da wird Euch einiges zugemutet – und zwar im doppelten Sinn: Es wird Euch vieles abverlangt, was schwierig sein wird – es wird Euch aber auch Mut zugesprochen vom dem, der sagt: Vertraut, ich gehe Eure Wege mit, «wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten».

Liebe Festgemeinde, liebe Weihekandidaten 

Nun doch, kurz gestreift noch die Frage:

Was ist denn das Besondere des geweihten Priesterdienstes? Das war schon eine Frage in der jungen Christengemeinde, an die sich der Evangelist Johannes wendet. Neben dem Lieblingsjünger, der in den johanneischen Texten eine besondere Rolle spielt, gibt es Petrus, der schon in der ersten Begegnung mit Jesus ohne weitere Begründung «Kephas – Fels» genannt wird. Wie in einem Vorausbild sieht der vorösterliche Jesus in Simon Petrus die Gemeinschaft der Kirche, die auf dem Glauben und Lebenszeugnis der Apostel als tragendem Fundament aufgebaut ist. Wenn wir heute durch Handauflegung und Gebet Moritz und Martin zu Priester weihen, werden sie hineingenommen in diese besondere und apostolische Sendung. Verbunden mit dem Bischof hat der Priester Anteil an jenem Hirtenamt, durch das Christus seine Kirche leitet. Diese sakramentale und geistliche Dimension der Kirche wieder zu entdecken und in den Getauften und Gefirmten die verschüttete Christusbeziehung neu zu beleben, darin liegt die wahre Erneuerung der Kirche.

In der Weiheliturgie werden wir heute Zeugen, wie Gottes Ruf und Gnade wirken und wie Berufene fähig werden, mit Gottes Hilfe für diese Aufgabe ihre Bereitschaft zu bezeugen.

Liebe Weihekandidaten, nehmt heute die Einladung Jesu an - «Kommt und seht» - macht Euch mit ihm auf den Weg …und folgt in allem dem Rat Eures Ordensgründers Ignatius, wenn er sagt:

«In allen Angelegenheiten handle, als wenn Du alles - und Gott nichts täte,

und in allem vertraue, als wenn Du nichts - und Gott alles täte. »

Amen

Markus Büchel
Bischof von St. Gallen

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